Joachim Schreiner

Welche Chancen bietet das Social Web für Unternehmen, Politik und Gesellschaft? Freuen Sie sich auf direkte und unverblümte Antworten von Joachim Schreiner, SVP Salesforce Central Europe.

CIOProjekte

Die Zeit ist reif für Neu-Erfinder

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich in Deutschland eine neue gesellschaftliche Bruchlinie zwischen Fortschrittsbefürwortern und Fortschrittskeptikern auftut. Im Blog für silicon.de plädiert Joachim Schreiner, Geschäftsführer Salesforce Deutschland, dafür, die Möglichkeiten der Technologie zu nutzen – und gibt Beispiele, wie deutsche Firmen das bereits getan haben.

Wir leben in einer spannenden, von Veränderungen geprägten Zeit: Denn Innovationen wie Cloud, Mobile, Social, IoT und AI eröffnen uns allen völlig neue Chancen. Um sie tatsächlich ergreifen zu können, bedarf es jedoch grundlegender Veränderungen und Menschen, die solche Veränderungen vorantreiben. Deshalb ist die Zeit reif für Neu-Erfinder – in Unternehmen, Geschäftsmodellen und Branchen gleichermaßen. Und ihre Chancen stehen gut, denn digitale Technologien machen die Umsetzung disruptiver Ideen einfacher als je zuvor.

Kundenorientierung (Bild: Shutterstock)

Die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten, reisen, kommunizieren, produzieren, kaufen und verkaufen verändert sich im Zeitalter der Digitalisierung grundlegend. Alles und jeder kann intelligenter, effizienter und nachhaltiger werden, Produkte, Services und Lösungen immer präziser und individueller.

Die Voraussetzungen dafür sind allerdings Mut und Wille zur Veränderung. Es gilt, Bestehendes zu hinterfragen, neu zu betrachten und neu zu definieren: Entdeckergeist, Neugier und Lernbereitschaft voranzutreiben, ausgetretene Pfade zu verlassen, vielleicht auch vermeintliche Risiken einzugehen. Am allerwichtigsten dabei ist, Innovationen nicht um der Innovation Willen zu erzwingen, sondern den Fokus darauf zu richten, was über Erfolg und Misserfolg letztendlich entscheidet: die Erwartungen und Wünsche des Kunden.

Innovation um des Kunden willen

Besonders deutlich wird dies im Finanzdienstleistungssektor. In der Natur der Sache liegt, dass Banken, Sparkassen, Versicherungen und Co. seit jeher auf die Prozess- und Transaktionsintegrität konzentriert sind. Die Digitalisierung hat der Industrie jedoch buchstäblich die Kundenzentrierung aufgezwungen, denn niemand ist mehr bereit, bei einem Geschäftspartner oder Dienstleister -ganz gleich welcher Branche -auf die durch Internet und Mobile erfahrene Schnelligkeit, Einfachheit und Transparenz zu verzichten. Schulterblicke beim Vorreiter Onlinehandel, für den das aktive Beziehungsmanagement und der digitale Komfort seit jeher wettbewerbsentscheidend sind, sind im Finanz- und Versicherungswesen hoch gefragt.

Webinar

Digitalisierung fängt mit Software Defined Networking an

In diesem Webinar am 18. Oktober werden Ihnen die unterschiedlichen Wege, ein Software Defined Network aufzubauen, aus strategischer Sicht erklärt sowie die Vorteile der einzelnen Wege aufgezeigt. Außerdem erfahren Sie, welche Aspekte es bei der Auswahl von Technologien und Partnern zu beachten gilt und wie sich auf Grundlage eines SDN eine Vielzahl von Initiativen zur Digitalisierung schnell umsetzen lässt.

In meinem Job habe ich das große Glück, unter unseren Kunden immer wieder faszinierende Neu-Erfinder zu entdecken. Ein wesentlicher Aspekt ist das Neu-Denken der Kundenbeziehung, wobei sich das Kerngeschäft einer Bank nicht wesentlich verändern lässt. Eine der faszinierendsten Erfolgsgeschichten des Wirtschaftsjahres in Deutschland zeigt darüber hinaus, wie weit ein Weiterdenken und das Einnehmen der Kundenperspektive führen kann.

Mut und Vision

So erlebt die Deutsche Post DHL Group mit ihrer Tochter StreetScooter 2017 ihr eigenes “Sommermärchen”. Nicht allein, weil die “Post” scheinbar über Nacht vom Brief- und Paketzusteller zum Elektro-Autobauer avanciert ist, sondern auch weil hinter dieser Erfolgsstory eine ordentliche Portion Mut und Vision stecken.

Elektro-Lieferwagen (Bild: StreetScooter)

Die hundertprozentige Übernahme eines universitären Start-ups durch den Logistikriesen gepaart mit einer einzigartigen Herangehensweise, bei der sämtliche Konventionen des traditionellen Automobilbaus über Bord geworfen wurden, haben die neu gedachten elektrisch betriebenen Lieferwägen zum Erfolgsmodell gemacht.

Dafür steht ein modulares Prinzip auf Basis einer einheitlichen Plattform, dessen Aufbau für jeden Kunden individuell seinem Bedürfnis entsprechend entwickelt wird – ob Kühllaster, Stadtreinigung oder Gärtnerei. Dabei sitzen Vorstand, Fahrer und das StreetScooter-Entwicklungsteam an einem Tisch – losgelöst von Hierarchien und mehrstufigen Abstimmungsprozeduren, sondern in einem agilen Entwicklungsmodus und dabei voll konzentriert auf das Ergebnis, das alle Erwartungen rundum erfüllen soll.

Vorreiter im digitalen Autohaus

Doch auch ohne großes Geld kann Entdeckergeist und Veränderungswille einem kleinen Unternehmen einen Platz im Olymp der globalen Wirtschaft sichern. So hat sich der Familienbetrieb VISI/ONE aus dem Bergischen Land von einem Hersteller von Verkaufsdisplays für den Automobilhandel zu einem der weltweiten Vorreiter bei der Digitalisierung des Autohauses gewandelt.

Als etablierter Lieferant der Autobranche hat das Gründerehepaar zur richtigen Zeit identifiziert, wie digitale Technologien die Probleme und Herausforderungen des Autohandels lösen können. Binnen kürzester Zeit gelang ihnen auf diese Weise, sich vom Displayhersteller zur Hard- und Softwareentwickler von digitalen Lösungen für den Kfz-Handel zu wandeln. Deren Erfolgsrezept? Die feste Überzeugung, auf jede Herausforderung die passende Antwort zu finden. Und immer die Probleme des Kunden fest im Blick behalten.

Ich bin überzeugt: Jeder Unternehmer, der sich eine solche Haltung zu eigen macht, hat dank der heute verfügbaren Technologieinnovationen die einzigartige Chance, zu einem Neu-Erfinder zu werden. Die Zeit dafür ist reif.