Reiner Dresbach

ist Sales Director Germany bei Brocade, verknüpft im silicon.de-Blog technologisches Know-How mit Business-Fragestellungen.

Netzwerk-ManagementNetzwerke

Mehr Offenheit im Netzwerk

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Offen für alles – im alltäglichen Gebrauch antworten wir das oft, wenn wir flexibel und nicht auf eine bestimmte Lösung festgelegt sind. Kurzum: Wir sind für jeden Spaß zu haben. Auch in der Netzwerkbranche werden offene, flexible und herstellerunabhängige Architekturen zukünftig zu einem neuen Paradigma werden, meint silicon.de-Blogger Reiner Dresbach.

Der Nutzen von offenen Standards ist leicht erklärt: Organisationen haben erheblich mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Netzwerkarchitektur. Bislang ist es oft so: Egal wie sich der Markt entwickelt und welche technologischen Neuerungen dazu kommen, man ist auf “Gedeih und Verderb” auf einen Anbieter festgelegt.

Man kann also nicht die beste Lösung integrieren, sondern wählt lediglich unter den Komponenten, die kompatibel sind zu der bestehenden Architektur. Vom reinen Investitionsvolumen bringt dies zwar Kostenvorteile mit sich, aber man erweitert lediglich das Bestehende und erhält kein modernes, agiles sowie hochverfügbares und effizientes IP-Netzwerk. Was genau verstehe ich also unter “Offenheit” im Netzwerk? Was versprechen die neuen Ansätze?

Zunächst sollte ich voranstellen, dass die Offenheit von Netzwerken sich auf zwei Bereiche bezieht. Zum einen geht es um offene IT-Systeme, also ein Multi-Vendor Netzwerk, in dem gemäß der Best-of-Breed-Strategie immer diejenigen Komponenten eingesetzt werden, die jeweils neue und verbesserte Funktionalitäten bieten. Der zweite Bereich, für den die neue Offenheit gilt, ist die IT-Architektur selber.

Das Spannende ist hierbei, dass diese Entwicklungen oft durch Community Groups vorangetrieben werden. So wurden sowohl beim OpenDaylight-Projekt als auch der OpenStack-Initiative neue Layer der IT-Architektur entwickelt. Einige meiner Kollegen sind sehr aktiv bei OpenDaylight, beispielsweise leitet einer meiner US-Kollegen das Technical Steering Committee (TSC), das die generelle Entwicklung des Projektes steuert und damit auch die Standards der Releases kontrolliert. Das zweite Release “Helium” ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer gemeinsamen Plattform und gemeinsamer Standards für die Branche.

Einige Entwicklungen stecken zugegebenermaßen noch in den Kinderschuhen. Nicht alles, was entsteht ist sofort flächendeckend einsetzbar. Aber das grundlegende Prinzip dahinter wird sich durchsetzen, nämlich dass die Innovationskraft nicht nur bei einem einzelnen Hersteller liegen wird. Vielmehr werden mehrere Experten gemeinsam Lösungen für ganz spezielle und konkrete Probleme im Netzwerk entwickeln. Und gerade weil sich in diesem Markt so viel verändert und entwickelt, ist diese “Schwarmintelligenz” den Einfällen von Einzelherstellern überlegen. Für den Nutzer birgt dies zudem den Vorteil, dass auch die Risiken bei offenen Spezifikationen transparenter oder leichter zu managen sein werden.

Was für Server und Software von Desktop-PCs bereits seit Jahren etabliert ist, kommt nun also auch im Netzwerk an. Mit ähnlichen Vorteilen: Mehr Transparenz, mehr Vergleichbarkeit, bessere Lösungen und schlussendlich leistungsfähigere sowie flexiblere Netzwerke – die eben genau das sind, was ich eingangs beschrieben habe: “Offen für alles”.