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CIO / CEO
Wirtschaft

Vorwurf: Google setzt Chinas Bürger auf "Informationsdiät"

silicon.de
|
Freitag, 27. Januar 2006, 16:40 Uhr

Der neue Dienst des Suchmaschinengiganten, Google.cn, filtert mehr Webseiten als die Konkurrenten MSN oder Yahoo.

Den Spagat den Goolge beim neuen Webauftritt in China zwischen Anwenderinformation und Konformität mit den lokalen Gesetzen wagen wollte, fällt derzeit sehr deutlich zu Gunsten der Zensoren in Peking aus. Der neue Dienst filtert mehr Webseiten als die Konkurrenten MSN oder Yahoo.

Nicht nur Seiten von Menschenrechtsbewegungen oder anderen regimekritischen Web-Auftritten, sondern auch Witzseiten, Aufklärungsportale für Jugendliche oder Homosexuelle, Herstellerseiten von Alkoholika wie Jack Daniels oder Guinness fallen Googles vorauseilendem Gehorsam zum Opfer.

Anders, als das Unternehmen bei der Ankündigung des neuen Suchportals versicherte, finden sich zudem keine Hinweise, dass Suchanfragen von den Filtern des chinesischen Suchdienstes zensiert wurden.

Jedoch nicht nur von China aus zensiert Google seinen Dienst. Auch mit den höchsten Sicherheitseinstellungen und gesperrten Cookies gelangt man nicht auf das chinesische Google-Portal, sondern wird entweder zu Google.com oder Google.de umgeleitet. Eine Anfrage von silicon.de dazu an Google Deutschland blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Wie US-Medien berichten, hat Google.cn beispielsweise die gesamte Domäne der Universität Pennsylvania gesperrt, weil auf den Schulservern eine Seite der Falun Gong Bewegung gehostet wurde. Eine Seite des Region Essex kann von China, wegen der Buchstabenfolge 'sex' wie viele andere nicht erreicht werden. Selbst den Konkurrenten MSN Search verbannt Google.cn aus den Suchergebnissen. 

Vielleicht, weil die Konkurrenz bei Microsoft weniger strickt Ergebnisse abblockt. Ein Google-Sprecher erklärte, dass man noch Anlaufsschwierigkeiten mit den Filtern habe, im Laufe der Zeit sollten diese jedoch behoben werden. So wurde beispielsweise Budweiser.com wieder freigegeben, andere Biermarken stellt das Portal hingen nicht dar.

Offenbar muss der Marktführer unter den Suchmaschinen für China sehr strenge Auflagen erfüllen. Beim Start des chinesischen Dienstes, erklärte das Unternehmen, man wolle den Bürgern Chinas mehr Zugang zu Informationen verschaffen und dennoch den Gesetzen der Volksrepublik Folge leisten.

Einen Rückschritt für die freie Rede in China nennt Mickey Spiegel, ein Sprecher der Organisation Human Rights Watch, Googles Strategie in US-Medien. "Dadurch wird die chinesische Bevölkerung mehr und mehr die Fähigkeit einbüßen, über bestimmte Themen eine eigene Meinung zu bilden. Diese Menschen bekommen eine Art Informations-Diät verordnet, die ihre Sichtweise auf die Welt einfärben wird."

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