Alexander Wallner und Jörg Hesske

schreiben gemeinsam für den Storage-Spezialisten NetApp im silicon.de-Blog.

Enterprise

Digitale Agenda greift noch zu kurz

Verlieren wir wirtschaftlich den Anschluss, weil die Bundesregierung mit der Digitalen Agenda wichtige Aspekte unberührt lässt? Alexander Wallner, Area Vice President Central EMEA bei NetApp, legt in seinem ersten Blog für silicon.de die Finger in die Wunden dieser politischen Absichtserklärung und die vielen Chancen, die die Digitale Angenda bislang ungenutzt lässt.

Würden Sie heute – knapp einen Monat nach der Präsentation – eine Umfrage zur Digitalen Agenda machen, wären es wahrscheinlich zwei Dinge, die genannt würden: die Zahl 50 (50Mbit Netzkapazität) und der Begriff des “Daten-Tsunamis”.

Mit dem immensen Datenwachstum beschäftigen wir uns als führender Storageanbieter schon seit vielen Jahren. Allerdings reden wir nicht von einem Tsunami. Denn zerstörerisch sind diese Daten nicht. Sie stellen vielmehr für Unternehmen und auch für Endanwender eine erhebliche Chance dar. Und für Innovationsbereiche wie Industrie 4.0 oder aber auch e-Health spielen sie ebenfalls eine entscheidende, wenn nicht zentrale Rolle.

Mit Blick auf Datenmanagement, Datenhaltung oder Datenanalyse sind auch die Zukunftshemen rund um die sehr weitreichenden Bereiche “Big Data” und “Cloud” unabdingbar. Und genau da greift die Digitale Agenda aus meiner Sicht noch zu kurz. Denn im Vergleich zu IT-Innovationsländern wie den USA hängt Deutschland sowohl in Bezug auf das Nutzungsverhalten als auch auf die Bereitstellung von Cloud-Diensten hinterher. Und damit laufen wir als Industrienation Gefahr, wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren.

Das zu ändern, hat nicht (nur) mit dem Ausbau der Breitbandnetze zu tun. Beim Thema Cloud sind aus meiner Sicht zwei Seiten zu betrachten: die Anbieter von Cloud-Diensten und auf der anderen Seite die Unternehmen, deren weiterer wirtschaftlichen Erfolg von der richtigen IT-Infrastruktur abhängt. Aus Anbietersicht ist Deutschland momentan kein besonders attraktiver Markt. Als Standort für die Entwicklung zukunftsgerichteter Cloud-Dienste bietet Deutschland im Grunde keine wirklichen Vorteile.

Zum einen sind die Rahmenbedingungen beispielsweise durch die deutsche Energiepolitik so, dass die Preise für große Cloud Hosting-Anbieter einen deutlichen Wettbewerbsnachteil darstellen. Zum anderen ist die Marktnachfrage im Vergleich zum Ausland geringer. Ein Beispiel dafür zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC), der zufolge 40 Prozent der Maschinenbauer die Cloud ablehnen. Dass dem so ist, hat vor allem mit der öffentlichen Diskussion um Daten zu tun. Denn damit ist für Cloud-Technologien und Cloud-Angebote ein Umfeld geschaffen worden, das aktuell von Unsicherheit und mangelndem Vertrauen geprägt ist.

Was tun? Aus meiner Sicht brauchen wir im Rahmen der digitalen Agenda eine Initiative, die Cloud-Standards auf der Basis klar definierter Kriterien schafft. Standards, auf die Anwender sich verlassen und auf die Anbieter sich berufen können. Und die auch noch einmal die großen Vorteile einer “Cloud made in Germany” kommuniziert, die auf IT- und Ingenieurwissen aus Deutschland basiert und die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf die Datenhoheit, den Datenschutz und die Datensicherheit besitzt.

Dazu sollte die Bundesregierung im Rahmen der Digitalen Agenda eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die sich aus Herstellern, Diensteanbietern und Kunden zusammensetzt, und welche die Definition dieser Standards vorantreibt. Das wäre notwendig, um deutschen Unternehmen und vor allem dem Mittelstand die Möglichkeit zu bieten, die Wettbewerbsvorteile der Cloud auszuschöpfen. Denn nur wenn das geschieht, kann die Bundesregierung ihr Ziel erreichen, Deutschland zu einer der führenden Digitalen Nationen zu machen und deutschen Unternehmen neue Marktchancen zu eröffnen.

  1. Sorry, aber mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier ein Cloud-Anbieter darüber barmt, dass seiner Ansicht nach in Deutschland zu wenig Leute dumm genug sind, ihre Daten – oft das wichtigste Kapital eines Unternehmens – fremden Leuten anzuvertrauen.

  2. Den “Anschluß” zu wem? Fakt ist doch, das die ganze politische Debatte von wenig Sachlichkeit geprägt ist und die dabei immer wieder vorgehaltenen Vergleiche in der Bandbreitenabdeckung mit z.B. Südkorea u.a. Regionen Augenwischerei sind, da Äpfel mit Birnen verhlichen werden. Da zählt wohl einmal mehr das alte Stichwort: Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst manipuliert hast.

    Mal ehrlich: WAS machen Deutsche denn heute mehrheitlich mit Internet-Zugangs-Bandbreiten jenseits der 8 Mbit/s in Ihrem Heim, außer Ultra HD Videos ohne Zeitverzögerung zu schauen und zeitgleich das ihre enormen Mengen privater Daten in ein RZ um die halbe Erde zu “synchronisieren”, damit sie auch unterwegs ihre Kinfofilme und Urlaubsvideosammlung der letzten 40 Jahre jederzeit zugänglich haben – oder auch nur als “Backup” enormer Mengen Datenmülls.

    Als Internetunternehmen arbeiten wir mit gerade mal 16 Mbit/s Anbindung unseres Offices und kane bis vor kurzem mit weniger als der Hälfte aus.

    Der Bedarf nach Clientbandbreite wächst nicht zuletzt umgekehrt proportional zur Benutzerkompetenz – so jedenfalls meine Erfahrung. Das mehr genutzte Bandbreite – inklusive Krypto – nicht nur virtuelle Ressourcen beansprucht, sondern auch ganz real signifikant mehr CO2 & Co. generieren, scheint erstaunlicherweise kaum jemanden zu interessieren.

    Ich halte staatliche Eingriffe in das Internet – auch mittels “Förderungen” – für kontraproduktiv und nicht zuletzt zerstören sie ebenjene Netzneutralität, die als “Grund” für diese Förderprogramme vorgegaukelt werden.

    Im Kontext “Breitbandausbau” Deutschland führte schon die politische Vorwahldebatte um das Wahlgeschenk Breitbandausbau dazu, das bereits die von der Telekom vor über 5 Jahren dem Breitbandkonsortium in Paris vorgestellten Pläne für die “flächendeckende” Glasfaserausstattung Deutschlands, die damals noch binnen 2-3 Jahren umgesetzt werden sollten, wieder in der Schublade verschwanden. Hatte man doch erkannt, das diese sich doch viel “preiswerter” Jahre später realisieren ließen, wenn der Druck von Bürgern auf die Politik groß genug gewachsen ist um als (nicht gerade billiges) Wahlgeschenk über den Tisch zu gehen.

    Nachdem die Wahlen auch mit diesem Wahlversprechen gewonnen wurden, erinnern die Beteiligten nunmehr daran, das nun Cash-Day ist. denn diejenigen Büprger, die da inwzischen am lautesten Schreien, sind ja faktisch jene, die einen zu ihren Gunsten mischkalkulierten Billigst-Breitanschluß fordern, der an ihrem Ort aufgrund der Lage/Topologie nicht ökonomisch realisierbar ist – den sollen nun die mitbezahlen, die dort wohnen, wo dies der Fall ist – oder der “pöse Kapitalist” von Zugangsanbieter.

    In der Folge füttert man einmal mehr primär das Tier Telekom in Richtung Monopolisierung zurück, die bekanntlich kaum Vorteile für die Kunden/ Bürger mit sich bringt – aber der Mensch vergisst offenbar schnell und es lebe der hochheilige, allseits gerechte Sozialismus…

    Tatsächlich ist die Entwicklung inzwischen doch so, das DSL nur noch eine Zugangstechnologie von vielen darstellt und es – Dank Demonopolisierung des Marktes – eine Vielzahl an Anbietern wie Angeboten für breitbandige Internetzugänge gibt, die für einzelne Nutzern, Unternehmen, Nutzergruppen / Interessengruppen u.ä. verschiedenste Lösungen parat haben, aber eben auch Eigeninitiative und/oder Eigenverantwortung erfordern können.

    Die Wahrheit ist auch, das 50 Mbit/s (synchron) pro Monat direkt am Wohnhaus heute noch mehr kosten müssen als 150 Euro, wenn sie nicht mischkalkuliert bzw. überbucht werden sollen, denn spätestens am internationalen IP-Shopping-Markt ist auch für den deutschen gesetzgeber Schluß, selbst wenn er in sozialistischer Manier die Preise vorschreiben wollte.

    Hier knallen Halb- und Fehlwissen in Computerblöd-Manier mit sozialistischem Politlobbyismus aufeinander und ich kann mir nicht vorstelen, das aus einer solchen ökonimischen Entscheidungsbasis nachhaltige Resultate erwachsen sollen.