Rainer Downar

ist Executive Vice President Central Europe das Deutschlandgeschäft sowie Schweiz, Österreich und Polen bei der Sage Software GmbH.

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Mobile Technologien – Fluch oder Segen?

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Ständig erreichbar und “always on”-Mentalität oder dank Online-Lösungen und mobiler Technologien selbstbestimmt? Wie gehen Unternehmer und Selbstständige mit den neuen Möglichkeiten in ihrem Arbeitsalltag um? Das fragt sich Rainer Downar, Executive Vice President Central Europe bei Sage Software, bei seinem Debut im silicon-Blog.

Jeder fünfte Kleinunternehmer (19 Prozent) macht keinen Urlaub. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der deutschen Unternehmer arbeitet deutlich mehr als 40 Stunden die Woche. 52 Prozent haben in der Vergangenheit schon einmal eine Verabredung wegen ihrer Arbeit abgesagt, elf Prozent sogar den Geburtstag oder ein andere wichtige Veranstaltung ihrer Kinder verpasst. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Diese Ergebnisse unserer weltweiten Umfrage von Sage unter 2.600 Unternehmern und Selbstständigen zum #SmallBusinessSaturday hat mich nicht wirklich überrascht. Meine Frau ist auch selbstständig und ich bin durch einen internationalen Job auch an das Thema Arbeitszeiten und den Anforderungen an eine ständige Erreichbarkeit gewöhnt.

Verstärken mobile Technologien die “always on” Mentalität?

Die einen können damit umgehen. Für andere wird es zum „Dauerstress“. Das gilt natürlich nicht ausschließlich für Unternehmer, auch Fach- und Führungskräfte leiden unter dem ständig piependen Smartphone. Eine Umfrage des Branchenverbands BITKOM unter 545 Berufstätigen belegt, dass 7 von 10 Beschäftigten in den Ferien auch auf dienstliche Anrufe, SMS oder E-Mails reagieren. Da verwundert es nicht, dass auch über 90 Prozent der Führungskräfte im Urlaub erreichbar sind und 88 Prozent davon es als Stress empfinden, wie eine andere Studie vom Beratungsunternehmen MERCER und der TU München herausgefunden hat.

Dasselbe gilt für Unternehmer. Viele tun sich schwer ihr Geschäft, in das sie ihr Herzblut und persönliches Vermögen investiert haben, während dem Urlaub jemand anderen zu überlassen. Und auch unter der Woche nehmen viele die “Überstunden” gar nicht wahr. Weil sie lieben, was sie tun und ihr Erfolg von ihnen selbst und ihrer Leidenschaft abhängt, arbeiten sie am Ende der Woche 50, 60, 70 oder mehr Stunden. Wenn aber die ständige Erreichbarkeit zur Belastung wird, sollte man über bewusste Auszeiten nachdenken und diese auch einhalten.

Regeln für Auszeiten definieren

Auch wenn man für sein Geschäft “brennt”, muss man sich Auszeiten schaffen. Nur so bleibt man gesund und bekommt den Kopf frei für neue Ideen. Als Verantwortlicher für das zentrale Europageschäft bei Sage bin ich auch am Abend und an den Wochenenden erreichbar. Doch es gibt Zeiten, an denen ich das Handy bewusst ausschalte – auch mehrere Stunden. Es ist mir wichtig, diese Auszeiten zu haben, diese Ruhe-Inseln zu schaffen. Im Urlaub gehe ich komplett offline. Da müssen meine Stellvertreter die Probleme lösen. Wer nicht delegieren kann, hat irgendwann ein größeres Problem. Vertrauen ist wichtig. Man muss Verantwortung auch bewusst abgeben.

Flexibel Dank neuen Technologien

Was viele bei der Debatte um die ständige Erreichbarkeit vergessen, ist welche Vorteile und Flexibilität moderne Technologien wie Smartphones oder Cloud-Lösungen mit sich bringen. Stellen Sie sich vor, ich müsste wie früher für eine E-Mail oder ein Telefonat ins Büro fahren oder Dokumente erst ausdrucken? Heute undenkbar. Im Auto E-Mails per Freisprechanlage diktieren, Details telefonisch klären, aktuelle Daten und Ergebnisse online direkt abrufen zu können oder per push zu erhalten – all das erspart enorm viel Zeit und schafft Freiräume.

Wenn man also weiß, wo man seine persönlichen Grenzen setzt und auch einmal “offline” geht, profitiert man besonders auch als Unternehmer von den Vorteilen der neuen Technologien. Klar ist allen: Eine Welt ohne Smartphone und Co. wird es in Zukunft nicht geben. Wir müssen uns aber jeder individuell damit auseinandersetzen, wie wir damit umgehen und rechtzeitig erkennen, wenn es zu viel wird.