Jörg Hesske

ist Country Manager bei VMware Deutschland. Nach längeren Aufenthalten in Frankreich und den USA beobachtet er auch internationale Zusammenhänge mit großem Interesse.

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Die Cloud – In Deutschland angekommen?

Die Risiken, die im Zusammenhang mit Cloud Computing genannt werden, sind nicht neu. Es sind Risiken, die wir bereits von vergangenen Trends wie dem Outsourcing kennen. Und genau wie beim Outsourcing gibt es Mittel, diesen Risiken zu begegnen.

Einer aktuellen VMware-Studie zur Adoption von Cloud Computing zufolge planen europäische Unternehmen, in den nächsten 18 Monaten fast ein Drittel ihres IT-Budgets in Cloud Computing zu investieren. In der Studie wurden 1.128 IT-Entscheider aus sieben Ländern aus Europa, dem mittleren Osten und Afrika (EMEA) zu ihren Investitionsplänen befragt. Alleine bei deutschen Unternehmen werden 28% der IT-Budgets für den Ausbau von Cloud-Konzepten zur Verfügung gestellt.
Ich finde das eine Menge – zumindest aus der Sicht der Unternehmen.

Wenn man aber die Seite der IT-Hersteller betrachtet, die sich nahezu geschlossen als Cloud-enabler, -Leader, -Vorreiter, -Technologieführer, -Thought Leader, -Wegbereiter etc. bezeichnen, ist diese Zahl doch eher gering. Und ist es nicht so, dass trotz der vorherrschenden Auffassung, das Cloud Computing einen agileren und flexibleren Ansatz für IT darstellt, gerade deutsche Unternehmen, verglichen mit unseren europäischen Nachbarn, noch recht zurückhaltend agieren? Verlust der Datenhoheit und –kontrolle, Sicherheit und Compliance sind nach wie vor die größten Bedenken.

Alles Punkte, die ich durchaus teilen kann!
Ich persönlich bin auch sehr zurückhaltend, was die Auslagerung meiner privaten Daten anbelangt. Natürlich habe ich einen XING-, LinkedIn- und sogar einen Facebook-Account, persönliche Fotos oder Statusmeldungen, an welchem Ort ich mich gerade befinde, findet man von mir aber nicht. Meine Musikdateien, Bilder und Dokumente behalte ich lieber bei mir. Das ist natürlich Typsache und zuweilen ja auch praktisch, wenn man zumindest über die Distanz mit ehemaligen Studien- oder Arbeitskollegen verbunden ist und zumindest virtuell in Kontakt bleibt. Oder mittels iCloud von jedem Ort aus meine Lieblingsmusik hören kann….

Wo hier die Brücke zum Cloud Computing ist?
In meinen Gesprächen mit CIOs höre ich immer wieder ähnliche Vorbehalte gegenüber der Unternehmens-Cloud. Nicht selten werden die Einwände in Form von Sicherheits-Bedenken und Verlust der Daten-Hoheit wie sie uns bei Facebook, Flickr, Youtube & Co. begegnen auch auf die Geschäftswelt übertragen. Doch so linear lässt sich der Vergleich nicht ziehen!

Zum einen ist Cloud nicht gleich Cloud und zum anderen lassen sind auch bei weitem nicht alle Daten gleich priorisieren.

Auf den Vorbehalt, in der Cloud gelagerte Daten lassen sich nicht mehr zurückholen, stoße ich in meinen Kundengesprächen immer wieder. Und bin erstaunt, wie zurückhaltend manche im geschäftlichen Umfeld agieren und im privaten Umfeld aber recht lax mit ihren persönlichen Informationen umgehen. Dennoch hat unsere Umfrage gezeigt, dass fast alle der befragten Unternehmen in Deutschland (95 Prozent) Cloud Computing als eine Priorität betrachten. Von den Prozessen, die bereits in der Cloud durchgeführt werden, befinden sich noch die meisten (54 Prozent) in Private Clouds. 28 Prozent liegen in Public, 18 Prozent in Hybrid Clouds.

Das zeigt, dass es nach wie vor wichtig ist, das Verständnis für die verschiedenen Cloud-Modelle zu erklären. Gerade Unternehmen können aus einem breiten Fundus von SaaS (Software as a Service) über Paas (Platform as a Service) und IaaS (Infrastructur as as Service) schöpfen, sich ganz für die Private Cloud oder ein hybrides Modell entscheiden – gekoppelt mit den besten Security-Mechanismen und Compliance-Richtlinien.

“Cloud Computing hat das Potenzial, den gesamten IT-Bereich zu revolutionieren” hieß es zu Beginn des Hype. Naja, vielleicht ist eher eine Evolution als eine Revolution.

Neben der deutschen Vorsichtigkeit ist sicher auch unser komplexes Datenschutzgesetz (BDSG) nicht ganz unschuldig daran, dass sich Cloud Computing bei deutschen Unternehmen erst nach und nach durchsetzt. Die Entscheidung für oder gegen Cloud Computing in Deutschland ist oftmals weniger technischer, als juristischer Natur. Cloud-Anbieter aus den USA müssen sich gegenüber dem US-Handelsministerium zur Einhaltung der Safe-Harbor-Grundsätze verpflichten und zur Kooperation mit europäischen Datenschutzbehörden bereit sein. Deutsche Service Provider mit Rechenzentren auf deutschem Boden unterliegen aber EU-Gesetz. Ein entscheidendes und leicht zu erkennendes Unterscheidungsmerkmal.

Und technisch muss sich eine “Cloud made in Germany” neben der Konkurrenz aus den USA sowie nicht verstecken!