Gartner Group

Das Team der deutschen Gartner Analysten bloggt für Sie über alles was die IT-Welt bewegt. Mit dabei sind Christian Hestermann, Frank Ridder, Carsten Casper, Bettina Tratz-Ryan, Christian Titze, Annette Zimmermann und Hanns Köhler-Krüner.

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Smart City – intelligente Netzwerke mit 10 Milliarden IoT-Geräten

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Nicht nur die Industrie, sondern auch Städte vernetzen sich zusehends. Aber ob Fertigungsstraße oder intelligenter Mülleimer, das Rückgrat dieser Entwicklung ist in beiden Fällen das gleiche, so Bettina Tratz-Ryan, Research Vice President bei Gartner.

Die ITK-Industrie kennt schon lange die Beispiele einer intelligenten Stadt: Mülleimer, die Überfüllung anzeigen, Stadtverkehr, dessen Routenführung und Ampelschaltung sich je nach Emissionsstand oder Verfügbarkeit von Parkplätzen dynamisch anpassen, oder Ortungsdienste, die Bürgern je nach Aufgabenstellung entweder Informationen oder auch persönliche Assistenz zur Verfügung stellen, vor allem für Bürger mit besonderen Bedürfnissen. Auch gibt es Gebäude, die je nach Jahreszeit und den jeweiligen Bewohnern und Besuchern interaktiv ein klimaschonendes und kontextbezogenes Ambiente schaffen. All diese Szenarien sind bereits in der Erstehungsphase oder werden schon in Pilotprojekten umgesetzt.

Grundlage für diese Beispiele ist die Implementierung des Internet der Dinge (Internet of Things – IoT), das durch verschiedene Sensorik und integrierter Technologie – zum Beispiel in Straßenlampen, Parksäulen, Energiemessträgern oder als tragbare Einheit – Daten über Infrastrukturbenutzung oder Situationsbestimmung in Echtzeit berichtet. Laut einer Gartner-Studie werden bis zum Jahr 2020 rund zehn Milliarden IoT-Geräte in Städten installiert sein (siehe Gartner: Smart Cities Will Include 10 Billion Things by 2020 − Start Now to Plan, Engage and Position Offerings). Über 70 Prozent der Installationen entfallen auf smarte Gewerbeimmobilien (3,42 Mrd.) und Smart Homes (4,4 Mrd.). Versorgungsunternehmen und Transport & Logistik sind mit 674 bzw. 643 Millionen eingebauten Einheiten ebenfalls beteiligt. Dienste wie e-Health und automatisierte Energieeinstellungen zu Hause können über Smartphones oder Dienstleister bestimmt werden.

Smart Cities: Die Rolle der Kommunen

Die größte Erkenntnis ist jedoch, dass die meisten Investitionen in das Internet der Dinge in Städten von der Industrie und Wirtschaft kommen und nicht vom öffentlichen Sektor getätigt werden. Dies bedeutet, dass sich die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der intelligenten Netze an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen orientieren können und kundennah definiert werden. Dies wiederum bedeutet, dass Dienstleister zusammen mit Netzwerkbetreibern engmaschig zusammenarbeiten, um die richtigen Daten, und nicht nur Massendaten, aus dem IoT zu erhalten und zügig sowie marktorientiert intelligente Dienste anzubieten.

Damit die Smart City weiterhin bürgernah bleibt, kommt den Kommunen und Stadtverwaltungen eine große Aufgabe der Governance zu. Sie sind nicht mehr verantwortlich für die direkte Implementierung und Umsetzung aller dazugehörigen Dienste, sondern sie bilden als “Influencer” ein wichtiges Rahmenwerk für Grundsatzentscheidungen über Datenbesitz, Identitätsmanagement von Daten, Persönlichkeitsrechten, dem Stand von Urheberrechten und Lizenzkriterien, sowie der Förderung von wissensbasierten Innovationen durch gleichberechtigten Zugriff und Verständnis von Kerndaten und Informationen. Von der Kommunalverwaltung wird ein enger Zusammenschluss mit der Wirtschaft erwartet, der wichtig für die Einhaltung der digitalen und sozialen Inklusionskriterien ist.

Digitalisierung wird vor den Kommunen und Städten nicht Halt machen. Durch den Ausbau des IoT und den sich daraus ergebenden Dienstleistungen werden Städte zum Zentrum der Kooperation und Innovation von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bürgergemeinschaften. Der Gedanke der Demokratie des Datenverständnisses wird neue urbane Geschäftsmodelle hervorrufen.