Gartner

Das Team der deutschen Gartner Analysten bloggt für Sie über alles was die IT-Welt bewegt. Mit dabei sind Christian Hestermann, Frank Ridder, Bettina Tratz-Ryan, Christian Titze, Annette Zimmermann, Jörg Fritsch, Hanns Köhler-Krüner und Meike Escherich.

Enterprise

Supply Chain Visibility – aktuell wie nie zuvor

Supply-Chain-Visibility, also mehr Transparenz in der Lieferkette und das noch am besten von einem Ende bis zum anderen, das ist laut dem Gartner-Experten Christian Titze derzeit eine der wichtigsten Themen eines Supply-Chain-Managers.

Supply-Chain Visibility, Gartner. Aktuell ist ‘Supply-Chain Visibility’ (SCV) neben Vorhersageexaktheit und Bedarfsvariabilität eine der Top-Prioritäten bei Supply-Chain-Managern. Dabei sehen wir mehrere Begriffe, die SCV beschreiben, von ‘Multi-Tier-Supply-Chain-Visibility’ (MTSCV) aus der Sichtweise der Lieferanten, von ‘Control Tower’, welcher oft in Verbindung mit Logistik verwendet wird, bis hin zu ‘End-To-End Supply-Chain-Visibility’ (E2ESCV) – ein Begriff, der den gesamten Supply-Chain umspannt. Das Ziel von E2ESCV liegt dabei im Bereitstellen von kontrolliertem Zugang und Transparenz zu richtigen, zeitlichen und kompletten Ereignissen und Daten innerhalb und über Organisationen und Services welche Supply-Chains abwickeln.

Um nun in diesem komplexen Umfeld eine E2ESCV zu erreichen, sind mehrere Sichtweisen, Datenelemente und Geschäftspartner miteinzubeziehen und grundsätzlich zwei Aktivitäten notwendig. Einerseits geht es darum die Daten zu sammeln und dann gegebenenfalls – das heißt in Ausnahmefällen – schnell und richtig zu reagieren. Wir bezeichnen dies auch als ‘Management by Exceptions’.

Die Haupttreiber für Visibilität sind dabei eine höhere Auftragserfüllungsrate, verbesserter Lieferbereitschaftsgrad, höhere Profitabilität, gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit sowie ein reduziertes Risiko. Organisationen die aktiv E2ESCV umsetzen, finden dabei folgende Vorteile: reduzierte Lagerstände, fristgerechtere Lieferungen, das Freimachen von Betriebskapital, Reduzierte Schwankungen der Durchlaufzeiten sowie optimierte Frachtkosten. Beispielhaft sind bis zu um 20 Prozent reduzierte Lagerstände, eine verbesserte Vorhersagerichtigkeit um 25 Prozent, ein signifikanter Rückgang von Rücksendungen, wesentlich konsistentere Lieferbereitschaftsgrade (um 98 Prozent), oder weniger Frachtkosten um bis zu 5 Prozent vom Volumen. Dies alles sind Fakten, die für sich sprechen und auch unabhängig vom Industriezweig gültig sind.

Aber neben einer Organisations- und Prozessanpassung bedarf es natürlich auch dem Einsatz von neuen Technologien. Und hierbei sprechen wir nicht vom klassischen ERP, sondern vielmehr von einer neuen Applikationsebene, die viele unterschiedliche Systeme, Datenbanken und Geschäftspartner intern und extern verbinden muss. Genau solche Plattformen erlauben die Zusammenarbeit und das Erreichen von E2ESCV. Am Markt existiert eine Vielzahl von Softwareanbietern die solche Plattformen anbieten, meist als ‘Cloud’-Lösungen auf Basis von Abonnements und auf Basis einer ‘Multi-Enterprise’ bzw. ‘Multi-Tanency’ Architektur.

Fassen wir zusammen: E2ESCV ist ein Attribut welches Unternehmen hilft einen höheren Reifegrad ihres Supply-Chains zu erreichen. Viele Unternehmen sind aber erst in den Anfängen dies umzusetzen. Oft wird auch versucht, diesen Überblick mit herkömmlichen ERP-Systemen zu erzielen, was jedoch falsch ist. Denn in diesem Falle geht es um Prozesse, die sich nicht innerhalb einer Organisation abspielen sondern global mit vielen Geschäftspartnern.