Uwe Hauck

hat Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert. Heute ist er Senior Software Engineer bei einem IT Dienstleister.

EnterpriseEntlassungen

Arbeitsplatz der Zukunft. Ein völlig falscher Begriff

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Blogger Uwe Hauck ist ein Verfechter des Begriffs Work-Life Integration statt Work-Life Balance. Darum beschäftigt er sich intensiv damit, wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. HALT! Lese ich mich da richtig? Leben UND arbeiten? Eigentlich sollte das ganze doch eins sein, jedenfalls nach Haucks Gedankenmodell.

Die stille Entmachtung der Firmen-IT: Das Smartphone. Quelle: Uwe Hauck
Die stille Entmachtung der Firmen-IT: Das Smartphone. Quelle: Uwe Hauck

Und tatsächlich denke ich, wir tappen da alle noch in die Begrifflichkeiten Falle.

Wir machen uns Gedanken um den Arbeitsplatz der Zukunft, welche Werkzeuge dort verwendet, welche Methodiken gelebt werden. Wir unterscheiden in vielen Bereichen zwischen Dingen, die wir privat tun, nutzen und Dingen, die wir im Büro nutzen.

Schluss damit! Zu glauben, wir könnten zwei parallele Leben führen, ist mit ein Grund für die momentane Welle psychischer Erkrankungen. Wir müssen stehts wechseln zwischen dem, was wir privat, was wir persönlich denken, tun, wollen und dem, was uns im Beruf erlaubt, bereitgestellt oder an Freiräumen gegeben wird. Ein kleines Gedankenspiel.

Jeder meiner Leser möge sich einmal fragen, ob er wirklich genau so privat handeln und vorgehen würde, wie ihm die Vorgaben seines Unternehmens, seines Arbeitsplatzes es vorschreiben? Stünde da dann der gleiche Schreibtisch, die gleiche Hardwareausstattung, die gleichen Werkzeuge? Vermutlich werden jetzt die meisten nein sagen.

Das aber heißt in Konsequenz, dass ich an meinem Arbeitsplatz nicht für mich optimal arbeiten kann, sondern bestenfalls mir die nach Ansicht einiger Verantwortlicher beste Ausstattung in deren Augen bereitgestellt wird. Dass das nicht zwangsweise die für mich wirklich beste Ausstattung sein muss, dürfte offensichtlich sein.

Und Argumente wie Arbeitsergonomie, Datenschutz, Schutz des Mitarbeiters vor sich selbst werden meist nur vorgeschoben, weil es eigentlich keinen wirklichen Grund gibt, alle über einen Kamm zu scheren und damit vermutlich ein Gutteil an Mitarbeitern mit suboptimalen Werkzeugen auszustatten.

Oh ja, die bösen amerikanischen Firmen, die alles von uns auswerten. Google oder Facebook kommt uns nicht ins Haus. Na und? Jeder Mitarbeiter mit Smartphone braucht “das Haus” nicht mehr, um die für ihn angenehmen Werkzeuge nutzen zu können. Und dieser Trend, den manche auch als Digitalisierung 4.0 bezeichnen, wird durch aufgeblähte Entscheidungsapparate und technisch nicht versierte IT Entscheider noch beschleunigt.

Zudem ist spätestens mit der weiten Verbreitung des Smartphones der Wunsch der Mitarbeiter nach “Bring Your Own Device” stärker geworden. Denn ich möchte nicht zwei Smartphones mit mir herumtragen. Und nein, ich möchte mein Smartphone auch nicht am Empfang abgeben. Zum einen wäre das ein Misstrauensbeweis des Arbeitgebers, der mehr als vieles andere zur Demotivation und Dienst nach Vorschrift beitragen würde, zum anderen ist die Idee des Smartphones ja die der Erreichbarkeit und des permanenten Zugriffs auf Wissen, Daten, Informationen.

Wir behindern uns durch die “German Angst” vor Datendiebstahl und diesen bösen Konzernen und insbesondere durch die in keinem anderen Land so verbreitete Technophobie selbst.

Und, so paradox das klingt. Selbst die Fußball WM zeigt mir, auch wenn ich mit Fußball überhaupt nichts anfangen kann, wie albern die Trennung zwischen dem Menschen am Arbeitsplatz und dem Privatmenschen ist. Denn ich wette, bei ALLEN Unternehmen, ob groß ob klein kommt in jedem zweiten Gespräch auf den Fluren oder den Büros das Thema auf Fußball. Und das sind dann beileibe keine 5 Minuten Gespräche.

Würden die Fußballfans sich hier wirklich diese Gespräche verbieten lassen? Eben. Und gleiches gilt für andere private Themen. Denn das gehört auch zum Alltag im Unternehmen, das Ventil, das den beruflichen Druck nicht zu groß werden lässt. Je mehr ich aber hier verbiete und/oder vorschreibe, umso weniger Ventile gibt es und um so größer die Belastung des einzelnen durch eine unpersönliche Arbeitsumgebung, unpersönliche Arbeitsmittel und eine Kultur, die nicht den Menschen sondern die Humanressource sieht.

Also weg mit dem Begriff Arbeitswelt der Zukunft. Wenn schon, dann Leben der Zukunft.

  1. Richtige Sicht aber falscher Appell. Aus langjähriger Erfahrung: Es nützt nichts, den Führungskräften eine veraltete Denkweise vorzuwerfen. Um bei Unternehmen etwas zu bewegen, muss man ihre Sprache sprechen, damit sie die Veränderung verstehen und in ihre bisherigen Denk- und Verhaltensmuster einsortieren können. Hier geht es inhaltlich darum, gedanklich den Graben zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu schließen und anzuerkennen, dass der Mensch nur eine Zeit hat: seine Lebenszeit. Die konkrete Umsetzung der Veränderung muss aus Sicht der Unternehmen am “Arbeitsplatz” erfolgen. Der “Arbeitsplatz der Zukunft” ist inzwischen etabliert und auf der Führungsetage angekommen. Auch wenn die Argumentation nachvollziehbar ist, ist es im Gespräch mit Unternehmenslenkern hilfreicher, vom “Arbeitsplatz” statt vom “Leben der Zukunft” sprechen.