Joachim Schreiner

Welche Chancen bietet das Social Web für Unternehmen, Politik und Gesellschaft? Freuen Sie sich auf direkte und unverblümte Antworten von Joachim Schreiner, SVP Salesforce Central Europe.

Paradigmenwechsel: Von ‘No Cloud’ zu ‘Cloud only’

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Deutsche Unternehmen waren beim Megatrend Cloud Computing lange zurückhaltend, doch jetzt setzen sich Anwendungen aus der Wolke immer mehr durch. Und das ist auch gut so, denn die Cloud ist der wichtigste Katalysator der Digitalisierung, weiß Joachim Schreiner von Salesforce.com.

Das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner hat kürzlich eine Prognose veröffentlicht, nach der viele Unternehmen bis zum Jahr 2020 einen “Cloud only”-Ansatz verfolgen werden. Eine “No Cloud”-Policy werde dann ebenso selten sein wie heute eine “No Internet”-Strategie. Damit hat sich die Einstellung zur Cloud in den letzten Jahren komplett gedreht, auch in Deutschland nutzen laut BITKOM nach einer langen Phase der Skepsis inzwischen mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Firmen Cloud Computing. Überraschend: Der Anstieg liegt vor allem an kleinen und mittelständischen Unternehmen. Bei Firmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern wuchs der Anteil um 11 Punkte auf 52 Prozent und in der Gruppe von 100 bis 1.999 Mitarbeiter um 7 Punkte auf 62 Prozent. Deutschland holt in Sachen Cloud also gewaltig auf.

Vom Start-up zum Marktführer

Ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das von Anfang an die Vorteile der Cloud und anderer digitaler Technologien genutzt hat, ist unser Kunde FlixBus. Das 2013 gegründete Start-up setzte auf mobile und digitale Angebote als USP – und traf damit insbesondere bei der jungen Kundengeneration der Digital Natives voll ins Schwarze. Die Erfolgsgeschichte begann mit drei Linien quer durch Süddeutschland. Heute bedient das Unternehmen rund 100.000 internationale Verbindungen und fährt täglich rund 800 Ziele in 19 europäischen Ländern an. Knapp tausend Mitarbeiter und fast 5.000 Busfahrer bei 250 regionalen Partnern sind derzeit für FlixBus im Einsatz. In Deutschland beträgt der Marktanteil von FlixBus inzwischen 73 Prozent.

Flixbus, das Startup schafft mit Hilfe der Cloud eine konsistente Erfahrung für den Nutzer. (Bild: FlixBus)
Flixbus, das Startup schafft mit Hilfe der Cloud eine konsistente Erfahrung für den Nutzer. (Bild: FlixBus)

WLAN im Bus und dies auch noch kostenlos war der erste Service, mit dem sich das Start-up gleich zu Anfang von konventionellen Verkehrsdienstleistern unterschied. Da die drei Firmengründer zuvor auch Erfahrung in der E-Commerce- beziehungsweise IT-Branche gesammelt hatten, war der Blick durch die digitale Kundenbrille für sie auch in der neuen Branche eine pure Selbstverständlichkeit.

Während Fahrpläne manch anderer Anbieter nur mühsam im Internet zugänglich und Tickets ausschließlich an stationären Automaten zu haben waren, erleichterte FlixBus bereits die Reisevorbereitung der Kunden mit einer maßgeschneiderten App.

Das Besondere: Kunden können mit einem Klick und ohne Account Tickets bezahlen, auf ihre komplette Fahrthistorie zugreifen oder zur nächstgelegenen Haltestelle navigieren. Statt vorab Tickets auszudrucken, zeigen Passagiere beim Einstieg in den FlixBus den QR-Code in der App auf ihrem Smartphone – einfacher geht es nicht. Alles dies zusammen wird innerhalb der Firma “FlixPerience” genannt, weil der ebenso intuitive wie vielgestaltige App-Service die Customer Experience mit dem Markenerlebnis nahezu vollständig verschmelzen lässt. Der Erfolg von FlixBus zeigt, wie wichtig es ist, agil auf neue Kundenwünsche zu reagieren. Gerade dafür ist die Cloud unverzichtbar.

Cloud wird auch in Deutschland zum Normalfall

Solche Beispiele für den Aufstieg eines Start-ups zum Marktführer sind in Deutschland zwar aktuell noch eine Ausnahme, doch die Cloud als technologische Basis für den Erfolg wird immer mehr zum Normalfall, wie die eingangs erwähnte BITKOM-Studie zeigt. Das hat unterschiedliche Gründe. Beispielsweise gibt es immer mehr Start-ups, die ähnlich wie FlixBus von Anfang an auf Flexibilität und Skalierbarkeit setzen und deren Gründer teils mit Cloud-Anwendungen aufgewachsen sind. Zudem machen auch traditionelle Unternehmen, die Public-Cloud-Anwendungen nutzen, durchweg positive Erfahrungen damit. Gemäß BITKOM waren das 2014 und 2015 jeweils 73 Prozent.

Gleichzeitig nimmt der Druck des Marktes stetig zu. Unternehmen können in diesen innovationsgetriebenen Zeiten nur mit dem Wettbewerb mithalten, wenn sie das Potenzial einer solchen Schlüsseltechnologie nicht alleine der Konkurrenz überlassen. Wer sich heute nicht mit der Cloud auseinandersetzt, kann seinen Betrieb auch gleich schließen. Sonst wird das in Kürze der Wettbewerb erledigen. Deutschland hat mehr Weltmarktführer als jedes andere Land hervorgebracht, und zum Glück haben immer mehr Unternehmen auch im Mittelstand verstanden, dass Tradition oder eine gute Marktposition in Zeiten der Digitalisierung keine Garanten mehr für zukünftigen Erfolg sind. Diese Zeiten sind vorbei.

Nächster Schritt: intelligente Assistenten

Bei der Frage, welche Themen IT-Entscheider mit Blick auf die Zukunft zwingend im Auge haben sollten, steht Artificial Intelligence an erster Stelle. Die nächste Generation von Business-Anwendungen sollte in der Lage sein, Daten nicht nur zu sammeln und zu analysieren, sondern auch automatisierte Empfehlungen zu sinnvollen nächsten Schritten auszusprechen, um Anwendern das Leben noch leichter zu machen. Und auch dafür brauchen Unternehmen die Cloud. Sie bietet als Basis und Katalysator der Digitalisierung die Möglichkeit, Anwendungen agil und flexibel an veränderte Anforderungen anzupassen und im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein.