Eugen Gebhard

ist Regional Director DACH & Central Europe Accounts bei Ciena.

Enterprise

Die technologische Herausforderung mit dem Namen Netflix

Mit Netflix startet im Herbst der weltweit erfolgreichste Anbieter von Video-on-Demand-Diensten auch in Deutschland. silicon.de-Blogger Eugen Gebhard, Regional Carrier Sales Director EMEA bei Ciena, stellt sich die Frage, ob die Service-Provider wissen, was das für sie bedeutet

Gemessen an seinen Nutzerzahlen darf sich Netflix als größter Fernsehsender in den Vereinigten Staaten bezeichnen. Fast 50 Millionen Abonnenten konsumieren Serien und Filme als Streaming-Angebot direkt über das Internet. Mit Netflix betritt binnen kürzester Zeit nach Watchever und Amazon Prime ein weiterer Video-on-Demand-Dienst (VoD) den deutschen Markt. Bereits das Medienecho zu dieser Ankündigung und den Gerüchten im Vorfeld war enorm.

Ob Netflix auch in Deutschland ein vergleichbarer Erfolg wie in seiner Heimat beschieden sein wird, vermag niemand zu sagen. Es darf mit Recht erwartet werden, dass der Marktstart mit angemessen hohem Werbedruck begleitet werden wird. Das Interesse an VoD in Deutschland scheint jedenfalls geweckt.

Fernsehen und Filme, jederzeit und überall, auf Smart-TV, Tablet, Smartphone oder Computer – das ist das Versprechen von Netflix. Live-Events, exklusive Ausstrahlungen von weltweiten Blockbustern und Eigenproduktionen: der Dienst bietet eine Menge an und genau das wollen seine Abonnenten störungsfrei in hoher Qualität abrufen, und zwar wann immer sie wollen. Im Zweifel werden die Konsumenten nicht den VoD-Anbieter für schlechte Bildqualität oder Verzögerungen verantwortlich machen, sondern ihren Internet Service Provider (ISP). Aber sind ISP auf einen schnellen Durchbruch von Netflix eigentlich vorbereitet?

In den USA ist Netflix nach seriösen Zahlen inzwischen für ein Drittel des gesamten (!) Downstreams verantwortlich. Sein Geschäftsmodell hat einen enormen Hunger nach Bandbreite und das Unternehmen ein ausgeprägtes Interesse daran, seine Daten möglichst schnell und störungsfrei an das Endgerät des Kunden zu übertragen. Netflix will besser als das klassische Kabelfernsehen sein. Deshalb gehört das Unternehmen auch zu den ersten Anbietern von Ultra HDTV oder in kurz 4k: Die Eigenproduktion “House of Cards” und der weltweite Serienerfolg “Breaking Bad” wurden bereits in diesem Format ausgestrahlt. Und genau darin liegen die Herausforderungen vor die Netflix Netzbetreiber stellt.

Denn auf der einen Seite gilt es, den enormen Bedarf an Bandbreite zur Verfügung zu stellen. Um Ultra HDTV auf den Bildschirm zu holen, sind stabile 20 MBit auf der Seite des Nutzers notwendig. Mit dem Ausbau von Kapazitäten allein wird es aber nicht getan sein. Erforderlich ist auch ein aktives Management des Netzwerks, damit der Bedarf gedeckt werden kann, wenn er am größten ist. Und das wird nur in Maßen planbar sein. Sicher, in den Abendstunden und am Wochenende werden mehr Nutzer das Angebot von Netflix konsumieren, als am Vormittag eines Werktages. Aber dies wird auch dann der Fall sein, wenn die Mehrheit der Zuschauer für sich entscheidet, dass im Free-TV gerade kein attraktives Programm ausgestrahlt wird. Auf diese Anforderungen werden ISP ad hoc reagieren können müssen und das geht nur mit intelligenten, programmierbaren Netzwerken. Wollen die ISP dem Phänomen Netflix richtig begegnen müssen sie sich mit dem diesem Thema auseinandersetzen – am besten vor Ihren Konkurrenten.