Winfried Holz

Winfried Holz ist Chief Executive Officer (CEO) von Atos Deutschland. In zahlreichen Gremien engagiert er sich für den IT- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

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Cloud Computing als Innovationstreiber für Europa? Drei Thesen.

Winfried Holz, CEO bei Atos deutschland, ist neu im Team der silicon.de-Blogger. In seinem ersten Beitrag beschreibt er wie aus dem “Hemmschuh” Sicherheit in der Cloud ein Alleinstellungsmerkmal für Deutschland und Europa werden kann.

Im Ausland werden wir Deutsche oft mit Gründlichkeit, Zuverlässigkeit und Qualität gleichgesetzt. Das Gütezeichen “made in Germany” ist noch immer hoch im Kurs – gerade im globalen Wettbewerb, wie die beachtenswerte Exportleistung und Stabilität der deutschen Wirtschaft belegen. Zugleich verlieren wir uns aber hierzulande und in Europa in Bedenkenträgertum und endlosen Diskussionen über angemessene Sicherheitsvorkehrungen. Diese Stärken, aber auch die Schwächen, können uns dazu verhelfen, zum wichtigen Cloud-Standort aufzusteigen –und zwar gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn. Dazu folgende drei Thesen:

1. Cloud Computing kann der Innovationstreiber für den IT-Standort Europa und damit auch für Deutschland werden. Denn statt fasziniert auf die großen Public Clouds aus den USA oder auf die wirtschaftliche Dynamik in Asien zu schauen, muss Europa sich auf seine Stärken besinnen. Und eine dieser Stärken ist das Thema Datenschutz und Datensicherheit.

2. Der Fokus auf Datenschutz in Europa ist kein Hemmschuh, sondern ein Alleinstellungsmerkmal. Wir müssen es nur praxisgerecht und systematisch für die Cloud-Entwicklung einsetzen.

3. Ist die IT-Organisation nur Facility Management oder Innovationstreiber? Die Antwort ist für mich klar: sie ist ein Innovationstreiber. Doch um Innovationstreiber zu sein, müssen die Schwerpunkte auf “Integration” gelegt werden, sowohl in der Politik als auch im Markt und in den Unternehmen.

Mich erstaunt, dass die öffentliche Diskussion über die Sicherheit erst mit der Cloud an Fahrt gewonnen hat. Denn dieses kritische Thema steht bei Outsourcing seit Jahren ganz oben auf der Agenda der IT-Verantwortlichen und wurde auch mit Inkrafttreten des Patriot Act in den USA vor fast elf Jahren in den Mittelpunkt gerückt. Pauschale Zugriffsrechte des Staates auf die Unternehmensdaten fördern nicht den Einsatz von Cloud-Technologie. Im Gegenteil, sie schüren nur das Misstrauen.

Genau hier offenbaren sich unsere Potenziale: Wenn die europäischen Datenschutz-Richtlinien so konzipiert sind, dass sie das Vertrauen der Anwender – also der professionellen Cloud Service-Nutzer – gewinnen, dann entwickelt Europa einen einzigartigen Standortvorteil. Natürlich muss dabei das legitime Recht der Staaten zur Gefahrenabwehr gewahrt bleiben, das versteht sich von selbst. Doch Ausgewogenheit lautet die Devise.

Nationale Alleingänge bringen uns hier im “kleinen Europa” nicht weiter. Cloud Computing kann sich nicht entlang von Staatsgrenzen, sondern nur entlang von Rechtsräumen organisieren. Und unser Rechtsraum ist die Europäische Union, die uns zugleich die notwendige wettbewerbsfähige Marktgröße bietet. Die Analysten von Gartner kritisieren zu Recht, dass das fragmentierte Datenschutzrecht in Europa die Entwicklung von Cloud Computing um zwei Jahre zurückwerfen wird.
Alle Beteiligten sollten also den Fokus auf die Harmonisierung von praktikablen Richtlinien legen, die den übergeordneten staatlichen Interessen sowie den unternehmerischen Zielen gerecht werden. Gelingt es uns, einen einheitlichen Rechtsraum zu schaffen, dann wird sich Cloud Computing in Europa zu einem entscheidenden Markt entwickeln.

So wird aus dem scheinbaren Hemmschuh “Sicherheit” ein USP (Unique Selling Proposition). Wenn wir als Cloud-Anbieter unseren Kunden versichern können, dass wir als europäische Anbieter den hohen Standards Europas genügen, dann stärken wir einerseits den Standortort und schaffen andererseits Vertrauen in die Cloud Services.