Dr. Michael Pauly

ist Senior Consultant bei T-Systems. Gerne betrachtet er IT-Trends durch die Brille eines Non-Digital-Native.

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Der siebte (Cloud-)Sinn

silicon.de-Blogger Michael Pauly schwelgt in Erinnerung an die Fernsehsendung “Der 7. Sinn”. Anschauliche Filmchen demonstrierten damals, was passieren, wenn man sich nicht an Verkehrsregeln hält. Pauly wünscht sich so etwas auch für die Cloud.

Kennen Sie das noch? Früher saßen wir ganz entspannt zu Hause vor dem Fernseher und ließen uns die Vorteile von Sicherheitsgurten sowie das richtige Verhalten im Straßenverkehr erklären. Gewürzt mit einigen – meist (damals) sehr beeindruckenden – Videoaufnahmen, die genau zeigten, was passiert, wenn man den guten Ratschlägen nicht nachkam. “Der 7. Sinn” nannte sich das Ganze. Ältere unter uns aus der Prä-Cloud-Ära erinnern sich vielleicht noch. Und das Gute ist: Inzwischen wird bereits darüber nachgedacht, dieses Format wiederzubeleben.

So etwas wünschte ich mir auch im Cloud-Umfeld. Wieso werden Sie fragen. Schulungen und Trainings gibt es doch reichlich in diesem Umfeld und auch die gängigen Zeitschriften und Magazine haben das Thema inzwischen für sich entdeckt. Das schon. Aber so richtig scheint unser Cloud-Sinn noch nicht ausgeprägt zu sein. Wie denn auch. Vieles ist sehr technisch und strotzt vor Komplexität. Und wenn das mal nicht der Fall sein sollte, dann ist das Lieblingsthema Sicherheit oder Datenschutz. Beides nicht gerade einfach zu verstehen. Wobei das auch an mir liegen kann.

Nun, warnen und Angst machen kann eigentlich jeder (Das ist das einfachste). Was oft fehlt sind gute Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Cloud und natürlich den Nutzen, den mir eine Cloud-Lösung bringt. Genau so wie damals beim 7. Sinn. Oder können Sie sich an eine Ausgabe erinnern, in der den Autofahrern nur Angst gemacht wurde? Nein. Hier wurden immer Lösungen, Nutzen und Mehrwerte präsentiert. Und das leicht verständlich.

Also, was bringt mir die Cloud? Ich senke meine Kosten, werden einige von Ihnen direkt sagen. Stimmt. Aber ist das nicht vielmehr ein (Cloud-)Effekt? Eine Auswirkung von Cloud? Vielleicht sollte ich es anders formulieren. Welchen Vorteil verschaffe ich mir dadurch, dass ich Cloud-Services verwende?

Durch Cloud-Services kann ich schneller mit meiner IT auf Änderungen im Markt reagieren. Ich bin dynamischer. Mir erschließen sich neue Märkte, dadurch dass ich Ideen einfach mal ausprobieren und umsetzen kann. So entstehen Innovationen ;-). Das klingt doch viel spannender als “Reduzierung von Kosten”, oder?

Das hört sich einfach an. Aber, um das Business flexible und dynamisch zu unterstützen und in neue Märkte aufzubrechen, bedarf es mehr als nur bestehende IT durch Cloud-Services zu ersetzen. Hier sind noch die Prozesse und Teile der Organisation cloud-ready zu machen, damit alles perfekt ineinander greift und zusammenspielt. Ein Schuss von Big Data kommt meist auch noch dazu… Aber zurück zum Anfang. Bevor wir soweit sind, müssen wir der Cloud noch mancherorts den Weg bereiten. Wieso nicht mit einem 7. Cloud-Sinn?

Ich bin mal gespannt, wann die ersten Spots zu Cloud im Fernsehen kommen. Natürlich zur besten Sendezeit und nicht auf irgendwelchen Spartenkanälen. Denn das sollte es uns schon wert sein, oder? Und im Cloud Computing liegt, wenn ich Analysten glauben darf, die Zukunft der IT. In diesem Sinne. Schulen wir unseren Cloud-Sinn oder, wie manche sagen, unser Cloud-Gen ;-).

Ihr Michael Pauly