Frank Kölmel

Frank Kölmel ist Vice President Central & Eastern Europe bei dem IT-Sicherheitsunternehmen FireEye.

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Second Screen – Fernsehen einer neuen Generation?

Drei Wochen vor der Wahl in Deutschland strahlten die Sender ARD, ZDF, RTL und ProSieben das TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück aus. Unter den 17,6 Millionen Zuschauern verfolgte auch Silicon.de Blogger Frank Kölmel das Duell gespannt vor dem Fernseher. Aber auch im Internet entsponn sich eine heiße Diskussion. Frank Kölmel über das Phänomen des Second Screen, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut:

Unter “Second Screen” verstehen wir die Nutzung eines zweiten Bildschirms während des laufenden Fernsehprogramms. Per Smartphone oder Tablet-PC ruft man zusätzliche Informationen ab oder kommentiert das Programm online in sozialen Netzwerken und tauscht sich so mit anderen aus. Sie kennen das bestimmt auch – man sitzt auf der Couch und diskutiert die von Günther Jauch gestellten Fragen nicht mehr nur mit der Familie oder dem Partner, sondern sucht die Lösung direkt im Internet, um zu sehen wer Recht hat. Zwischendrin checkt man immer wieder die E-Mails oder den Facebook-Account und sammelt Informationen über den Spielfilm, der gerade läuft.

Bereits 84 Prozent der Internetnutzer in Deutschland surfen gelegentlich während des Fernsehens im Internet. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommt die erste Second Screen Studie in Deutschland. Ziel der Studie war es aber natürlich auch aktuelle und potentielle Nutzer zu identifizieren und die Möglichkeiten für die Werbeindustrie zu analysieren. Aufgrund der Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass der Second Screen die Fernsehlandschaft, aber auch die Internetnutzung während des Fernsehens verändern wird. TV und Internet werden in Zukunft mit Sicherheit stärker zusammenwachsen und sich noch besser ergänzen. Wir können gespannt sein!

Die Nutzung des Second Screen ist also schon heute ein recht gängiger Trend in deutschen Haushalten. Die enorme Verbreitung mobiler Endgeräte wie Smartphones, Tablet-PCs und Laptops bei gleichzeitig dauerhafter W-LAN Verfügbarkeit macht es möglich. Doch wie kam es dazu? Die rasche Entwicklung im IT-Bereich hat diese schnelle und parallele Kommunikation möglich gemacht. Sowohl Hard- als auch Software erleichtern es den Nutzern mehrere Medien parallel zu bedienen und sich mit anderen Menschen überall auf der Welt auszutauschen. Um den stetig zunehmenden Datenfluss zu bewältigen, werden intelligente Netzwerke benötigt, wie sie beispielsweise der Netzwerkspezialist Brocade anbietet.

Großer Beliebtheit erfreut sich zurzeit die Diskussion mit anderen Menschen über aktuelle TV-Inhalte. Soziale Netzwerke stellen dabei ein virtuelles Wohnzimmer dar, in dem man Fernsehsendungen kommentieren kann und sich über das laufende Fernsehprogramm austauscht. Getwittert, gebloggt und kommentiert wird dabei so gut wie alles, die Frisur der Moderatorin, wer der Mörder im aktuellen Tatort ist oder sogar die Halskette unserer Kanzlerin Angela Merkel im großen TV-Duell.

“Hätte-hätte-Deutschlandkette” – Noch nicht einmal eine Stunde nach dem Kanzlerduell am 1. September hatte das Schmuckstück seinen eigenen Twitter-Account. Mehr als 3.000 Follower zählte die “Deutschland-Kette” unmittelbar danach, über 8.000 sind es mittlerweile. Die Farben Schwarz-Gold-Rot der Kette folgten nicht der deutschen, sondern der belgischen Flagge, was zu folgendem Twitter-Tweet führte: “Sie trägt mich falsch! Ich bin doch nicht Belgien!” Die Nutzer der Social-Media-Seiten machten sich im Netz über die eigenwillige Kette der Kanzlerin lustig: “Tipp für diesen komischen Tatort heute: Die mit der Kette bringt den ohne Krawatte um.” kommentierte ein User. Wer hätte das gedacht – eine Kette ist der klare Sieger des TV-Duells! Viele Zuschauer fanden das Kanzlerduell scheinbar so langweilig, dass sie nicht die Aussagen der beiden Kandidaten zu aktuellen Themen kommentierten, sondern den Halsschmuck der Kanzlerin.

Der Internet-Hype um die “Schlandkette” zeigt, dass bereits viele Internetnutzer einen Second Screen nutzen. Und ich muss gestehen, gelegentlich gehöre ich auch dazu. Wobei ich eigentlich versuche, den Abend eher mit “No screen” zu verbringen – nach einem langen Arbeitstag mit jeder Menge verschiedener “Screens”…