Sven Mulder

ist Geschäftsführer und Vice President Central Europe, Southern East (SEE) und Russland bei CA Technologies. Seinen Twitter-Account finden Sie hier.

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Industrie 4.0: Herausforderungen in Chancen wandeln

Industrie 4.0 bedeutet nichts anderes als einen Paradigmenwechsel für die deutsche Maschinenbau- und Fertigungsindustrie. Sven Mulder von CA Technologies kennt kurzfristige und langfristige Lösungen.

Das Schlagwort Industrie 4.0 bedeutet nichts anderes als einen Paradigmenwechsel für die deutsche Maschinenbau- und Fertigungsindustrie. Produktionsstraßen werden nicht länger von Applikationen abgeschnitten sein und einen manuelle Bestellprozess notwendig machen – im Gegenteil: Sie werden ein integraler Bestandteil des Netzwerks sein.

Die Maschinenbau- und Fertigungsbranche ist allerdings nur unzureichend darauf vorbereitet und realisiert nicht, welcher Wandel auf sie zukommt. Dazu gehört das Vernetzen der Maschinen ebenso wie veränderte Prozesse und die Weiterbildung der Mitarbeiter. Eine der Herausforderungen ist, dass die Maschinen vielleicht zu alt sind, um über die Cloud vernetzt zu werden – eine weitere die Zertifizierung. Sobald sich auch nur ein Element des Produktionsablaufs ändert, ist eine Re-Zertifizierung notwendig. Die Produktionsstraßen sind dann zwar flexibler, leichter zu programmieren und weniger isoliert, die Kehrseite der Medaille ist aber, dass sie auch gefährdeter sind (zum Beispiel bezüglich Cyber-Attacken). Insgesamt ist Software jedoch der Motor für Veränderungen bei Deutschlands profitabelsten “Hardware”-Betrieben, indem sie Produktionsanlagen, Maschinen und Roboter mit dem Web vernetzt.

Software ist der Grundpfeiler für Industrie 4.0

Die naheliegenden Bausteine wie die Packungsdichte von Chips, Prozessorgeschwindigkeit und Speicherkapazität sind vielleicht alles Hardware-Komponenten, doch die Industrie 4.0 wird durch Software vorangetrieben. Erst durch Anwendungen sind Unternehmen in der Lage, ihre Prozesse schlanker und damit agiler zu gestalten. Sie gewährleisten auch, dass die Produktionsstraße und das Back-Office nahtlos zusammenarbeiten. Noch wichtiger: Software treibt das Netzwerk an, auf dem alle Industrie 4.0 Komponenten aufbauen. Sie steuert Produktionsstätten und leitet neue Bestellungen ebenso an den richtigen Ort wie die Anfrage nach Ersatzteilen. Allerdings verschlanken Anwendungen nicht nur die Produktion, gestalten sie effizienter und automatisieren Prozesse, sondern sie machen die Anlagen auch anfälliger.

Industrie 4.0 erfordert nicht nur die Implementierung von Standard-Anwendungen, sondern darüber hinaus auch die Entwicklung von Software, die speziell auf die Anforderungen der Maschinenbau- und Fertigungsbranchen zugeschnitten sind. Diese Kombination von cloudbasierten und Hybrid-Applikationen wird die Arbeitsweise von Produktionsstätten digital verändern – und zwar über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg von Produkt-Design und Planung bis zur Realisierung neuer Produkte.

Sicherheit wird der Schlüssel für Industrie 4.0 sein

Wie bereits erwähnt, waren Produktionsstraßen bislang autark und IT-Security daher kein Thema im Planungs- und Implementierungsprozess. Jetzt, da die Systeme vernetzt sind, ist dies eine große Herausforderung sowohl für die IT- als auch die Produktionsteams. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Es lässt sich nicht einfach eine Security-Software auf den Rechner der Produktionsstraße aufspielen und alles läuft weiter wie bisher. Die Systeme sind zertifiziert und jede Veränderung erfordert eine neue Abnahme. Das Ergebnis: zusätzliche Kosten, Produktionsstopp und Umsatzverluste. Da die Maschinen oftmals veraltete Programme verwenden, gibt es hierfür auch keine gültigen Sicherheitsanwendungen mehr. In einigen Fällen wird sich dieser Zustand auch nicht ändern.

Hier kann die Systemhärtung eine kurzfristige Lösung sei, in Zukunft müssen Maschinenbau- und Fertigungsunternehmen jedoch Sicherheit direkt bei der Planung von Anlagen integrieren. Security sollte ebenso ein Bestandteil des Prozesses sein wie das Layout der Produktionsstraßen oder die Bauart der eingesetzten Roboter. Organisationen sollten neben Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM) künftig auch biometrische Zugriffslösungen berücksichtigen, beispielsweise für besonders sensible Maschinen, im Hinblick auf geistiges Eigentum.

Industrie 4.0: enorme Chancen für diejenigen, die sich der Herausforderung stellen

Industrie 4.0 ist deutlich mehr als ein Marketingbegriff, es ist vielmehr extrem großer Umbruch für die Maschinenbau- und Fertigungsbranche in Deutschland. Die Produktionsstraßen werden vernetzt und dadurch auch anfälliger für Angriffe von außen. Mitarbeiter müssen trainiert werden und neue Fertigkeiten erlernen. Nur dann wird das Konzept von Industrie 4.0 in den meisten Unternehmen auch zur Realität werden. Um in der heutigen, sich enorm schnell wandelnden Wirtschaft jedoch zu überleben, haben die meisten Organisationen nur die Wahl zwischen “anpassen oder aussterben”. Wollen sie weiterhin erfolgreich sein, müssen sie sich anpassen und lernen, welche Herausforderungen – aber auch Belohnungen – Industrie 4.0 mit sich bringt.