Reiner Louis

ist Sprecher der Geschäftsführung bei Computacenter Deutschland.

SoftwareZusammenarbeit

Digitalisierung des Arbeitsplatzes: Tablets für den Vertrieb – das reicht nicht

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Das Thema Digitalisierung der Arbeitswelt durch Mobile und Cloud ist allgegenwärtig. Dennoch sind die Mitarbeiter zu Hause oft technisch besser ausgestattet als im Büro. Unternehmen müssen den digitalen Arbeitsplatz endlich zur Chefsache machen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, erklärt silicon.de-Blogger Reiner Louis.

Eine aktuelle Studie von Host Europe zeigt, dass die Möglichkeiten für ein digitales Arbeiten im Home Office meist besser sind als am Arbeitsplatz im Büro. Nicht schlimm? Doch, denn die Auswirkungen der Digitalisierung haben bereits in vielen Branchen dafür gesorgt, dass etablierte Unternehmen ihre gute Marktposition an innovative Wettbewerber verloren haben. So werden Bücher heute größtenteils über Amazon gekauft, Hotels auf Trivago gebucht oder Nachrichten per WhatsApp versendet. Buchhandelsketten, Reisebüros oder die Deutsche Post haben das Nachsehen und müssen sich auf den neuen Wettbewerb einstellen.

Um innovativ und flexibel zu bleiben, sind neben den Geschäftsprozessen auch die Arbeitsplätze anzupassen. Schließlich erfordern sich schnell verändernde Markt- und Kundenanforderungen agile Arbeitsprozesse, die ein Digitaler Arbeitsplatz mit modernen Technologien unterstützen muss. Cloud, Mobile oder das Internet der Dinge sind dabei für alle Bereiche eines Unternehmens relevant – vom Einkauf über Produktion und Dienstleistungen bis hin zu Vertrieb, Personalwesen und Buchhaltung.

Digital Workplace muss Chefsache sein

Daher ist die Modernisierung von Arbeitsplätzen keine singuläre Frage einzelner Abteilungen, sondern von strategischer Bedeutung für das gesamte Unternehmen – und damit ein Vorstandsthema. Dabei benötigt die Chefetage zuerst einen anhand des Kerngeschäfts auszuarbeitenden Plan. Während nämlich früher die Ausstattung des Arbeitsplatzes eine Frage des technisch Möglichen war, stellt sich heute die Frage, welche Technologie für das Business am besten geeignet ist.

Es geht also nicht mehr darum, ob Desktop-PCs durch Thin Clients ersetzt werden, sondern wie ein moderner Arbeitsplatz das Kerngeschäft des Unternehmens optimal unterstützt. So steht am Anfang nicht die Technologie, sondern eine Strategie, die vom Management vorangetrieben werden muss.

(Bild: Shutterstock.com/Valeri Potapova)

Fest steht: Die aktuellen und künftigen Aufgaben sind nicht mit den Infrastrukturen aus der Vergangenheit zu lösen. Mitarbeiter benötigen und erwarten heute eine hohe Performance der Netzwerke und Anwendungen, mobile Apps sowie flexible Arbeitsmöglichkeiten im Büro, im Home Office oder unterwegs – wie es zu den jeweiligen Anforderungen und Arbeitsstilen am besten passt. Das Unternehmen muss hier die richtigen Lösungen bereitstellen. Nur dann ist zum Beispiel der Außendienst schnell und flexibel genug, um den Konkurrenten ein Schnippchen zu schlagen.

Gerade die Bedeutung des digitalen Arbeitsplatzes für ihre Wettbewerbsfähigkeit verkennen viele Unternehmen jedoch. Dies gilt auch für den Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Diese erwarten zeitgemäße IT-Arbeitsplätze, mit denen sie effizient und flexibel arbeiten können – unabhängig von Ort und Gerät. Ein iPad alleine reicht daher schon lange nicht mehr, um sie zu interessieren und zu binden.

Umfassende Strategie für alle Bereiche

Wer noch überwiegend mit veralteten Strukturen arbeitet, sollte also schnellstmöglich eine umfassende Digitalisierungsstrategie erstellen und dabei alle Bereiche des Unternehmens einbeziehen. Dabei geht es gar nicht darum, sofort alles auszutauschen.

(Bild: Shutterstock)
Tablet und Smartphone werden heute genauso selbstverständlich wie zuhause auch im Arbeitsalltag genutzt (Bild: Shutterstock).

Stattdessen sollten die Firmen prüfen, in welchen Bereichen sich mit wenig Aufwand ein hoher Mehrwert erreichen lässt. Hier können sie mit Digitalisierungsprojekten starten und erste Erfahrungen sammeln. Doch die Zeit drängt, denn die Aussage, Geschwindigkeit sei die wichtigste Währung unserer Ära, ist keine Marketingphrase. Eher ist sie eine Drohung für Unternehmen, die nicht schnell genug handeln.

Doch wie sieht der ideale Digital Workplace konkret aus? Tatsächlich gibt es nicht “den” digitalen Arbeitsplatz. Stattdessen handelt es sich um ein flexibles Konzept, das dem Anwender viele Möglichkeiten und Freiheiten bietet – je nach den Anforderungen seiner Tätigkeit. Möglichkeiten zur Auswahl und Anpassung der Anwendungen erhöhen dabei die Motivation der Mitarbeiter sowie die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber.

Der digitale Arbeitsplatz ist ein Milliardengeschäft

Viele Firmen haben die Zeichen der Zeit schon erkannt. Laut einer Studie von Crisp Research im Auftrag von Citrix sehen Unternehmen und Mitarbeiter den Digitalen Arbeitsplatz sehr positiv. Für 40 Prozent der Entscheider bildet er die Grundlage aller Digitalisierungsaktivitäten, 43 Prozent der Unternehmen haben bereits die Umsetzung des Digital Workplace angekündigt.

Dabei sehen sie konkrete Vorteile wie die Reduzierung von Fahr- und Reisekosten sowie von Aufwendungen für Hardware, Software und Büroräume. Unter den Mitarbeitern erkennen 64 Prozent im Digital Workplace das Potenzial, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Doch nicht nur Unternehmen und Mitarbeiter profitieren vom digitalen Arbeitsplatz, sondern auch die deutsche Wirtschaft insgesamt. So würde dessen flächendeckender Einsatz den Berechnungen von Crisp Research zufolge einen positiven Effekt in Höhe von rund 84,2 Milliarden Euro haben.

Auch wenn solche Kalkulationen mit Vorsicht zu genießen sind, ist die Tendenz eindeutig: Dem digitalen Arbeitsplatz gehört die Zukunft. So wie im Zeitalter der Industrialisierung Ford die Fließbandproduktion erfunden hat und die anderen Autohersteller nachziehen mussten, so bedeutet der digitale Arbeitsplatz heute einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Denn nur dieser bietet die notwendige Flexibilität, damit Vertriebsmitarbeiter unterwegs auf alle Kundendaten zugreifen, Techniker eine umfassende Fernwartung oder Controller eine fundierte Big-Data-Analyse zur Finanzplanung durchführen können. Mit solchen Möglichkeiten steigen die Zufriedenheit der Mitarbeiter, das Ansehen des IT-Leiters und der Erfolg des Unternehmens.