John Newton

John Newton ist Gründer und Chief Technology Officer von Alfresco und ist einer der Pioniere des Enterprise-Content-Management (ECM). Der Berkeley-Absolvent zählt zu den Gründern des Content-Management-Spezialisten Documentum und war in der Gründungsmannschaft des Datenbank-Spezialisten Ingres.

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Wie sieht ein wirklich Digitales Unternehmen aus?

Allein die Investition in BYOD, Cloud-Speicher oder Big Data reichen nicht aus, um bei der digitalen Revolution in der ersten Riege mitzumischen, versichert Alfresco CTO John Newton. Die Tatsache, dass die Produktivität seit Jahren stagniert oder Rückläufig ist, gibt ihm leider recht.

Technologie ist das Herzstück eines Digitalen Unternehmens. Sie beeinflusst wesentlich, wie man Umsatz generiert, Wettbewerbsvorteile nutzt und Mehrwert schafft. Wenn ein Digitales Unternehmen diesen Namen wirklich verdient, wirkt sich das unmittelbar auf die Arbeitsweise jedes einzelnen Mitarbeiters aus und beeinflusst, wie Unternehmen in Zukunft ihre Geschäfte führen werden.

Manche werden denken: “Sind wir nicht bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ein Digitales Unternehmen?” – Nun ja, wahrscheinlich nicht. Damals bezeichnete sich bereits jeder, der eine E-Commerce-Website hatte, als “Digitales Unternehmen”. In den Augen der Analysten von Gartner ist “ein Digitales Unternehmen jedoch nicht das zehn Jahre alte Konzept von E-Business im neuen Kleid. Es handelt sich um einen ganz anderen und wesentlich tiefgreifenderen Umbruch.”

Wirklich Digitale Unternehmen verändern ihre Einstellung zu Technologie und wie sie damit arbeiten. Technologie spielt nicht mehr nur eine Nebenrolle, sondern unterstützt das Unternehmen aktiv. Es herrscht jedoch offensichtlich noch keine Einigkeit darüber, wie sich das Digitale Unternehmen definiert. Folglich hat niemand einen klaren Plan für den Weg dorthin.

Stattdessen können wir beobachten, dass vom elektronischen Sign-In über BYOD und Cloud Storage bis hin zu Big Data Analytics wirklich alles als die bahnbrechende Neuerung angepriesen wird, die die Digitale Revolution vorantreibt. Ein echtes Digitales Unternehmen ist jedoch weit mehr als nur einzelne IT-Programme: Es ist die Verschmelzung dieser digitalen Elemente mit dem Ziel, einen organisatorischen Wandel herbeizuführen sowie die Effizienz und die Produktivität zu steigern.

Wie aber geht man den digitalen Wandel am besten an? Die Unternehmensberatung McKinsey glaubt, dass Unternehmen zunächst den potenziellen Nutzen dieser Veränderung für sich selbst definieren sollten. Anschließend sind die Prioritäten festzulegen. “Sie müssen vor allem wirklich verstehen, wo ihnen Digitalität am meisten nutzt. Im Marketing? Oder im Vertrieb? Besteht er in der Automatisierung von Prozessen und Abläufen oder in einer Kombination all dieser Elemente? Im zweiten Schritt müssen sie Schwerpunkte setzen. Innerhalb des digitalen Portfolios stehen immer viel zu viele Dinge an, und es ist wichtig, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die wirklich zählen.”

McKinsey sieht den Vorteil von Digitalen Unternehmen vor allem in der Kostensenkung: Arbeitsintensive Aufgaben werden durch Software unterstützt und deutlich erleichtert, zum Teil auch vollständig automatisiert. Dadurch steigt die Produktivität der Mitarbeiter.

Produktivität ist für Unternehmen im digitalen Umfeld ein wichtiges Thema. Ende des 20. Jahrhunderts waren die Produktivitätszuwächse wesentlich höher als heute. Die US Federal Reserve hat tatsächlich festgestellt, dass das Produktivitätswachstum während des 21. Jahrhunderts rückläufig ist. IT-Investitionen haben diesen Trend nicht umkehren können.

In Europa ist die Produktivität völlig festgefahren, in manchen Bereichen sogar rückläufig. Das führt dazu, dass einige Volkswirtschaften vor einer Deflation stehen. Geschäfts- und Betriebsmodelle des 20. Jahrhunderts können nicht mehr mit dem exponentiellen Wachstum an Information, Aufgaben und Geschäftskontakten mithalten. Leerlauf- und Ad-hoc-Prozesse zerstören die Möglichkeiten und den Spielraum, produktiv zu arbeiten, schneller als Mitarbeiter gegensteuern können.

Digitalen Unternehmen setzen Technologie ein, um Wettbewerbsvorteile zu erringen – diese Ansicht ist weit verbreitet. Doch es ist unmöglich, einen Wettbewerbsvorteil aufzubauen und zu sichern, wenn das Unternehmen nicht produktiv arbeitet. Um die Produktivität in Schwung zu bringen, ist mehr nötig, als einfach nur hier und da neue Prozesse hinzuzuaddieren. Unternehmen müssen sich und ihre Arbeitsweisen stattdessen grundlegend neu organisieren. Das gilt sowohl für das Unternehmen als Ganzes als auch für den einzelnen Mitarbeiter. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, unnötigen “Papierkram” und übermäßig komplizierte Workflows durch die Digitalisierung und automatisierte Zusammenarbeit zu eliminieren.

In einem echten Digitalen Unternehmen verschmelzen Informationen, Prozesse, Arbeit und Menschen so miteinander, dass die gesamte Organisation effizienter und effektiver zusammenarbeiten und dadurch wertvollere Produkte und Dienstleistungen anbieten kann. Werkzeuge, die dazu gemacht sind Produktivität zu fördern und zu unterstützen – etwa Lösungen für Enterprise Content Management und Prozessmanagement-Plattformen – können hier einen wichtigen Beitrag leisten. Und sie werden maßgebliche Auswirkungen auf unser Leben als “Kopfarbeiter” haben.

Ein echtes Digitales Unternehmen ist ökonomisch wesentlich effizienter als andere. In einem Digitalen Unternehmen muss digitale Technologie genau da ansetzen, wo die Stärken des Unternehmens liegen, wo es Umsatz generiert, Wettbewerbsvorteile schafft und Mehrwert produziert. Ein wirklich Digitales Unternehmen stellt eine wesentlich extremere Revolution dar als die bisherigen Technologie-getriebenen Veränderungen. Es wird umfassende Auswirkungen auf die Arbeitsweisen von morgen haben: die jedes einzelnen und des Unternehmens als Ganzes.