Session Replay zeichnet Website-Besuche auf und übermittelt sie an Dritte

BrowserWorkspace

Session-Replay-Skripte finden sich unter anderem auf den Seiten von Evernote, HP, Intel, Lenovo, Microsoft, Samsung und Reuters. Die erforderlichen Skripte stellen Anbieter zur Verfügung, die auch die gesammelten Daten auswerten. Dazu gehören etwa auch versehentlich übertragene Passwörter und Klarnamen.

Drei Forscher des Center for Information Technology Policy (CITP) der Princeton University haben Skripte untersucht, die es Websitebetreibern erlauben, jegliche Interaktion von Nutzern mit ihren Online-Angeboten nachzuvollziehen. In vielen Fällen sollen diese Informationen auf Servern von Drittanbietern landen, wie Motherboard berichtet.

Privacy (Grafik: Shutterstock)

Einige Details ihrer Studie erscheinen nicht neu. Beispielsweise, dass Websites in Formulare eingegebene Daten auch dann erfassen, wenn Nutzer das Formular nicht speichern und den Vorgang abbrechen. Es sollen aber auch fehlerhafte Eingaben und sogar versehentlich über die Zwischenablage eingefügte Inhalte erfasst werden.

Die Skripte werden, da sich mit ihnen eine Browsersitzung aufzeichnen und zu einem späteren Zeitpunkt wiedergeben lässt, Session Replay-Skripte genannt. Unternehmen setzen sie ein, um Erkenntnisse über die Nutzung ihrer Websites zu gewinnen und Inhalte zu identifizieren, die Besuchern Probleme bereiten oder missverständlich sind. Sie sollen jedoch nicht in allen Seiten eines Online-Angebots integriert sein, sondern häufig nur in Seiten, in denen persönliche Informationen eingegeben werden.

Was ein solches Skript kann, zeigen die Forscher in einem Video. Wichtige Anbieter von Session-Replay-Scripts sind der Studie zufolge Yandex, FullStory, Hotjar, UserReplay, Smartlook, Clicktale und SessionCam. Ihre Dienste nehmen demnach 482 der laut Alexa 50.000 meistbesuchten Websites weltweit in Anspruch, darunter die Angebote von WordPress, Microsoft, GoDaddy, Spotify, Skype, Softonic, Reuters, HP, Evernote, Samsung, AVG, Asus, Norton, Lenovo und Intel.

Ausgewähltes Whitepaper

EU-Datenschutzgrundverordnung: Warum Insellösungen keine Lösung sind

Ende Mai 2018 endet die Übergangsfrist für die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO). Dann greifen in Europa die neuen, strengen Datenschutzregelungen. Firmen, die dagegen verstoßen, drohen Strafen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent ihres Jahresumsatzes. Vor dem Hintergrund ist eine umfassende Gesamtstrategie gefragt.

Die Handelsketten Bonobos und Walgreens erklärten dem Bericht zufolge, künftig auf Session-Replay-Skripte zu verzichten. Motherboard weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Anbieter der Skripte in der Regel die Übertragung bestimmter Informationen wie Passwörter von sich aus unterdrücken oder untersagen. Trotzdem landeten Kennwörter immer wieder versehentlich auf den Servern der Anbieter. Das gelte auch für bestimmte persönliche Daten, die der Datenlieferant eigentlich zu “schwärzen” habe.

Als Beispiel wird in dem Bericht die Drogeriekette Walgreens genannt, die Skripte von FullStory verwendete. Obwohl Walgreens verschiedene Funktionen nutze, um persönliche Daten herauszufiltern, wären Details zu Krankheiten und Rezepten von Kunden inklusive ihrer Namen übermittelt worden. Wohl aus diesem Grund blockierten die Anbieter UserReplay und SessionCam von sich aus alle Tastatureingaben und verfolgten nur Mausklicks.

Tipp der Redaktion

EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)

Im Mai 2018 endet die Übergangsfrist für die neue EU-Datenschutzverordnung. Welche Neuerungen sie bringt, was passiert, wenn sich Firmen nicht daran halten und wie sich Unternehmen vorbereiten können, erfahren Sie im Special auf silicon.de.

Die Skripte-Anbieter stufen die Forscher außerdem als lohnende Ziele für Hacker ein. Das sei vor allem im Fall von Yandex, Hotjar und Smartlook bedenklich, da sie browserbasierte Bedienoberflächen für Kunden zur Verfügung stellten, die nicht per verschlüsseltem HTTP (HTTPS) gesichert seien. “Das erlaubt es einem Man-in-the-Middle, Skripte einzuschleusen und alle aufgezeichneten Daten abzurufen”, schreiben die Autoren der Studie.