Hartmut Thomsen

ist seit Sommer 2012 Geschäftsführer der SAP Deutschland SE & Co. KG

MarketingSoziale Netze

Was Unternehmen von Pokémon Go lernen können

1 0 Keine Kommentare

Was ist los in Deutschland, fragt sich Hartmut Thomsen, Geschäftsführer der SAP Deutschland, in seinem aktuellen Blog für silicon.de. Überall in Dörfern und Städten wandern Menschen allein oder in Gruppen herum und sind auf der Suche. Für Thomsen ist das ein Lehrstück zu Augmented Reality.

Pokémon Go ist überall! Die App findet reißenden Absatz. Natürlich ist es ein Hype, aber Pokémon Go steht auch für den Einblick in eine Welt, in der das volle Potenzial virtueller Realität ausgeschöpft wird – und zwar nicht nur von Experten der IT-Branche, sondern von der breiten Masse.

Spieltrieb und Jagdfieber ebnen den Weg

Pokémon Go verlangt vom Spieler, versteckte digitale Kuschelmonster zu fangen und zu trainieren. Sie können sich überall im Umfeld des Spielers befinden und werden damit zum Teil der realen Welt. Mittels GPS und Smartphone-Kamera bewegt sich der Spieler gleichzeitig in der physischen und der virtuellen Realität, die von verborgenen Pokémons nur so wimmelt. Beide Welten überlagern sich und werden eins.

Mit bislang 75 Millionen Downloads weltweit ist der Siegeszug von Pokémon Go in jeder Hinsicht bemerkenswert. Was aber ist das Geheimnis des Spiels?

(Bild: Übergizmo.de)
(Bild: Übergizmo.de)

Zum einen appelliert Pokémon Go an die Nostalgie der Millennials und weckt Erinnerungen an die Tage der Gameboys und Sammelkartenspiele. Zum anderen mobilisiert es den Jagd- und Sammeltrieb. Ganz ohne Risiken ist die Schatzsuche 4.0 leider nicht. In den USA sind Suchende bereits von Klippen gestürzt, und auch die Sicherheit der persönlichen Daten ist keineswegs garantiert. Mittels eines Virus konnten sich clevere Online-Betrüger bereits Zugang zu den E-Mail-Accounts einiger Spieler verschaffen.

Ist Augmented Reality bald Standard?

Pokémon Go wird aber nicht nur von Verbraucherschützern beobachtet, sondern vor allem von jenen Unternehmen, für die die virtuelle Realität Geschäftschancen bietet.

Zu ihnen gehört auch SAP. Nach Ansicht von CEO Bill McDermott werden Virtual Reality, künstliche Intelligenz und Machine Learning das Geschäftsleben gründlicher verändern, als es die meisten anderen Technologien jemals vermocht haben.

pokemon-go-aufmacher

Bereits Anfang des Jahres hat SAP einen Meilenstein bei der Integration von virtueller und analoger Welt gesetzt. Beim amerikanischen Super Bowl 50 konnten die Besucher in unserer Fan Energy Zone an einem interessanten Experiment teilnehmen: Bei der so genannten Quarterback Challenge bekamen sie ein Oculus VR Headset und schlüpften selbst in die Rolle eines NFL-Quarterbacks.

Sie konnten Trainingseinheiten absolvieren, Pässe üben und ihr Team in einem realistischen Ambiente zum Sieg führen. Eine spezielle Technologie zur Blickerfassung erlaubte die Auswahl des Spielers, der den Pass bekommen sollte, während Sensoren an den Händen für das richtige Timing und eine angemessene Wurfstärke sorgten.

Bereit, den Poké-Ball in Ihr Unternehmen zu werfen? (Bild: ZDNet.com)
Bereit, den Poké-Ball in Ihr Unternehmen zu werfen? (Bild: ZDNet.com)

Das spielerische Moment ist für SAP jedoch nur eine Stufe zu den eigentlichen Geschäftspotenzialen der Virtuellen Realität beziehungsweise der Augmented Reality, also der Verschmelzung beider Welten. So kann die mobile App SAP AR Warehouse Picker zum Beispiel in Verbindung mit einer entsprechenden Datenbrille die Arbeitsprozesse in Warenlagern erheblich vereinfachen und beschleunigen. Keine Scanner, keine Zusatzgeräte – der Mitarbeiter hat stets beide Hände frei und sein Ziel im wahrsten Wortsinn “vor Augen”.

Pokémon Go zeigt, daß Augmented Reality ein riesiges Publikum erreichen kann. Was heute noch eine Nische ist, kann morgen schon Mainstream sein. Und dann wird sich erweisen, auf welche Art und Weise die Unternehmen aus den neuen Möglichkeiten Kapital schlagen können.