André Kiehne

ist Director Next Generation IT Sales bei Dimension Data Germany.

CloudVirtualisierung

Warum Virtualisierung sich nicht auszahlt

Unternehmen sehen sich rapide wachsenden Datenmengen und mobilen Endgeräten gegenüber. Das Rechenzentrum der Zukunft muss deshalb mehr Inhalte an mehr Geräte und auch in mehr Regionen und Länder liefern, als das bisher erforderlich war, weiß silicon.de-Blogger André Kiehne, Director Cloud Business bei Dimension Data Germany,

Virtualisierung ist hier oftmals das Mittel der Wahl, um Prozesse zu optimieren und Kosten einzusparen. Ein Versuch, der noch zu oft nach hinten losgeht.

Das Ergebnis einer Studie der International Data Corporation (IDC) macht die Problematik deutlich: 82 Prozent der Unternehmen, die ihre Serverumgebung virtualisiert haben, wünschen sich einen professionellen Partner, der diese Abläufe managt und bestenfalls sogar in eine Cloud überführt.

Die erwarteten Kosteneinsparungen können in diesen Fällen nicht realisiert werden – weil die Virtualisierung oftmals mit einer Komplexität einhergeht, auf die die Unternehmen nicht eingestellt sind.

Schlüsselkomponenten für den erfolgreichen Aufbau einer Next-Generation-IT sind Automatisierung und Standardisierung. Sind Unternehmen nicht in der Lage, Managementsysteme und Prozesse zu standardisieren, produzieren sie administrativen Mehraufwand.

Um den Anforderungen von Big Data und Mobilität gerecht zu werden, testet die IT-Abteilung verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten der unterschiedlichen Systeme – meist „auf gut Glück“ und mit unvorhersehbarem Ergebnis.

Die Integration bestehender Abläufe in eine virtualisierte Umgebung scheitert, weil die IT-Verantwortlichen noch nicht erkannt haben, dass die Planung und das operative Geschäft wichtiger werden als die technische Wartung. Sie müssen Prozesse steuern, Best-Practice-Beispiele dokumentieren und auf Basis dessen die Ablaufumgebung automatisieren – immer mit Blick auf die vorhandene Infrastruktur.

Der Fokus liegt derzeit noch viel zu sehr auf dem Aufrechterhalten des Status Quo, also von Strukturen und Prozessen, die für die Anforderungen an die Next-Genration-IT nicht geeignet sind. Im schlimmsten Fall resultiert das in erhöhten Ausfallwahrscheinlichkeiten und unerfüllten Service-Level-Agreements – also unzufriedenen Kunden.

Die Integration von modernen Dienstleistungen und Tools sowie die Einbettung von neuen Prozessen in bestehende Strukturen bedeuten also – wenn sie nicht zielgerichtet umgesetzt werden – unnötigen Mehraufwand. Auch Virtualisierung macht da keine Ausnahme: Die Vorteile kommen nicht zum Tragen, weil Unternehmen mit dem Management überfordert sind; qualifizierte Ressourcen werden vergeudet.

Unternehmen müssen ihre Kräfte vielmehr darauf konzentrieren, die Rechenzentrumsinfrastruktur zu standardisieren und das Umgebungsmanagement zu vereinfachen – mit operativem Know-how oder einem verlässlichen Partner.

  1. So genial die Möglichkeiten auch sein können, die die verschiedenen Virtualisierungslösungen zu bieten haben – die von inzwischen nicht wenigen als eine Art “Allheilmittel” beworbene und angebotene Virtualisierung kann, in der leider allzu oft allzu selbstverständlich eingesetzten Form, immer seltener echte Potentiale freimachen, die nicht allein beim Hard- und Softwareanbieter liegen.

    Der Trend, eine Virtualisierungslösung als non plus ultra zu betrachten und quasi “flächendeckend” – ohne Betrachtung der zu virtualisierenden Landschaft und ohne kompetenten Vergleich mit anderen Produkten/Lösungen – einzuführen/-setzen bringt fast immer Mehrkosten für Managementoverhead und meist auch Hardware und die Vorteile der erhofften Flexibilität in der Ressourcenzuteilung relativieren sich schnell an den vorhandenen Bottlenecks, deren Nichtskalierbarkeit bei fast allen Virtualisierungskonzepten unter den Tisch fallen gelassen werden oder schlicht unbeachtet bleiben.

    Der “Umzug” in eine Cloud verschiebt lediglich die Aufgabenstellung an einen Dritten, der aber fast immer selbst nichts davon weiß und schon mangels Detailkenntnissen zur zu virtualisierenden Landschaft keine geeignete Position hat, hier tatsächlich bessere, weil effektivere Lösungen / Strukturen zu schaffen. Aus diesen Gründen übernehmen Cloudanbieter auch keine Garantien zu Applikationsverfügbarkeiten und deren Performanz, was nicht selten dazu führt, das die Migration in die Cloud faktisch einem erfolglosen Versuch der organisierten Verantwortungslosigkeit entspricht, der nur mit sehr viel Glück ein Schritt vorwärts sein kann, aber oft, und das ohne genauer hinschauen zu müssen, im Gegenteil resultiert.

    Und so sieht man einmal mehr Hype um Hype am Horizont aufziehen – von VMware bis hin zum “neuesten Schrei” Docker – und wundert sich später, warum sich doch nicht das versprochene Heilmittel dahinter verbarg, just in dem Moment, wo der nächste Hype dies von sich behauptet.