Uwe Hauck

hat Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert. Heute ist er Senior Software Engineer bei einem IT Dienstleister.

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Botschaft des HP TouchPad-Abverkaufs: Ihr seid zu teuer

Was sagt uns der Erfolg im Angesicht des Todes beim HP TouchPad? Silicon.de-Blogger Uwe Hauck hat hier eine klare Meinung.

Was für mich bei dem phänomenalen Abverkauf der letzten HP TouchPads deutlich wurde (am 23. August so gegen 01:00 Uhr war der Online Shop von HP wohl leer gekauft, dann war er wieder erreichbar (Twitter informiert) und ein kurzer Blick zeigte mir, alles verkauft, nur noch Wunschliste… hihi).

Hallo ihr Hersteller: Tablets um die 500 Euro sind schlichtweg für den Normalverbraucher zu teuer. Das iPad ist kein Tablet, sondern eine Botschaft, ein Statussymbol. Da geht es nicht um Funktionalität, sondern um Image. Ich wage gar zu behaupten, dass viele Menschen das iPad kauften, weil sie halt das iPad wollten, denen sagte der Begriff Tablet nix und auch nicht, dass es da noch andere gab. Alle anderen Tablets waren schlicht für den Massenmarkt viel zu teuer und sind es auch heute noch. Mein Galaxy Tab hätte ich mir nie für den Neupreis angeschafft, zu dem es initial auf den Markt kam. Erst jetzt, da die Preise fallen, habe ich bei einem Vorführexemplar für knapp über 300 Euro zugeschlagen, was aber eigentlich auch noch viel zu teuer ist.

Was sagt uns der Erfolg im Angesicht des Todes beim HP TouchPad?

Nun, ganz einfach. Ich wage zu behaupten, bei 300 Euro liegt die Schmerzgrenze. Hätte HP das TouchPad irgendwo bei 200 Euro angesiedelt, und das von Anfang an, hätte man jetzt diesen Abverkauf nicht machen müssen.

Und weg sind sie, wobei mich das "temporarily" zugegebenermaßen bei einem Abverkaufsprodukt etwas irritiert. Quelle: Uwe Hauck
Und weg sind sie, wobei mich das “temporarily” zugegebenermaßen bei einem Abverkaufsprodukt etwas irritiert. Quelle: Uwe Hauck

Und ich sehe spätestens 2012 auch ein Ende des Tablet-Hypes, dann ist der Markt gesättigt und es wird ein harter Verdrängungswettbewerb stattfinden, dessen Beginn wir meiner Ansicht nach gerade mit den Patentklagen der Hersteller untereinander schon heraufdämmern sehen. Mal sehen, was in einem Jahr von meiner Prognose stimmt. Eins sicher schon heute: Ihr seid alle viel zu teuer für ein Gadget, mit dem man sich zwar unterhalten lassen kann, aber nicht wirklich vernünftig arbeiten.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass selbst dieser Abverkauf mit sehr heißer Nadel gestrickt war. Denn während die TouchPads im Shop für 99 Euro angeboten wurden, fand man auf der Startseite von HP noch die Originalpreise. Und dass nach dem endgültigen Verkauf des Bestandes, noch die Möglichkeit besteht, die Dinger auf ‘ne Wunschliste zu setzen, finde ich auch recht amüsant.

Immerhin wurde am Morgen eine, allerdings nur englischsprachige Landing Page geschaltet, die meldet, dass der Vorrat an HP TouchPads wegen des großen Andrangs nach der Preisreduzierung aufgebraucht ist “vorläufig” wie da steht. Also entweder sind noch Container mit Geräten unterwegs, oder auch diese Seite war mit heißer Nadel gestrickt.

  1. Nicht die Botschaft
    Die Leute würden bei solchen Preisreduktionen alles sofort leerkaufen. Außerdem will ich nicht wissen, wieviele der Tablets nicht zum Gebrauch, sondern zum Weiterverkauf erstanden wurden.

  2. 100% Zustimmung
    ich würde mir auch gern ein Tablet kaufen aber sehe es nicht ein, soviel Geld für ein Tablet auszugeben.
    Wenn z. B. Medion ein gute Tablet im Weihnachtsgeschäft 2011 vekaufen würde wäre ich bei einem Preis bis 300 ? dabei. Die Ausstattung sollte dann der des Toshiba Thrive entsprechen.

    Ich brauche keine künstlich, technisch beschnittene Geräte, die noch nichtmal über einen SD/Micro-SD Slot verfügen… aus Weltanschaungsgründen kommt mir die Firma Apple nicht ins Haus.

    Schönen Tag

  3. Naja
    Als Hersteller einer Ware ist es unmöglich etwas unter Herstellungskosten zu verkaufen. Das geht nur wenn *irgendein* Modell existiert, in dem der Verlust nach dem Verkauf kompensiert werden kann.

    Porsche würde der 911 auch aus der Hand gerissen wenn sie den Preis auf das Niveau eines Polos senken (was ungefähr der Reduktion von 499 auf 99 USD beim TouchPad entspricht). Ob das mittelfristig zum Erfolg führt wage ich mal zu bezweifeln.

  4. Mee-Too funktioniert halt nur bedingt …
    Lassen wir mal das (auch subtile) Apple-Bashing beiseite: Apple sorgt für seinen stringenten Kurs dafür, dass das ganze ein gut funktionierende Einheit ist. Wer Entwickelr kennt (bin selbst einer), weiß, dass Android höchstens als "kleineres Übel" akzeptiert wird, weil man nie weiß, ob die eigene App auch auf den jeweiligen Kisten läuft. WebOS war noch zu frisch, als dass man sich da ein Urteil erlauben konnte. Man kann gegen diesen Kurs sein, aber wenn man mal die scheinbaren Abstriche akzeptiert, wird manirgendwann einmal merken, dass der SD-Slot gar nicht unbedingt nötig ist oder dass viele DVDs inzwischen auch eine MPEG4-Version des Films mitbringen etc.

    Und gut Arbeiten kann man damit sehr wohl – ich kaufe ein iPad nicht wegen des Felings oder des Hypes oder was auch immer, ich benutze Apple-Geräte schon seit über ca. 15 Jahren – ich bon vom Konzept überzeugt, das Gebaren der Firma hingegen gefällt mir auch nicht immer. Und damit arbeiten kann ich sehr wohl – mein Net- und Notebokk bleiben zu 80% zu Hause.

    Dass WebOS jetzt untergeht, bedauere ich sehr und hoffe, dass es irgendwie weitergeht. Wenn man aber mal die vielen Erfahrungsberichte liest und auch Anwender hört, ist der echte "iPad-Killer" noch nicht geboren – und vor diesem Hintergrund hilft in der Tat nur der Kampfpreis. Da aber die Tablets recht eng kalkuliert sind, wird das schwierig – das OpenTouch für 300,- Eur wäre ein Verlustgeschäft. Insofern wird der Markt noch ein wenig zappeln, bis sich die Komponentenhersteller mit günstigeren Teilen neu positionieen können.

  5. Preis versus Produkt
    Hallo Manfred,
    in vielem kann ich dir da vollstens zustimmen. Letztlich ist beim IPad auch für den Kunden nicht die Frage, welches OS liegt drunter, welcher Hersteller ist es. Was die Szene rund um Apple als Bashing aufbaut (und ich gestehe, ich bin da auch nicht frei von) interessiert den wirklichen Endkunden nicht die Bohne. Der will, und genau das hat Apple hervorragend geschafft, ein Device, über das er nicht nachdenken braucht, womit ich meine. Er kauft es, er schaltet es ein.. Geht. und damit geht es und gut ist. Viele andere produzieren unnötig viele Features darum, bauen komplexe Softwaretools ein. Apple beherrscht wie kein zweiter die Kunst des intelligenten Weglassens. Aber deshalb ist es meiner Ansicht nach auch kein Tablet, sondern ein IPad. Eine Mischung aus Designkult und extremer aber intelligenter Vereinfachung. Nur leider, bei diesem Preis halt auch kein Produkt für einen grossen Markt. Denn dafür ist es wiederum zu speziell. Aber wer weiß gerade ist ja scheinbar ein niedrigpreis IPhone in Planung. Ob es dann ggf. auch bald ein Niedrigpreis IPad geben wird? DAS würde den Markt nämlich WIRKLICH revolutionieren.