Dr. Clemens Plieth

ist Managing Director Service Delivery bei Pironet NDH Datacenter. Virtualisierung, Storage, Rechenzentren und Netzwerke sind seine Spezialgebiete.

CloudCloud-Management

Zwischen Technikskepsis und Hightech-Gläubigkeit

Der technische Fortschritt bringt erhebliche Erleichterungen mit sich – und sorgt gleichzeitig für große Ängste und Irritationen. Immer schneller scheint sich das Rad in immer kürzeren Innovationszyklen zu drehen, insbesondere in der IT- und TK-Branche. Mehr Gelassenheit und weniger Aufregung können da nicht schaden, meint Dr. Clemens Plieth.

Zwischen Technikskepsis und Hightech-Gläubigkeit

“Vorsprung durch Technik” war und ist einer der erfolgreichsten Werbeslogans hierzulande. Das Vertrauen in die Fähigkeiten der hiesigen Autobauer scheint unerschütterlich – ganz im Gegensatz zur IT- und TK-Industrie, die nach den Überwachungsskandalen und beinahe täglichen Enthüllungen über neu aufgetauchte Sicherheitslücken wieder einmal eine Vertrauenskrise durchlebt. Droht uns eine neue Welle von Technikskepsis?

Das Gefühl, der (IT-)Technik ohnmächtig ausgeliefert zu sein, verstärkt
sich mit den immer kürzer werdenden Abständen, in denen neue Hightech-Anwendungen auf den Markt kommen. Und dies betrifft längst nicht mehr nur die IT- und TK-Industrie, sondern viele Gerätschaften des täglichen Gebrauchs in Küche und Keller, bei der Arbeit und im Auto, in denen eingebettete Software im Spiel ist. Die Entwicklung scheint sich rasend zu beschleunigen und lässt manche ratlos – und andere rasend vor Wut – zurück.

Aber war das nicht schon immer so? Zunehmende Automation ist stets sowohl mit Sicherheitsbedenken verbunden als auch mit der Angst vor Rationalisierungen – sprich, dem Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen. Beispielsweise rief in Deutschland vor über 30 Jahren die flächendeckende Einführung von Geldautomaten und -karten immense Bedenken hervor. Inzwischen möchte trotz immer noch aktiver Kartenbetrüger kaum mehr jemand darauf verzichten, rund um die Uhr Geld abheben zu können – wenn er oder sie nicht ohnehin schon bargeldlos bezahlt. Und die Ausbildung zum Bankkaufmann ist nach wie vor sehr gefragt, nicht zuletzt, weil Arbeitsplätze in dieser Branche weiterhin als zukunftssicher gelten.

Ein anderes Beispiel: Die Verbreitung von elektronischen Lesegeräten ließ große Befürchtungen um die Zukunft von (gedruckten) Büchern, Buchhandel, Verlagen aufkommen; das Kulturgut Buch an sich schien bedroht. Inzwischen bieten immer mehr Buchhandlungen selbst die Lesegeräte und elektronischen Bücher an, und einige Autorinnen und Autoren haben es tatsächlich geschafft, durch diese einfache Art des Publizierens via E-Book ein zahlungswilliges Lesepublikum zu finden. Offensichtlich bedeuten Kindle & Co. doch nicht automatisch den Tod der Literatur.

Das Smartphone als Universalgerät – allgegenwärtige Mobilfunktechnik

Einer der neusten Schreie in der Geschichte der Automation ist die Verwendung des Smartphones als elektronischer Türöffner für Haus und Wohnung. Für Nutzer von Mietwagen dürfte dies nichts Überraschendes oder Besonderes sein, und wer häufig in Hotels übernachtet, hat sich an die “Vorstufe” Schlüsselkarte längst gewöhnt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Schlüsselbund in der Hosentasche sich immer weiter ausdünnt und elektronische Türöffner in Häusern und Wohnungen einmal zum Standard werden, ist ziemlich hoch.

Cloud - Red Sky (Bild: M. Schindler)

Mobilfunktechnik wird im Übrigen schon bald ein im wahrsten Sinne des Wortes fester Bestandteil von Kraftfahrzeugen sein. Denn ab 2015 sind laut einer EU-Verordnung in jeden Neuwagen SIM-Karten für das Notrufsystem eCall zu verbauen, die das Auto automatisch zum Mobilfunkteilnehmer machen. Auch verteilen erste Unternehmen bereits vertrauliche Dokumente wie Gehaltsabrechnung nicht mehr per Postbrief, sondern legen sie Mitarbeitern in eine sichere virtuelle Postbox, die sich übers Internet oder per Smartphone-App einsehen lässt.

Die Adaption all dieser Techniken dürfte einigen Menschen anfangs Kopfzerbrechen bereiten. Angesichts der Beschleunigung und Überflutung mit täglich neuen, tatsächlichen und vermeintlichen Innovationen ist es gar nicht so einfach, einen kühlen Kopf zu bewahren und eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Doch Chancen, Risiken und Nutzen von Technologien buchstabieren sich immer individuell: Nicht jeder braucht alles.

Und dies gilt für Organisationen und Unternehmen ebenso wie für Einzelpersonen – was uns zu unserem Lieblingsthema führt: der Cloud. Auch sie ist lange vorwiegend mit Skepsis und Misstrauen beäugt worden. Doch in jüngster Zeit mehren sich die Anzeichen, dass Cloud-Lösungen die Hemmschwelle der Anwender überschritten haben, wenn man die Überschriften neuerer Artikel in Fachpublikationen zu Rate zieht.

Auf dem Weg zur Überwindung der Cloud-Skepsis

“Welche Wolke darf’s denn sein?” fragte jüngst eine große deutsche Tageszeitung in einer Sonderrubrik zum Thema Technologien – und wies damit zu Recht darauf hin, dass Cloud nicht gleich Cloud ist. Eine Cloud-Lösung nützt nur etwas, wenn sie den Bedarfen des Anwenders entspricht und ein entsprechendes Customizing zulässt. “Cloud Computing wird zu Enterprise Computing“ ist der Beitrag eines Forrester-Analysten betitelt, der hybrides Cloud Computing als „neue Form des Enterprise Computing“ beschreibt. „Cloud Computing wird erwachsen“ lautet die Überschrift für einen Bericht über die Cloud Computing & Virtualisierung Technology Conference 2014, und einen Titel wie „Cloud-Nutzung bringt Mittelstand spürbar voran“, der auf eine aktuelle Studie der Aberdeen Group referenziert, liest man natürlich besonders gern, weil er den Nutzenaspekt der Technologie betont.

Demnach ist zu hoffen, dass sich zwischen Ablehnung und Angst auf der einen und kritikloser Technikgläubigkeit auf der anderen Seite die praktische Vernunft als gesunder Mittelweg durchsetzt. Das gilt für die Einsatzszenarien von Smartphones genauso wie für die Nutzungsmöglichkeiten der Cloud.