Nikolaus Reuter

sieht als Gründer der Etengo (Deutschland) AG im Freelancing einen Megatrend und in flexiblen Einsatzszenarien einen elementaren Baustein künftiger Erwerbsmodelle.

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Freelancing versus Crowdworking –  dasselbe oder das Gleiche?

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Eine neue klasse von digitalen Selbständigen etabliert sich aktuell. Personalexperte Nikolaus Reuter beleuchtet Vor- und Nachteile des Crowd- oder Clickworkings.

Digitale Arbeit ist seit jeher dem Gesetz des Wandels und der Vielfalt unterworfen – wo  lange Zeit zunächst nur eigene, festangestellte Mitarbeiter in Unternehmen befähigt waren die digitale Arbeit innerhalb des Unternehmens zu erledigen und beispielsweise für den reibungslosen Betrieb der Informationstechnologie zu sorgen, hat besonders in diesem Bereich die konsequent steigende Komplexität der IT sowie deren teils geringe Halbwertszeit die Hinzunahme von externen Spezialisten beinah unumgänglich  gemacht.

Kaum ein Unternehmen kann heutzutage alle IT-Experten in Festanstellung beschäftigen, die notwendig wären um innovativ und technologisch wettbewerbsfähig zu bleiben. Zum einen, weil es in Deutschland überhaupt nicht genug Fachkräfte gibt, um all die offenen Stellen in der IT zu besetzen, zum anderen weil besonders im hochqualifizierten Sektor eine Festanstellung längst nicht mehr das präferierte Erwerbs- und Lebensmodell aller ist.

Zahlreiche hochqualifizierte Spezialisten, schätzen die Selbstbestimmtheit, Flexibilität und Abwechslung, welche die Projektarbeit bzw. die Projektwirtschaft Ihnen bietet – von den besseren Verdienstmöglichkeiten als freiberuflicher Experte ganz zu schweigen. Diese digitale Bohème, wie Holm Friebe und Sascha Lobo hochqualifizierte Wissensarbeiter in Ihrer Erfolgspublikation “Wir nennen es Arbeit” titulieren, haben sich ganz bewusst und aus freien Stücken für das Erwerbsmodell “Freelancing” entschieden und bilden eine “neue Klasse von Selbstständigen”.

Eine ebenfalls neue, jedoch konträre Klasse von Selbstständigen in der digitalen Arbeitswelt bilden seit noch nicht allzu langer Zeit die sogenannten “Crowd- bzw. Clickworker”. Projekte beziehungsweise meist nur kleine Teilaufgaben werden dabei von Unternehmen, Start-Ups oder auch Privatpersonen über spezialisierte, digitale  Marktplätze wie etwa Amazon Mechanical Turk oder Clickworker ausgeschrieben. Die global verteilte “Crowd” digitaler Arbeiter kann sich dann um den Auftrag bewerben bzw. muss diesen in einigen Fällen sogar über einen fallenden Preis ersteigern. Was sich im ersten Moment nach dem Prinzip “der Beste setzt sich durch” anhören könnte, bedeutet in der Realität jedoch leider allzu oft “der weltweit Billigste gewinnt”!

Für Unternehmen stellt diese Art der Auslagerung von Arbeit eine einfache, schnelle und vor allen Dingen extrem kostengünstige Möglichkeit dar, kleinere, meist weniger anspruchsvolle Standard-Aufgaben, so genannte Mikrotasks, wie beispielsweise monotone Dateneingaben, serielle Bildbearbeitung, stupide Fehlerkorrekturen etc. von einer Masse an gleichzeitig arbeitenden Clickworkern zügig erledigen zu lassen.

Vorteil für die beauftragenden Unternehmen ist neben der schnellen Verfügbarkeit dann zusätzlich noch, dass die Unternehmen bzw. Auftraggeber keinerlei soziale Abgaben für die Clickworker entrichten müssen und Ihnen gegenüber auch sonst in keinerlei Verantwortung beziehungsweise längerfristigen Verpflichtung stehen – denn die Clickworker sind, ebenso wie die hochqualifizierte digitale Bohème, solo-selbstständige Unternehmer.

Anders als bei den begehrten digitalen Wissensarbeitern, die als freiberufliche Experten hohe Stundensätze und damit attraktive Umsätze – auf Basis tragfähiger Geschäftsmodelle – erzielen können, liegt der durchschnittliche Stundenumsatz zum Beispiel bei Amazons Crowdworking-Plattform Mechanical Turk laut dem Arbeitsrechtler Thomas Klebe aktuell bei 1,25 Dollar. Was für Freiberufler in Deutschland oder Amerika nicht einmal mehr als Hungerlohn durchgehen kann, ist für Arbeiter in Schwellen- und Entwicklungsländern jedoch meist gutes Geld.

Laut Angaben des Crowdworking-Portal-Riesen Elance-oDesk, beträgt der Durchschnittsumsatz in Deutschland aktuell 27 Euro pro Stunde. Was viele motivierte Clickworker aber meist nicht von Anfang an bedenken ist, dass Umsatz nicht gleich Nettoeinkommen bedeutet: von den 27 Euro Umsatz pro Stunde müssen Steuern bezahlt werden, eine Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, Teilauslastungen aufgefangen und ein Polster für erwerbsfreie Zeiten, wie Urlaub oder Krankheit, gebildet werden.

Bei dieser einfachen Rechnung wird schnell klar, dass Clickworking als Erwerbsmodell in Deutschland bestenfalls als Nebenerwerb oder temporäre Option für einen (Wieder-)Einstieg funktionieren kann. All diejenigen, die Clickworking im niedrigqualifizierten Segment als Haupterwerb betreiben wollen, sollten vorher dringend den Taschenrechner zücken! Eine gute und sinnvolle Hilfe steht mit dem, von der IG-Metall initiierten, Informations- und Aufklärungsportal www.faircrowdwork.org zur Verfügung.

Die Form der digitalen Arbeit bedeutet also noch lange nicht, dass die Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Umsatzchancen dafür auch immer die gleichen sind – ganz im Gegenteil: Besonders hier ist Wissen Trumpf! Denn für Qualifikation, Know-how und Kreativität wird in Deutschland nach wie vor gern und gut bezahlt, denn nur diese Attribute machen den Unterschied und damit notwendige Innovationen erst möglich.

Freelancing wie wir es in Deutschland etwa aus dem Bereich IT oder dem Ingenieurwesen kennen, hat bei genauerer Betrachtung mit dem Thema Crowdworking nur sehr wenig gemein. Hochqualifiziertes Freelancing hat sich sozusagen schon als robuster Bergschuh für den dauerhaften Höhenanstieg bewiesen, während Crowdworking salopp gesagt eher der kurzlebige Flip-Flop für den diesjährigen, flachen Strandurlaub ist. Also zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe. Und damit im Sinne von Fußbekleidung zwar das Gleiche – definitiv aber eben nicht dasselbe.

Leseempfehlung: “Wir nennen es Arbeit” von Holm Friebe und Sascha Lobo. Bestellbar über Amazon.

  1. Na wenn die Erkenntnis inzwischen und endlich auch bei Lobo angekommen ist, ist dies der beste Beleg dafür, das sie in Fachkreisen ein alter Hut sind.

    Freiwillige / selbstgewählten Freelancerei ist selbst im ökonomisch unflexiblen bereits vor mehr als 20 Jahren angekommen und es waren Parteilinge und Politbessermenschen bis hin zu “Philosophen”, die diese Form def Selbstbestimmung pauschal als “Ausbeutung” verteufelten – der übliche Sozialistenquark halt. Der deutsche Staat tat besonders viel dafür, es denen, die frei arbeiten wollten, Steine in den Weg zu legen – vor allem Parteien wie Lobos, denen Freiheit schon immer ein lästiges Übel war.

    Ich Frage mich übrigens, wo Lobo selbst praktisches in der IT vorzuweisen hat, was ihn dauzu “befähigt” von GEZ Zwangsabgaben finanzierte Auftritte im staatlichen Propagandafunk als “IT Experte” aufzutreten, denn in der Branche selbst kannte ihn bis dahin keiner…