Nikolaus Reuter

sieht als Gründer der Etengo (Deutschland) AG im Freelancing einen Megatrend und in flexiblen Einsatzszenarien einen elementaren Baustein künftiger Erwerbsmodelle.

CIOProjekte

Die Herde schön zusammenhalten – Home-Office und Remote-Arbeit  ist wieder out!

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Nicht erst seit die damals frischgebackene Yahoo-Chefin Marissa Meyer gleich zum Amtsantritt alle Mitarbeiter rigoros zurück an die Schreibtische in die Konzernzentrale beordert hat, erlebt das Arbeitsmodell Home-Office – auch in Deutschland – eine deutliche Trendwende.

Laut Analyse des DIW-Wochenberichts Nr.8/2014 ist in Deutschland die Zahl der Heimarbeiter seit 2008 in fast allen Berufsgruppen in zweistelligen Raten rückläufig.

Was vor rund drei Jahrzehnten vielversprechend begann und damals als logischer, nächster Schritt in Richtung “Arbeitswelt der Zukunft” verstanden wurde, hat im neuen Jahrtausend in vielen Branchen und Erwerbsbereichen schon wieder ausgedient. Paradoxerweise wird das Home-Office besonders in zukunftsorientierten Bereichen, wie IT und Engineering, deren Technologien ja ursprünglich die Weiterverbreitung der Telearbeit überhaupt erst möglich gemacht haben, explizit nicht oder nicht mehr so oft gewünscht!

Digital Workers “ja, unbedingt”, aber für die wichtigen Aufgaben und sensiblen Projekte dann doch bitte in den eigenen “Hallen”. Diese Erfahrung mache ich selbst tagtäglich bei der Rekrutierung von hochqualifizierten IT-Experten im Auftrag von renommierten deutschen Unternehmen. Der Großteil der Aufträge, die heute an hochqualifizierte, externe IT-Spezialisten vergeben wird, erfordert – auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden – die persönliche Anwesenheit vor Ort.

Was zunächst wie ein Widerspruch klingen mag, ist in Wahrheit schnell als logische Konsequenz der modernen Arbeitswelt und -organisation enttarnt: Unternehmen setzen nämlich explizit auf die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen den eigenen, fest angestellten Mitarbeitern und den meist projektbezogen und temporär eingesetzten externen Experten. Denn nur so profitiert der Auftraggeber beziehungsweise dessen Mitarbeiter auch langfristig vom Wissen der Externen.

Telearbeit ist häufig auch für solche Projekte ungeeignet, bei welchen schnelle Entscheidungen und eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit gefragt sind. Bei der Entwicklung von digitalen Produkten, wie beispielsweise im Bereich Online-Games oder eCommerce, ist Tempo im globalen Wettbewerb entscheidend – da kann dann zum Beispiel keine Rücksicht auf unterschiedliche Arbeitszeiten, in womöglich noch divergenten Zeitzonen genommen werden. Lösungen werden in solchen Konstellationen nämlich oft ganz spontan und pragmatisch in ad-hoc Team-Meetings besprochen. Setzt das Unternehmen etwa auf agile Entwicklungsmethoden wie SCRUM, so schließt sich dauerhaftes Home-Office quasi per Projektmanagementmethode aus.

Häufig steht der Ansatz “Remote-Arbeit” auch diametral gegen handfeste und berechtigte Anforderungen mit Blick auf Datensicherheit und Datenschutz. Hohe Sicherheitsanforderungen an den Heimarbeitsplatz überfordern häufig sowohl den Betroffenen selbst, als auch dessen häusliche Infrastruktur.

Natürlich gibt es im IT-Bereich auch Projektaufgaben die für Remote-Einsätze von Solo-Selbstständigen prädestiniert sind. Die Entwicklung einer eigenständigen App oder das Dokumentieren einer bestimmten Anwendung erfordern in der Regel keine (permanente) Anwesenheit vor Ort. Am Ende jedoch ist und bleibt das Projektgeschäft – insbesondere im hochqualifizierten Bereich der Wissensarbeiter – klassisches “People Business”, wo gute Ergebnisse maßgeblich aus der Interaktion und der gegenseitigen Befruchtung zwischen Menschen im Dialog entstehen.