Harald Weimer

ist Geschäftsführer von Talend Deutschland und Vice President Sales Central Europe. Er hat über 25 Jahre Erfahrung im Vertrieb von Softwarelösungen und war unter anderem bei der USU AG und Iona Technologies tätig.

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Von Oldtimern und Innovatoren

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An eine moderne Fabel wagt sich heute silicon.de-Blogger Harald Weimer von Talend. Wenn Unternehmen es nicht schaffen, sich selbst immer wieder kritisch zu hinterfragen, wird die aber böse enden.

Wir alle wissen, dass der Übergang in das digitale Zeitalter unsere Gesellschaft wie auch die Geschäftswelt umfassend verändert. Die Zeit wird immer knapper. Die Möglichkeiten zur Interaktion mit dem Kunden haben sich vervielfacht. Das digitale Angebot bietet mehr Produktivität, stärkere Optimierung und neue Umsatzquellen – aber auch neue Risiken. Letztendlich ändert der Übergang in die digitale Welt unsere Gewohnheiten und definiert insofern auch den Technologiemarkt neu.

Niemals war die Geschwindigkeit im technischen Wettlauf größer. Eine veraltete technische Ausstattung führt zu Produktivitätseinbußen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Unternehmen gezwungen, neue Technologien schneller und häufiger als je zuvor zu übernehmen. Der wichtigste Aspekt besteht aber darin, die Erwartungen der Kunden zu verstehen. Nur so lassen sich Angebote und Botschaften anpassen, bessere Entscheidungen treffen, Prozesse optimieren, neue Geschäftsmodelle entwickeln und vieles mehr.

Technik von gestern für die Anforderungen von heute? Das klappt nicht.

Wie in jeder Epoche grundlegender technologischer Umwälzungen wird auch bei dieser vierten industriellen Revolution der eine oder andere Dinosaurier auf der Strecke bleiben. Meiner Meinung nach bestand etwa der wesentliche Grund für das Scheitern von Kodak in einer Art wirtschaftlicher Versorgungsmentalität – etwas, das unter Herstellern “proprietärer” Technologien häufiger vorkommt. Außerdem hat Kodak die sich ändernden Anforderungen seiner Kunden insbesondere in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Konformität mit Standards, Guthabentechnologien, Online-Sharing von Inhalten und so weiter schlicht ignoriert.

Everett Historical (Bild: Shutterstock)

Leider ist Kodak kein Einzelfall. Der Datenmarkt entwickelt sich derzeit rasant. Und weil die Anforderungen sich heutzutage beträchtlich von denen des ausgehenden 20. Jahrhunderts unterscheiden, müssen Unternehmen ganz andere Architekturen implementieren. Oldtimer wie Kodak, die sich weigern, Strategien aufzugreifen, die ihre Marktposition infrage stellen, sind nicht in der Lage, auf solche Veränderungen zu reagieren.

Im Zeitalter von kommerzieller Internetnutzung, selbstfahrenden Autos und Smart Citys lassen sich die Anforderungen von heute nicht mit der Technik von gestern erfüllen – und die von morgen erst recht nicht! Das liegt daran, dass veraltete Technik Innovation verhindert. Eine der wichtigsten Triebfedern für die Transformation ist die Verwendung von Daten in Echtzeit. Das heißt: Je älter die Daten, desto geringer ist ihr Wertschöpfungspotenzial. Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, Daten nur im Rückspiegel zu betrachten.

Neue digitale Lösungen werden für die Herausforderungen von morgen entwickelt, beispielsweise die Verbreitung von Empfehlungen und Werbeanzeigen in Echtzeit, Betrugserkennung oder die Antizipation von Trends. Unternehmen müssen nicht mehr nur ihre Umsätze konsolidieren, sondern unter anderem Preisgestaltung und Werbung proaktiv konfigurieren, ihre Reputation in sozialen Netzwerken im Blick behalten oder die Kundenerfahrung personalisieren.

Lösungen für datengestützte Unternehmensstrategien (Shutterstock/BeeBright).

Solche Lösungen, die Voraussetzung für datengestützte Unternehmensstrategien sind, sind integriert und offen, das heißt sie können mit anderen Anwendungen interagieren. So wird die Interoperabilität von Datensystemen und letztlich auch die Optimierung von Aktivitäten gewährleistet. Daneben setzen erfolgreiche Unternehmen auch auf native Technologien wie Big Data und die Cloud und können dadurch beträchtliche Produktivitätssteigerungen erzielen.

Diese Vorgehensweise ist extrem flexibel, also einfach zu implementieren, benutzerfreundlich und erweiterbar durch Integration neuer Komponenten. So sind solche Unternehmen auch in der Lage, ein Preismodell anzubieten, das fair, wirtschaftlich und flexibel in Bezug auf das Berechenbarkeitsbedürfnis ist. Stichwort: Abonnementmodell. Wenn Sie im eigenen Haus wohnen, zahlen Sie schließlich auch nur für den verbrauchten Strom. Dafür müssen Sie kein eigenes Kraftwerk im Keller betreiben.

Zwei Visionen im Wettstreit

Wo wir auch hinsehen, erkennen wir derzeit zwei miteinander konkurrierende Visionen: die der Innovatoren und die der Oldtimer. Innovatoren treffen auf Märkte, die jahrzehntelang von den Veteranen kontrolliert wurden – Unternehmen, die ihre Fähigkeit zur Vision heute längst verloren haben. Die Innovatoren dagegen haben sich mit erfindungsreichen und wertebasierenden Technologien etablieren können. Hier gehören Flexibilität, unkomplizierter Zugang und Kundenzufriedenheit zum Standard. Die führenden Unternehmen dieser neuen Generation – Firmen wie Amazon Web Services, Talend, Cloudera, Hortonworks, MapR, Salesforce und andere – sind Impulsgeber für andere Unternehmen. Es gehört zu ihrem Selbstverständnis, sich als perfekt positionierter Begleiter des digitalen Übergangs zu präsentieren.

Angesichts der umfangreichen Konkurrenz und der Bedeutung digitaler Angebote als Schlüsselfaktor in Sachen Leistungsfähigkeit stellt sich die Frage, ob Unternehmen tatsächlich auf altbewährte Lösungen aus der Vergangenheit setzen sollten – oder nicht vielleicht doch besser auf Innovatoren. Die Unterstützung von Oldtimern ist genauso sinnvoll wie das Beauftragen von Anbietern, die gerade aus dem Markt ausscheiden. Wenn Sie sich jedoch für Innovatoren entscheiden, erhalten Sie die Mittel, um erfolgreich zu agieren, auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb zu bleiben und zu verhindern, selbst mit in den Abgrund gezogen zu werden.

Ob Personenbeförderung, die Reisebranche oder sogar Finanzdienstleistungen: Anbieter von Big-Data- und Cloudtechnologien ärgern die Platzhirsche der vergangenen Jahrzehnte bereits jetzt kräftig – bleiben sie hartnäckig, wird vielleicht auch der letzte Dinosaurier früher oder später ausgestorben sein.