Sven Mulder

ist Geschäftsführer und Vice President Central Europe, Southern East (SEE) und Russland bei CA Technologies. Seinen Twitter-Account finden Sie hier.

EntwicklerProjekte

Haben Unternehmen bei der Softwareentwicklung Nachholbedarf?

Bestandsaufnahme: Wie weit sind Unternehmen bei der Industrialisierung der Software-Entwicklung? Dieser Frage stellt sich Sven Mulder, Geschäftsführer und Vice President Central Europe, Southern East (SEE) und Russland bei CA Technologies im aktuellen silicon.de-Blog.

Modern Software Factory – dieser Begriff beschreibt Unternehmen, die Software zum Kern ihres Geschäfts werden lassen und sich dem digitalen Zeitalter anpassen. Stetige Veränderungen gehören zur modernen Welt. Wer mithalten will, muss Kunden ständig neue digitale Erlebnisse bieten, und das in immer kürzeren Zeitabständen. Das geht nur, wenn Entwicklungsprozesse automatisiert sind und Software wie am laufenden Band produziert wird. Doch wie weit sind Unternehmen schon in ihrem Wandel zur “modernen Software-Fabrik”?

Software wird allgegenwärtig – ob ein Produkt verkauft werden soll, ein neuer Markt betreten wird oder Neues konzipiert werden soll. Unternehmen jeder Branche müssen den digitalen Wandel mitgehen, um nicht auf kurz oder lang unterzugehen. Erfolgsentscheidend ist dabei, dass sie sich vier Grundprinzipien zunutze machen: Agilität, Automatisierung, Analytics und Security. Neben der Einführung neuer Technologien stehen dabei immer auch strukturelle und kulturelle Veränderungen im Mittelpunkt. Agil zusammenarbeiten bedeutet, dass sich einzelne Fachbereiche intensiv austauschen und flexibel auf Veränderungen reagieren.

Wie weit sind Unternehmen heute schon? Und was haben sie wirklich davon, agil, automatisiert und sicher zu arbeiten? In einer aktuellen Studie sind wir diesen Fragen auf den Grund gegangen. Wir haben analysiert, inwieweit Unternehmen auf der ganzen Welt die einzelnen Grundprinzipien schon umgesetzt haben – und welcher Mehrwert aus der erfolgreichen Realisierung aller vier entsteht.

Agilität

Wird ein neues Software-Update benötigt oder verursacht eine bestehende App Probleme, muss schnell reagiert werden. Um sich neuen Anforderungen in kürzester Zeit anpassen zu können, haben sich unterschiedliche Konzepte wie DevOps, Continuous Delivery und Agile herauskristallisiert. Die Ergebnisse unserer Studie sind erfreulich: Die meisten Unternehmen schätzen sich im mittleren bis hohen Bereich ein, wenn es um das Verwenden von agilen Methoden geht. Dagegen liegen immer noch etwa 20 Prozent mit ihrer Einschätzung im unteren Bereich – Optimierungsbedarf ist in Sachen Agilität also nach wie vor gegeben.

Agilität alleine reicht allerdings noch nicht aus, um auf dem schnelllebigen Markt zu bestehen. Prozesse müssen zunehmend auch automatisiert werden, um die Time-To-Market zu verkürzen.

Automatisierung

Der zunehmende Software-Umfang macht ein rein manuelles Arbeiten ineffizient bis unmöglich. Die Konsequenz daraus: Der gesamte Lebenszyklus einer App muss von der Entwicklung, dem Testen und Implementieren bis hin zum Warten automatisiert werden. Dazu gehört auch das Erfassen von Kundenfeedback, um Software kontinuierlich optimieren zu können. Grundsätzlich gilt: Sobald Prozesse mehrfach wiederholt werden, ist eine Automatisierung sinnvoll. Damit lassen sie sich auch besser nach oben skalieren. Hier sind die befragten Unternehmen bereits auf einem guten Weg: Fast die Hälfte befindet sich mitten in der Umsetzung von automatisierten Prozessen – ein Viertel der befragten Unternehmen hat sie bereits abgeschlossen.

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Analytics

Die Analyse der App Performance und des Nutzerverhaltens ermöglicht es Unternehmen, ihre Software kontinuierlich zu verbessern und die Wirksamkeit neuer Updates zu überprüfen. Wie unsere Studie zeigt, ist fast die Hälfte der Unternehmen bereits dabei, neue Erkenntnisse aus Data Analytics zu ziehen. Etwa ein Viertel hat Datenanalyse entweder schon umgesetzt oder befindet sich noch in der Planungsphase. Große Einigkeit herrscht darüber, dass das Wissen um die Kundenbedürfnisse entscheidend ist für die zukünftige strategische Ausrichtung.

Security

Sicherheitsaspekte werden erst am Ende der Produktionskette berücksichtigt? Unternehmen, auf die das zutrifft, sollten ihre Sicherheitsstrategie überdenken – Sicherheit muss fest in den Entwicklungsprozess und darüber hinaus eingebunden werden. Angreifer nutzen die heutige Abhängigkeit von Software aus und werden zunehmend ausgefeilter in ihren Angriffsmethoden. Eine wichtige Unternehmensaufgabe besteht deshalb darin, Entwickler mit den notwendigen Fähigkeiten und Hilfsmitteln (z. B. Scanning-Tools) auszustatten, um DevOps in DevSecOps zu verwandeln. Zwar gaben 25 Prozent der Befragten an, ihre Software kontinuierlich auf Sicherheitsschwachstellen zu testen. Die Hälfte der Befragten glaubt aber immer noch nicht, robuste Sicherheitstests implementiert zu haben.

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Software-Fabriken haben einen Vorsprung

Die Studie stellt vielen Unternehmen zwar gute Noten bei der Umsetzung der einzelnen Prinzipien aus. Betrachtet man allerdings das „Gesamtpaket“, fällt auf, dass die meisten noch großen Nachholbedarf haben. 75 Prozent der Befragten gaben an, noch nicht alle vier Grundprinzipien ausreichend umgesetzt zu haben. Dabei zeigen die Ergebnisse deutlich, dass die verbleibenden Unternehmen, die bereits agil, automatisiert und sicher arbeiten, in vielerlei Hinsicht erfolgreicher sind: Sie punkten mit einer besseren Softwarequalität, mehr Wettbewerbsfähigkeit und größeren Erfolgschancen.

Im Vergleich zu “rückständigeren” Firmen sehen viermal so viele der Befragten in diesen Unternehmen die Vision und Geschäftsstrategie als geeignet an, um auf dem Software-Markt erfolgreich zu sein. Deutlich mehr betrachten auch das eigene Unternehmen als agil genug, um die Konkurrenz abzuhängen.

Der Erfolg dieser Unternehmen spiegelt sich auch im Umsatz und Gewinn wieder: Solche, die die vier Grundprinzipien bereits erfolgreich umgesetzt haben, konnten ein Umsatzwachstum von 50 Prozent und einen Gewinnzuwachs von 70 Prozent erzielen.

Was die Studie damit ganz deutlich zeigt: Für Unternehmen ist der digitale Wandlungsprozess zukunftsentscheidend. Erfolgreich kann dieser aber nur werden, wenn der Einsatz neuer Technologien in eine neue Unternehmenskultur eingebettet wird.

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Wie schätzen Entwickler die Unternehmenskultur ein?

Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen im digitalen Wandel des eigenen Unternehmens und gemeinsame Ziele sowie Kooperationsmöglichkeiten erkennen können – das gilt besonders für Software-Entwickler, die diesen Wandel entscheidend mitgestalten. Um einen Einblick in die heutige Unternehmenskultur zu erhalten, haben wir in einer ergänzenden Studie 125 Software-Entwickler befragt, wie sie ihre gegenwärtige Arbeitssituation beurteilen.

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Das Ergebnis: 99 Prozent der Befragten wissen zwar um ihre Bedeutung für das Unternehmen und den Mehrwert, den sie diesem bringen. Große Unzufriedenheit scheint aber darüber zu herrschen, wie sie das Unternehmen darin unterstützt. Dadurch, dass Entwickler meist mehreren Projekten gleichzeitig zugeteilt sind und die Projektorganisation oft nicht gut funktioniert, fühlen sich 78 Prozent der Befragten in Projekte “hineingeworfen” und beklagen, nicht ausreichend gebrieft zu werden. Das geht einher mit dem Kritikpunkt von 73 Prozent der Befragten, dass Deadlines unrealistisch gesetzt werden. 84 Prozent wünschen sich außerdem eine bessere Zusammenarbeit nicht nur zwischen Entwickler-, Operations- und Security-Teams, sondern auch über IT-Team-Grenzen hinweg, um die geforderten Ziele zu erreichen.

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Das Ziel vor Augen

Unternehmen sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel ihres Wandlungsprozesses. Viele haben die Bedeutung von agilem und automatisiertem Arbeiten für den eigenen Geschäftserfolg zwar bereits erkannt und Maßnahmen umgesetzt. Wenn es um die erfolgreiche Umsetzung aller vier Prinzipien geht, deren Zusammenspiel bei der Softwareentwicklung größtmöglichen Erfolg verspricht, haben die meisten Unternehmen aber noch großen Nachholbedarf – das trifft besonders auf die IT-Sicherheit zu.
Digitale Transformation bedeutet, für zukünftige Herausforderungen vorzusorgen, indem Software zum Kernstück des Geschäfts wird. Unternehmen sollten diesen Ansatz verinnerlichen und den eingeschlagenen Weg bis zum Ende gehen, damit sie auch in Zukunft am Markt bestehen.