Kaj Arnö

ist Chief of Staff bei MariaDB und glühender Verfechter von Open-Source-Technologien.

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Schnellere Schritte sind kein Sturmlauf

Der Merger von SkySQL und Monty Programm sorgte trotz kleiner Unternehmen für erhebliches Presseecho, was den Wahlmünchner, Marathonläufer und silicon.de-Blogger Kaj Arnö freut. Als Kampfansage an Oracle will er den den Zusammenschluss um MariaDB aber nicht sehen .

Normalerweise nimmt die IT-Presse von Firmenzusammenschlüssen kaum Notiz, außer die Beteiligten sind gewichtig. Als sich aber SkySQL und Monty Program zusammentaten, was 70 Angestellte betraf, war es anders. Kaj Arnö, Vice President Collaboration bei SkySQL, sieht das mit gemischten Gefühlen und erkennt darin ein günstiges Presseumfeld für Open Source.

Geschehen ist Folgendes: Viele Engagierte aus dem Kernteam der Open-Source-Datenbank MySQL haben sich in einer Firma, SkySQL, wiedergefunden. Erfahrene Entwickler hatten noch zu Sun-Zeiten Monty Program gegründet, während nach der Oracle-Übernahme auch die Spezialisten für Consulting, Support und Marketing zu SkySQL gegangen waren. Unter einem Dach wollen sie nun ihre bisherigen Geschäftsansätze fortsetzen: zum einen Support für MySQL anbieten und zum anderen MariaDB, einer zu MySQL kompatiblen Datenbank, zu Erfolg verhelfen.

Die Resonanz in der Presse war größer, als SkySQL erhoffte, doch häufig wurde der Vorgang wie eine Kampfansage an Oracle dargestellt (anm. d. red. Auch silicon.de titelte “MariaDB und SkySQL schließen sich gegen Oracle zusammen“). Das geht ziemlich an der Realität vorbei. Wir sind bei SkySQL der Ansicht, dass MariaDB technisch allemal auf Augenhöhe mit MySQL ist, in einigen Details sogar überlegen. Wir sehen uns auch besser aufgestellt für zwei Zukunftsthemen der Datenbankwelt: Cloud und NoSQL. Vor allem aber ist MariaDB kompromisslos Open Source, ohne proprietäre Haken und Ösen.

Jedoch spielt diese Alternative in einer ganz anderen Liga als MySQL. Dieser Datenbank-Kern der Standard Linux-Infrastruktur kommt auf circa 50 Millionen Installationen weltweit. Gegenüber diesem Elefanten ist MariaDB gemessen an der Zahl der Installationen ein mittelgroßes Nagetier. Außerdem gibt es um MySQL ein beachtliches Umfeld von Software-, Support- und Consulting-Firmen. MySQL spielt in einer anderen Liga, könnte ganz oben dabei sein, bei IBM und Oracle – wenn letztere nicht (verständlicherweise) dem Wohlergehen ihrer Cashcow den Vorrang gäbe.

Wenn Oracle eins der erfolgreichsten Open-Source-Produkte ausbremst, auch noch mit typisch proprietären Maßnahmen begleitet, nimmt die Community das sehr übel. Unvergessen ist ohnehin, wie stiefmütterlich Oracle OpenOffice behandelt hat, was Grund zur – inzwischen sehr erfolgreichen – Abspaltung LibreOffice war. Unter denen, die sich für Open Source engagieren, hat Oracle ein schlechteres Image als Microsoft, wo man sich längst deutlich der Open-Source-Welt öffnet.

Wie viel von der Antipathie der Open-Source-Gemeinde gegen Oracle sich inzwischen in der IT-Presse nicht nur zwischen den Zeilen wiedererkennen lässt ist erstaunlich. Man muss sich nicht weit zurück erinnern, um daran auch ablesen zu können, welches Ausmaß der Open-Source-Trend mittlerweile gewonnen hat. Grundsätzlich bedeutet das: Das Umfeld für Open Source hat sich deutlich verbessert. Meldungen, dass Wikipedia von MySQL auf MariaDB umsteigt, dass unter anderem die Community-Versionen der Linux-Distributionen Red Hat und SuSE MariaDB integriert haben, gehen nicht unter, sondern finden sich in der Presse wieder. Dies ist erfreulich.

Von einer Kampfansage kann da aber noch keine Rede sein, eher von kleinen Erfolgen. Solche Meldungen könnten mehr Entscheider auf Seiten der Anwender und im MySQL-Ecosystem dazu bringen, zu überlegen, wie sie ihre Datenbank-Zukunft gestalten wollen. Eine Bedrohung für das MySQL-Empire ist MariaDB damit noch lange nicht – nur eine ambitionierte Alternative, die in einer förderlichen Umgebung ihr Schritttempo erhöht.

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