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Freitag, 19. März 2010 | 16:27 Uhr
CIO
Strategie & Management

Einkaufen mit Schäubles Fingerabdruck?

Lutz Poessneck
|
Montag, 31. März 2008, 13:18 Uhr

Der Chaos Computer Club (CCC) hat in der neuen Ausgabe der Vereinszeitschrift 'Die Datenschleuder' einen Fingerabdruck von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) veröffentlicht. Dieser könne etwa zum Einchecken am Flughafen oder zum Einkaufen genutzt werden, hieß es. silicon.de hat nachgefragt.

Die Zeitschrift enthält nicht nur eine Folie mit dem Fingerabdruck Schäubles, sondern auch eine Anleitung dafür, wie dieser zu kopieren ist. Nach Angaben des CCC muss man dafür Holzleim auf die Folie auftragen und trocknen lassen. Dann wird die Leimschicht abgezogen und auf die Fingerkuppe geklebt. Damit könne man dann Fingerabdruck-Scanner überlisten – etwa an Flughäfen oder in Supermärkten. Der Fingerabdruck ist auch online verfügbar.

Die Fälschung eines Fingerabdrucks erfordere "sehr viel kriminelle Energie", sagte dazu ein Sprecher des Biometrie-Unternehmens Kaba gegenüber silicon.de. Sie sei nicht so einfach durchführbar. Ob die Fälschung funktioniere, hänge von vielen Faktoren ab, darunter von der Qualität des zu fälschenden Fingerabdrucks. Die Bundesdruckerei – Herstellerin von Personalausweisen und Reisepässen – wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Die Vorgänge fielen in die Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums, sagte eine Sprecherin.

Vom CCC hieß es, man habe den Fingerabdruck veröffentlicht, um der bisher eher abstrakten Debatte um die "biometrische Kompletterfassung" der Bundesbürger eine konkretere Form zu geben. Jeder Bürger müsse sich ein Fingerbild für den Reisepass und bald für den Personalausweis abnehmen lassen. Die Fingerabdruck-Biometrie sei jedoch nicht so sicher, wie die Politik beteuere.

"Die Verwendung von Fingerabdrücken zur Identifizierung von Bürgern ist ein technischer und sicherheitspolitischer Irrweg, der so schnell wie möglich beendet werden muss", sagte CCC-Sprecher Dirk Engling. Der Bundestag sei aufgefordert, das Biometrie-Pass-Experiment schleunigst zu beerdigen.

"Wenn unsere Überwachungspolitiker auch privat meinen, was sie öffentlich vertreten, sollten sie kein Problem damit haben, ihre biometrischen Daten publiziert zu sehen." Das Bundesinnenministerium habe bei der Einführung biometrischer Pässe behauptet, dass zwischen Bildern des Gesichts und Bildern der Finger in Sachen Schutz der Privatsphäre im Wesentlichen kein Unterschied bestehe.

Schäuble selbst gab sich nach Angaben der Wochenschrift "Die Zeit" von der Aktion des CCC unbeeindruckt. Sie habe ihn "kalt gelassen", sagte er. "Mein Fingerabdruck ist kein Geheimnis, den kann jeder haben. Ich habe nichts zu befürchten."

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