Ralph K. Treitz

ist Mitgründer und CEO der VMS AG. Seit ihm sein Mathelehrer mit 14 Jahren einen Kurbelrechner in die Hand gedrückt hat, ist er Informatiker aus Leidenschaft.

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Itanium-Stopp: Die Folgen für SAP-Kunden

Für Oracles Haltung zu Itanium gibt es einleuchtende technische Gründe, bloggt VMS-CEO Ralph K. Treitz. Für die größere Anzahl der SAP-Anwender sei Itanium kein Verlust, sagt er und listet die wichtigsten Argumente für die These auf.

Tusch. Mit einer dürren Pressemitteilung erläutert Oracle seine Haltung zu Itanium. Nachdem schon vor einigen Wochen die Unterstützung von Linux auf Itanium durch Red Hat aufgekündigt wurde, ist nun auch HP-UX in den Bann einbezogen. Und allerorts hagelt es Interpretationen, warum Larry Ellison wohl gerade jetzt die Keule gegen HP und Intel schwingt.

Dabei gibt es tatsächlich ganz einleuchtende technische Gründe. Im SAP-Umfeld sind HP-UX-Itanium-Server seit Jahren recht verbreitet und VMS hatte genügend Gelegenheit deren Leistungsfähigkeit und Entwicklung zu untersuchen. Dabei fallen Eigenschaften auf, die auch außerhalb der SAP-Welt Geltung haben:

  • Schwäche bei der Performance “per core”

    Die einzelnen Cores sind im Vergleich zu den x86-Prozessoren deutlich unterlegen. SAP-Kunden spüren das deutlich, wenn sie CPU-intensive Transaktionen, zum Beispiel die bekannte VA01 (Anlegen Sales Order) nutzen. Letztendlich muss in einem SAP-System die kleinste Einheit (ein Dialogschritt) durch einen einzelnen Core abgearbeitet werden. Und hier sind etwa SAP SD-lastige Systeme auf Itanium klar im Nachteil.
  • Die Stärke der Itanium-Prozessoren, nämlich die bessere Skalierbarkeit bei mehreren Prozessoren und Cores in einem Server spielt für SAP-Systeme, die über mehrere Applikationsserver skalieren können, kaum eine Rolle. Lediglich als Datenbankserver waren Itanium-Systeme bis Anfang 2010 im Vorteil. Die nun aktuelle x86-Generation ist aber zu gleicher Single-Server-Performance fähig und der Vorteil von Itanium ist Vergangenheit.
  • Tempo der Weiterentwicklung

    Im Gegensatz zu den x86-Prozessoren hat Intel die Weiterentwicklung von Itanium auf Sparflamme gekocht. Wer einem Kunden für Größtsysteme in 2010 einen Fortschritt von 20 Prozent in den nächsten drei Jahren in Aussicht stellt, muss sich nicht wundern, wenn der Kunde an der Zukunftsfähigkeit der Plattform zweifelt.

Zugegeben, Larry Ellison ist immer für eine harte Attacke gegen den Wettbewerb gut. Aber für die größere Zahl der SAP-Anwender ist Itanium kein Verlust. Es bleibt also zu hoffen, dass HP seine Strategie so ausrichtet, dass es auch ohne Itanium ein starker Player im SAP-Markt bleibt, da die Menge an Plattformanbietern in den letzten Jahren doch über Gebühr ausgedünnt ist.