Winfried Holz

Winfried Holz ist Chief Executive Officer (CEO) von Atos Deutschland. In zahlreichen Gremien engagiert er sich für den IT- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

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Social Collaboration: Die Deutschen sind besser als sie meinen

Es könne nicht angehen, dass deutsche Unternehmen im europäischen Vergleich bei der Nutzung und dabei auch bei der Realisierung der Vorteile hinter den Nachbarländern liegt, bloggt Winfried Holz, CEO von Atos Deutschland. Holz der das Zero E-Mail-Projekt von Atos am eigenen Leib täglich erfährt, weiß welche Chancen sich die deutsche Unternehmenslandschaft entgehen lässt.

Vor einigen Wochen hat Pierre Audoin Consultants (PAC) als erstes Analystenhaus eine Vergleichsuntersuchung zum Thema Social Collaboration in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt. Das Ergebnis ist eindeutig: Projekte auf Basis vernetzter Kommunikationstechniken wie Enterprise Social Networks beginnen grade erst, sich durchzusetzen. Allerdings kommen die Unternehmen in Frankreich und Großbritannien schneller aus den Startlöchern als in Deutschland. Bemerkenswert ist hierbei nicht die Tatsache, dass es in Deutschland prozentual weniger Projekte gibt als in den anderen Ländern: Erst 20 Prozent der Befragten in Deutschland hatten ein Social Collaboration-Projekt ganz oder teilweise umgesetzt, in Frankreich waren es 27 Prozent und in UK schon fast 40 Prozent.

Nicht jedes Unternehmen muss ein Vorreiter sein, sondern kann durchaus auch von den Ideen und Erfahrungen anderer profitieren. Bedenklich scheint mir eher, dass laut der PAC-Befragung nur 11 Prozent der deutschen Unternehmen über eine auf Social Collaboration ausgerichtete Unternehmenskultur hat, in Großbritannien dagegen fast 40 und in Frankreich über 50 Prozent.

In meinem letzten Blog habe ich bereits auf die Bedeutung der kulturellen Veränderung und das notwendige Umdenken in Unternehmen für den Erfolg von Social Business-Projekten hingewiesen. Offensichtlich geht die Beziehung noch tiefer: Erst wenn die Unternehmenskultur auf Vernetzung ausgerichtet ist, lassen sich entsprechende Projekte initiieren und mit Hilfe von Change Management-Instrumenten erfolgreich umsetzen. Warum schneidet nun Deutschland in dieser Hinsicht laut PAC so schlecht ab? Fehlt die unternehmerische Kultur, die Experten und Informationen möglichst schnell und effizient zusammenbringen könnte?

Unsere Erfahrung bei Atos zeigt, dass der Einsatz der Tools erst der letzte Schritt ist. Zuvor gilt es, einen Wandel im Denken und in der Zusammenarbeit anzustoßen, die Mitarbeiter zu überzeugen und zu “enablen” sowie Arbeitsabläufe entsprechend umzustellen. Die systematische Begleitung des Veränderungsprozesses ist entscheidend.

Denn an den Mitarbeitern liegt es nicht, so die PAC-Umfrage. Nur 16 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland sagten, dass die Akzeptanz der Mitarbeiter eine Barriere für den Einsatz der sozialen Technologien sei. Ebenso wenig kann es an fehlendem Management-Support liegen: Auch in Frankreich nutzen aktuell nur 11 Prozent der Top-Manager aktiv soziale Netzwerke und erfüllen so ihre Vorbild-Funktion. Trotzdem sehen sich die Franzosen aktuell gut vorbereitet. Wie ist dies zu erklären?

Die einzige Frage, die einen sichtbaren statistischen Ausschlag gibt, ist der Sicherheitsaspekt: Ungelöste Fragen der Datensicherheit wie Zugriffsrechte auf Daten oder Compliance-Vorgaben haben als Hindernis in allen Ländern eine große Bedeutung, aber während in Frankreich und Großbritannien jeder zweite Studienteilnehmer darin ein Problem sieht, sind es in Deutschland Drei-Viertel aller Befragten. Dies bestätigt das hohe Sicherheitsbewusstsein in Deutschland. Zudem ist die Angst des Abflusses von Unternehmenswissen in Deutschland größer als in den anderen Ländern. Doch genügt das, um nationale Unterschiede zu verstehen?

Bei allen anderen Fragen, die Aufschluss geben können, weichen die deutschen Ergebnisse kaum von denen anderer Ländern ab: Die meisten erkennen den Mehrwert der sozialen Technologien. Selbst die Mehrbelastung der Mitarbeiter sehen die Deutschen nicht anders als andere Länder – durch als ein Problem, aber nicht als Ausschlusskriterium.

Und was heißt das nun für uns? Ich habe den Verdacht, dass die Befragten aus Deutschland die Lage pessimistischer sehen, als sie eigentlich ist. Organisatorisch, technisch und personell sind Unternehmen hierzulande mindestens genauso gut vorbereitet wie ihre französischen und britischen Pendants, um Wissen und Informationen vernetzt bereitzustellen und abzurufen.

Daher bleibt mir abschließend nur noch der Aufruf an die deutschen Unternehmen: Social Collaboration-Projekte lassen sich auch hierzulande gewinnbringend umsetzen, wenn die Datensicherheit gewährleistet wird und die Projekte konsequent von einem Veränderungsmanagement begleitet werden. Und wenn jetzt noch die Frage aufkommen sollte, wieso man eigentlich diesem “Hype” nachlaufen sollte, hier die Antwort aus der Praxis: Im Rahmen unseres Zero Email Projektes haben wir die ersten Hürden genommen und damit begonnen, Arbeitsprojekte und -abläufe von der E-Mail auf soziale Technologien umzustellen.

So konnten wir beispielsweise die Feedback-Zeiten für technischen Support in einem Projekt von 48 auf eine Stunde reduzieren, also ein massiver Effizienzgewinn. Der Siegeszug von Social Collaboration spricht für sich – und ist nicht mehr aufzuhalten.

  1. Übertreibung?

    Gerade eben spricht es sich herum, dass Mail ein gewaltiger Zeitfresser ist. Die Autoren überschlagen sich mit Tipps, ob es nun besser ist, Mail am Morgen oder am Abend zu ignorieren, damit man einmal am Tag dazu kommt, seine Arbeit zu machen.

    Schon stehen die nächsten “Verführer” Schlange und wollen uns einreden, wie wichtig die Integration Ihrer “neuesten Erfindung” ist und dass man ohne praktisch sofort Pleite geht, ohne Verzögerung.

    Das alles wird dann untermauert mit einer Erfolgsgeschichte, in der es geklappt hat, mit einem Service-Chat das zu tun, wofür es gemacht wurde, nämlich Service zu erbringen. Schon toll, oder?

    Irgendwie kommt mir, als Blinden, der Verdacht, dass sich da ein Einäugiger als Anführer erheben will.

    Da schaue ich doch lieber mal woanders, über den großen Teich, da gibt es eine Personengruppe, die richtig fette Kohle verdient. Was halten die von “Social Media”?

    Nun, die Herren sind sehr direkt, sie wissen aber sehr wohl, wovon sie sprechen. Alles zum Thema ist da in einem einzigen Wort gesagt. Ein böses Wort: “B..ls..t!”

    Wem glaube ich jetzt? Dem, der mir wieder mal was verkaufen will oder dem, der es auf den Cent getestet hat?

    Schönes Wochenende, der PMa