Rico van Leuken

ist Director Business Consulting für den Supply-Chain-Spezialisten E2open und bloggt vor allem über die Cloud in der Lieferkette.

Enterprise

Supply Chain Management wird social!

Supply-Chain-Experte Riko van Leuken glaubt fest daran, dass soziale Medien auch für die Mitarbeiter in der Lieferkette wirtschaftliche Vorteile bringen können, vor allem wenn es hakt. Die Analyse von sozialen Netzen kann zudem drohende Engpässe vorhersagen helfen, erklärt Leuken in seinem Blog für silicon.de.

Mit einer Hand immer am Smartphone: Digital Natives wollen auch im Beruf Social Media nutzen. Selbst ältere Generationen profitieren von Facebook, Twitter und Co. Denn die sozialen Medien sind einfach, intuitiv und können wichtige Informationen schnell transportieren. Aber ist das Thema Social Media tatsächlich auch für Unternehmen interessant?

Viele Unternehmen fragen sich: Sind soziale Netzwerke nur ein Trend, der bald vorübergeht ohne große Eindrücke zu hinterlassen? Lenkt er die Supply Chain-Spezialisten gar von ihrer Arbeit ab? Doch zunächst sollten doch die Vorteile im Vordergrund stehen, die soziale Technologien Supply Chain Management bringen können.

Community-Spirit

Der Austausch mit Mitgliedern der Gemeinschaft, heute “Community”, ist ein uraltes Konzept. Eine Community bietet besseren Zusammenhalt, auch in der Supply Chain. Dort vereinfacht der Einsatz von Social Media die Beziehungen zwischen den einzelnen Handelspartnern, denn Informationen können konkret und zeitnah ausgetauscht werden.

Soziale Medien bieten vielfältige Vorteile: Sie sind bi-direktional, interaktiv und basieren auf einer Netzwerk-Struktur. Informationen jeder Art können darüber verbreitet werden, unabhängig von geografischen Distanzen und Zeitverschiebungen. Sie machen die Supply Chain stärker, da sie die Qualität der einzelnen Kontakte im Wertschöpfungsnetzwerk verbessern. Nur so kann gute Zusammenarbeit funktionieren! Um Social Media sinnvoll einzusetzen, muss sie in den Workflow integriert werden. Das kann über eine Cloud-basierte Plattform passieren, die die zunächst meist noch unstrukturierten Daten in nützliche und nutzbare Informationen umwandelt.

Gemeinsame Problemlösung

Soziale Technologien ermöglichen es allen Handelspartnern in Echtzeit zusammenzuarbeiten. Abweichungen können zeitnah gemeinsam identifiziert, charakterisiert und gelöst werden. Während Social Media Werkzeuge zur Kommunikation und Zusammenarbeit bietet, gewährleisten SCM-Tools den Datenaustausch zwischen Unternehmen. In einem idealen System werden daher soziale mit klassischen SCM-Tools kombiniert, um lückenlosen Datenaustausch in Echtzeit zu garantieren. Diese Art der Kommunikation schafft eigene “Communities”, die sich mit der Lösung von Supply Chain-Problemen befassen. Neben direkten Kostenvorteilen beschleunigt diese neue Art der Problembehandlung auch die Lösungsfindung und -umsetzung.

Social Listening – Risiken erkennen, bevor sie zum Problem werden

Stellen Sie sich vor, ein wichtiger Knotenpunkt in Ihrem Handelsnetzwerk wäre im Jahr 2011 der Hafen in Oakland gewesen, der auch zahlreiche europäische Container abwickelt. Die damalige Demonstration legte den gesamten Hafenbetrieb lahm. Da Streiks und Protestbewegungen oft online organsiert werden, hätten Social Media hier als Frühwarnsystem vor Risiken fungieren können. Die Betroffenen im Netzwerk hätten rechtzeitig ihr weiteres Vorgehen an die Situation anpassen können (Risk Monitoring). Hören Sie also zu, was in den sozialen Netzwerken besprochen wird.

Social Sensing – Trends erkennen, bevor sie zum Trend werden

Darüber hinaus können Online-Kommunikationskanäle als Marktanalysetool genutzt werden, um besser auf die Nachfrage zu reagieren. Wenn sich auf Facebook, Twitter und Co zum Beispiel eine Präferenz für ein Produkt abzeichnet, kann diese Information in Echtzeit weitergeleitet werden. Durch das Umwandeln von “Meinungen” in strukturierte Daten, können Hersteller diese neue Konsumenten-Dimension für ihre internen Bedarfs- und Prognoseplanungen nutzen. Nicht selten passen Hersteller daraufhin den zukünftigen Produktmix für die Produktion an. Zusätzlich können diese neuen Informationen genutzt werden, um Produktionskapazitäten zu erweitern oder zu reduzieren, oder um den Vorrat zu optimieren, um so den echten Bedarf für die richtigen Produkte zu decken (Demand Sensing).

Werden Sie social!

Malen Sie also die Anwendung von Social Media für Ihre Supply Chain nicht von vorneherein schwarz! Seien Sie sich bewusst über die Risiken und den Aufwand, den soziale Medien mit sich bringen, aber machen Sie sich die Vorteile und die vielseitigen Möglichkeiten der Kanäle zunutze!