Joachim Schreiner

Welche Chancen bietet das Social Web für Unternehmen, Politik und Gesellschaft? Freuen Sie sich auf direkte und unverblümte Antworten von Joachim Schreiner, SVP Salesforce Central Europe.

EnterpriseNetzwerk-ManagementSoziale NetzeZusammenarbeit

Eine Lanze für die Generation Y

silicon.de-Blogger Joachim Schreiner verteidigt die oft gescholtene Generation Y. Was sich diese Generation von ihrem Arbeitgeber wünscht, sei auch für “Babyboomer” durchaus nachvollziehbar. Firmenchefs aber stünden vor einem radikalen Wandel: weg vom egozentrischen Alpha-Tier und hin zum flexiblen, mitarbeiterorientierten Gegenüber.

Die viel zitierte Generation Y kommt oft nicht gut weg. Anspruchsvoll und heikel seien sie, non-stop online, wenig loyal, aber dafür – sagen wir es vorsichtig – karriereaffin. Und mit der ganzen Gewalt der Demographie im Rücken, scheinen sie es sich leisten zu können. Aber man tut ihnen unrecht: Sie sind gut ausgebildet, oft im Ausland erprobt, mit der Fähigkeit, kritisch und selbständig zu denken und Leistung zu bringen. Und mit einem absolut selbstverständlichen Umgang mit Technik.

Sie wollen Freiheit, Karriere und ein modernes, kompetentes Umfeld. Dabei sind sie eigentlich gar nicht so erschreckend anders als Arbeitnehmer anderer Generationen. Unternehmen haben bereits die Erfahrung gemacht, dass ein erfolgreicher Mitarbeiter einen weit gesteckten Rahmen braucht – unabhängig vom Jahrgang. Auch eine Studie der Personalberatung Egon Zehnder International und der Stiftung Neue Verantwortung fand keine bahnbrechendenden Erkenntnisse über die Andersartigkeit der Digital Natives heraus. Ihnen zufolge sind “Freude an der Tätigkeit”, “persönliche Weiterentwicklung” und “Sinnhaftigkeit der Arbeit” die Top-3-Motivationsfaktoren für die Generation Y. Das alles können auch wir Babyboomer nachvollziehen.

Aber warum bringt gerade diese Generation neue Herausforderungen für Unternehmen mit? Sie zwingt ihre Chefs, alles in Frage zu stellen und am Puls der Zeit zu sein. Als die erste Generation, die von Kindesbeinen an mit dem Internet aufgewachsen ist, wollen die Ypsiloner einen Arbeitgeber, der sich nicht vor dem Fortschritt verschließt, der mit flachen Hierarchien und modernster Technik aufwartet. Das zwingt auch etablierte Akteure zu weitreichenden Anpassungen und erfordert eine hohe Flexibilität. Vielen fällt das (noch) schwer. Aber der digitale Wandel eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für neue Organisations- und Arbeitsformen und für eine bisher einzigartige Verbreitung von Wissen und Information.

Doch wie kommen Unternehmen dort hin? Elementar ist eine offene Unternehmenskultur – ein Umdenken beim Lenken von Unternehmen. Damit braucht es auch eine offene Riege an Chefs: weg vom egozentrischen Alpha-Tier und hin zum flexiblen, mitarbeiterorientierten Gegenüber. Und da der Mensch immer mehr mit dem Internet verschmilzt, braucht es eben auch die passende Technologie. Hier lohnt sich der Blick in die Tiefen der sozialen Netzwerke. Die Mitglieder in einer Online-Community wie Facebook geben sich Ratschläge, sie tauschen Informationen oder Musik und entwickeln gemeinsam neue Ideen. Für Unternehmen steckt in all dem ein unschätzbarer Wert. Denn überträgt man dies in die Unternehmenswelt, so ergeben sich hieraus ganz neue Kommunikationsformen: Interne soziale Netzwerke! Sie sind eine mögliche Antwort auf die Flutwelle der elektronischen Post, die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zunehmend lahmlegt. Laut werden Rufe, die fragen: ist die Zeit, die ich mit E-Mails schreiben, lesen, löschen und beantworten verbringe, gut investierte Zeit? Große Konzerne wie Atos, aber auch Start-ups wie Lieferheld oder LEAD.HUNTER zeigen, dass es eben anders geht. Sie kündigen der E-Mail-Flut den Kampf an und kommunizieren über solch interne Kollaborationstools. Und revolutionieren so Kommunikation und Zusammenarbeit im Sinne der Digital Natives.

Für mich steht fest: Unternehmensinterne Netzwerke werden sich durchsetzen und die E-Mail als das heute noch führende Kommunikationsmittel weitgehend ablösen. Denn sie machen es möglich, in flachen Hierarchien schnell zu kommunizieren, sich selbst und seine Kompetenzen sichtbar zu machen und auch die Gesprächspartner nach Kompetenz – nicht nach Position – auszuwählen. Und das ist es, was junge Talente wollen. Entscheidend für Unternehmen und Chefs ist es, eine Kultur zu schaffen, die den Einzelnen schätzt. Und moderne Technik zu nutzen, die diesen Ansatz unterstützt. Das muss nicht viel oder aufwändig sein: Es reicht eine leicht installierbare Kommunikationslösung, ein paar mobile Devices, die entsprechende Policy, vor allem aber eine Führungsebene, die die neue, transparente Kommunikation selbst lebt. Ein Unternehmen, das heute noch mit gestriger Technik kommuniziert, fällt nicht nur bei Arbeitnehmern der Generation Y durchs Raster. Wer heute noch nicht verstanden hat, dass iPads und Apps morgens nicht an der Eingangstür abgegeben werden, der wird auf Dauer Probleme haben, junge Mitarbeiter zu binden. Denn Digital Natives wollen Smartphones, Notebooks und Tablets und Facebook während der Arbeitszeit – soweit eine Studie von Siemens Enterprise Communications.

In weniger als fünf Jahren wird die Generation Y weltweit die Hälfte aller Arbeitnehmer stellen. Es lohnt sich also schon heute – gerade angesichts des Fachkräftemangels – sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Starre Hierarchien und Schubladendenken werden hierbei definitiv nicht weiterhelfen.

  1. Die Generation Y ist die Zukunft. Von Außen betrachtet wirken Menschen dieser Generation etwas schwierig. In Wirklichkeit wissen sie einfach genau was sie können und wollen. Für Unternehmen ist es schwierig sich an solche Mitarbeiter anzupassen. Dabei machen Firmen im Ausland, wie z.B. Google vor wie es geht. Den Angestellten werden viele Freiheiten gelassen und man unterstützt sie in ihrer Arbeit. Der Umgang mit neuen Medien und Techniken wird aktiv gefördert. Wir stehen vor einem großen Wandel in unserer Gesellschaft und der wird auch nicht an Unternehmen vorbeigehen. Sich an diese neuen Gegebenheiten anzupassen wird in Zukunft entscheiden wer am Markt bestehen kann. Schließlich geht es, unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, auch darum sich neue, frische Arbeitskräfte zu sichern.