Gerhard Schlabschi

verantwortet als Director Systems, Technology & Cloud Computing bei Oracle EMA den Bereich Competetive Intelligence.

CloudRechenzentrum

Zukunftsfähigkeit im digitalen Zeitalter – und im Datencenter

Mit dem Aufbau neuer Datacenter in Deutschland mischen US-Anbieter immer wieder den Blätterwald auf. Eine Schlagzeile wäre jedoch vor allem das wert, was dahintersteht, meint Gerhard Schlabschi in seinem neuen silicon.de-Blog.

Erst kürzlich ist Oracle mit seiner News zum Ausbau seiner IaaS-Infrastruktur in Deutschland und neuen Cloud-Angeboten an die Öffentlichkeit getreten. Das Angebot wächst somit, und zwar in diesem Fall für Kunden aus der gesamten EU. Auch andere US-amerikanische Softwareanbieter sind bereits den Weg über lokale Datencenter und Partnerschaften beispielsweise mit der Telekom gegangen, um den in punkto Datenschutz sensiblen Kunden adäquate Angebote machen zu können.

Deutsche Cloud (Bild: Shutterstock)

Wo ist also die News? Die liegt zum einen in der speziellen Architektur des neuen Oracle Data Center: Dabei werden im Großraum Frankfurt drei Standorte, so genannte Availability Domains (Ads) eingerichtet, die sowohl intern als auch untereinander mit extrem hoher Bandbreite und sehr niedriger Latenz vernetzt sind. Diese ADs arbeiten vollständig unabhängig voneinander, was maximale Ausfallsicherheit und hohe Verfügbarkeit für Cloud-basierte Anwendungen garantiert. Was so technokratisch klingt, ist letztlich eine Grundvoraussetzung für Anwendungen insbesondere kritischer Art, von deren reibungslosem Funktionieren viel abhängt – man denke nur einmal an Mobility-Konzepte und Systeme zur Energieversorgung.

Die genannten Rechenzentren bieten nicht nur ein bisher nie dagewesenes Level an Performance, sie sind – und das ist die zweite wichtige News – darüber hinaus auch optimal geeignet um den Rohstoff zu verarbeiten, den der Economist erst kürzlich mit “the most valuable resource” bezeichnet hat: Daten! Lange Zeit waren diese nur ein Nebenprodukt des Kerngeschäfts, aber seitdem digitale Player wie Airbnb und inzwischen auch traditionelle Automobilanbieter wie Daimler oder BMW vorgemacht haben, wie sich damit neue Geschäftszweige aufbauen und schnell ganze Märkte beherrschen lassen, werden sich zunehmend mehr Unternehmen des Wertes ihrer Daten bewusst.

Und das ist erst der Anfang: Laut einer Studie von IDC wird bis 2025 jeder Mensch auf der Welt mit Internetzugang im Schnitt 4.800-mal pro Tag mit vernetzten Geräten interagieren. Zudem wird bis 2025 über ein Viertel der erzeugten Daten aus Echtzeit-Daten bestehen, und davon wiederum 95 Prozent aus dem IoT. “Material” ist also in Hülle und Fülle vorhanden, allerdings sind heutige Infrastrukturen nicht ansatzweise den auf uns zukommenden Datenmengen gewachsen. Die wachsende Zahl an Hackerangriffen macht zudem deutlich, dass Daten zuverlässig gesichert werden müssen, um sie gewinnbringend für wichtige Entscheidungsprozesse und Dienstleistungen nutzten zu können.

Nichts wird “smart” ohne die Cloud

Die Kreativität bei der smarten Nutzung von Daten für datengetriebene Geschäftsmodelle ist bereits heute fast grenzenlos: Autonomes Fahren, Smart City-Anwendungen, vernetzte Fabriken oder auch intelligente Supply Chains produzieren nicht nur extrem große Mengen an Daten, sondern erfordern auch einen kontinuierlichen und sicheren Betrieb. Auch Systeme für künstliche Intelligenz können nur auf der Grundlage fortwährender Analysen großer Datenmengen wirklich lernen und weiterentwickelt werden.

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Effektive Meeting-und Kollaboration-Lösungen

Mitarbeiter sind heute mit Konnektivität, Mobilität und Video aufgewachsen oder vertraut. Sie nutzen die dazu erforderlichen Technologien privat und auch für die Arbeit bereits jetzt intensiv. Nun gilt es, diese Technologien und ihre Möglichkeiten in Unternehmen strategisch einzusetzen.

Diese Datenmengen und die damit verbundenen Sicherheitsanforderungen überfordern jedoch die allermeisten herkömmlichen on-premise-Strukturen. Verkehrssteuerungssysteme oder die Energieversorgung lahmgelegt – das wäre für unsere Vorstellung der GAU. Deshalb sind diese (und andere) digitalen “Mammutprojekte” ohne die Cloud nicht denkbar. Egal ob Connected Cars, Smart Homes oder Smart Cities: die digitale Zukunft erfordert zuverlässige, sichere und belastbare Infrastrukturen – aber auch die richtigen Anwendungen, um für die unterschiedlichsten Zwecke und Geschäftsbereiche aus den riesigen Datenmengen am Ende auch Mehrwerte zu generieren.

Was Unternehmen brauchen – und was nicht….

Soweit, so einleuchtend: Auch im bislang eher Cloud-skeptischen Deutschland weicht die grundsätzliche Ablehnung inzwischen Fragen zur konkreten Umsetzung. Und da stellt sich die Frage, wie der Weg in die Cloud von Unternehmen aussehen sollte. Meine persönliche Erfahrung:

  • Der Weg in die Cloud sollte möglichst einfach und aufwandsarm sein: Idealerweise stellt sich die Cloud dar wie ein eigenes Rechenzentrum, mit kompatibler Netzwerk- Infrastruktur und hochwertigen Cloud Services, die es erlauben, klassische Rechenzentrums-Routineaufgaben zu standardisieren. Auch ein Upgrade zu mehr Datacenter Performance wird in der Regel sehr geschätzt.
  • Mehr und mehr Unternehmen wünschen sich außerdem einen fließenden Übergang in die Cloud. Hier hat Oracle unter anderem mit seinem Angebot Cloud@Customer vorgelegt, mit dem sich Kunden die Oracle Public Cloud ins eigene Rechenzentrum holen können.
  • Last but not least fordert nicht nur die Digitalisierung, sondern auch der Gesetzgeber ein modernes Datenmanagement ein – Stichwort EU-Datenschutzgrundversorgung oder PSD2. Die viel zitierte “Data Jurisdiction” wird letztlich viele Unternehmen dazu bewegen, ihre Daten und Anwendungen in die Cloud zu verlagern, um rechtskonform zu agieren.

Was Unternehmen hingegen überhaupt nicht brauchen:

  • Cloud-Lösungen, die neue Silos errichten statt beseitigen – also beispielsweise IaaS-Lösungen anbieten, und bei SaaS passen müssen. Je mehr Speziallösungen für individuelle Themen integriert werden müssen, desto höher die Komplexität, die doch eigentlich beseitigt werden sollte.
  • Auch alternativlose Cloudangebote sind selten erwünscht. Um ein Cloud Vendor- Lockin zu vermeiden, setzen Kunden daher meist auf Technologien, die auf mehreren Plattformen laufen können. Eine Anforderung bei der nahezu alle “Born-in-the-Cloud”-Anbieter passen müssen.

Die Entwicklung Richtung datengetriebene Geschäftsmodelle hat unübersehbar Fahrt aufgenommen und lässt – analog zur Cloud – auch einen stufenweisen Einstieg zu: So können Unternehmen zunächst auf Basis von Daten ihre Prozesse optimieren, dann neue Services entwickeln und schließlich neue intelligente Produkte und Lösungen oder komplett neue Geschäftsmodelle entwickeln. Was Organisationen dafür brauchen, sind verlässliche Infrastrukturen, die diesen Weg mitgehen, aber auch neue Tools, mit denen sich Innovationen schnell und zielgerichtet umsetzen lassen. Und genau dafür schaffen die neuen Rechenzentren von Oracle in Deutschland die notwendigen Voraussetzungen. Deutsche Unternehmen und Organisationen (ja, auch der öffentliche Sektor befindet sich im digitalen Wandel) nutzen in zunehmenden Umfang ihre Daten zur Transformation ihrer Geschäftsmodelle und gehen daran, ihre digitalen Konzepte umzusetzen. Man darf gespannt sein, was alles daraus wird!

ist Director Systems, Technology & Cloud Computing bei Oracle und seit mehr als 25 Jahren in verschiedenen Fach- und Führungspositionen in der IT-Branche tätig. Der Diplom-Informatiker startete als Software-Entwickler bei Siemens Defense Systems, gründete mit anderen den Internet-Bereich der Siemens Nixdorf, um dann mehrere Management-Posten bei Sun Microsystems zu besetzen. Mit der Übernahme durch Oracle kam Schlabschi in verschiedene EMEA Management-Positionen unter anderem im Bereich Engineered Systems und Datenbanken. Heute ist er in der weltweiten Oracle Cloud-Organisation für den Bereich Competitive Intelligence in EMEA zuständig.