Uwe Hauck

hat Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert. Heute ist er Senior Software Engineer bei einem IT Dienstleister.

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Reise-Gedanken: Wir brauchen keine Titel sondern Talente

Mit der passenden “Ausrüstung” lässt sich auch im Zug vortrefflich arbeiten. Wieder eine dieser Reisen in meiner Rolle als Blogger, die mich mindestens genauso stark nachdenken lassen, wie hoffentlich meine Leser. silicon.de-Blogger Uwe Hauck zum Thema Arbeitswelt der Zukunft.

Der Vortrag bei Beiersdorf ging um die Frage, wie die IT unser aller Leben in der Zukunft beeinflussen wird. Dann beim gemeinsamen Abendessen mit dem CIO kam das Gespräch wieder auf mein momentanes Lieblingsthema: Workplace of the future. Auch bei Beiersdorf Shared Services wie eigentlich in den meisten Unternehmen ist das Bewusstsein geschärft für den Wandel.

Was ich aber mitgenommen habe für meine Recherchen zur Arbeitswelt der Zukunft: Wir brauchen nicht nur eine Abkehr von den alten Denkmustern zu Lohnarbeit, nämlich, Anwesenheit = Leistung. Wir müssen auch Talent und Bezahlung neu überdenken. Es kann nicht angehen, dass z.B. ein neuer Mitarbeiter, der sich auf eine Stelle beworben hat, für die er oder sie “überqualifiziert” ist, nur deshalb abgelehnt wird, weil zwar der Personalbereich UND der neue Mitarbeiter sich auf die Gehaltsstufe der Ausschreibung geeinigt haben, nach Tarifvertrag der Skill aber eine andere Einstufung verlangt. Wir müssen wegkommen von der Bevormundung der Mitarbeiter, vor dem Anspruch vor allem vieler Betriebsräte, den Mitarbeiter vor sich selbst schützen zu wollen. Das ist pure Arroganz und Bevormundung erwachsener Menschen.

Ich würde es mir verbitten, vorgeschrieben zu bekommen, wie ich genau meine Arbeit zu organisieren habe. Wir reden mittlerweile in vielen Bereichen gerade der IT von Arbeitsmodellen, die dem Empfinden und der Arbeitsweise vieler Informatiker schlicht konträr laufen. Und das wird sich auf weitere Bereiche der “Wissensarbeit” ausdehnen. Der größte Denkfehler ist anzunehmen, es gäbe das Arbeitsmodell, das Denkmuster für bezahlte Arbeit, das 100 Prozent und für alle Menschen gleich geeignet sei. Der Mensch ist ein Individuum, und das endet nicht am Eingang zum Unternehmen.

Wir müssen zudem den Fokus endlich wegnehmen von erworbenen Titeln, die einen Mitarbeiter in gewisse Bezahlkorsetts zwingen und einen Wechsel in andere Bereiche dank scheinbarer Überqualifizierung fast unmöglich, oft aber zumindest sehr schwierig machen. Es gilt wieder mehr den Mitarbeiter zu betrachten mit seinem aktuellen Status Quo. Wie viele versteckte Talente sind in Unternehmen quasi begraben, weil ihre “Ausbildung” angeblich nicht zur Stellenausschreibung passt.

Hinterfragt man aber das Motiv für die Bewerbung, findet man oft ein verstecktes Talent, das auf die ausgeschriebene Stelle nicht nur passen sondern eigentlich quasi die Idealbesetzung darstellen würde. Wenn dann aber der Tarifvertrag das nicht hergibt, darf dieser Person dann die Stelle verweigert werden, wenn sie selbst damit einverstanden ist, anders eingruppiert zu werden? (Die Betriebsräte unter meinen Lesern rufen jetzt hoffentlich nicht gleich wieder nach dem elterlich besserwisserischen Beschützen des Mitarbeiters vor sich selbst)

Lasst Menschen die Chance, auch Neues zu probieren, vertraut auch wieder mehr auf Selbsteinschätzung desjenigen, der sich bewirbt. Wir reden hier von erwachsenen Menschen und sollten ihnen zumindest die Chance einer Probezeit geben. Und kommt mir nicht mit Kosten. Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten Menschen sehr wohl einschätzen können, ob eine Anstellung zu ihnen passt oder nicht (die meisten trauen sich eher zu wenig als zu viel zu). Wir müssen aber auch die Chance zum Wechsel, zum Schnitt, zum Neuanfang in einem anderen Thema möglich machen. Der talentierte, motivierte Mitarbeiter auf neuem Gebiet ist mir allemal lieber, als alle Mitarbeiter auf ihre Titel und die dazu passenden Berufe zu reduzieren. Ich bin nicht nur Informatiker, sondern auch Autor, Blogger, Maler und vieles mehr.

Sucht die Talente, nicht die Titel!

  1. Chapeau!
    Genau dieses Problem betrachte ich seit fast 30 Jahren! Durch meinen beruflichen Werdegang habe ich viel auch im Ausland gearbeitet und kann damit ganz gut die "Systeme" vergleichen. Und mit flexiblen Arbeitsmodellen haben wir in Deutschland mit die größten Probleme!

    Mit den flexiblen Möglichkeiten, derer sich vorallem die sogenannten "digital natives" bedienen, verschärft sich natürlich die Kluft zwischen theoretischen Möglichkeiten und gelebter Praxis!

    Auch hier gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft (über kurz oder lang) das Leben (der Markt)!