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CIO / CEO
Wirtschaft

SAP setzt Léo Apotheker ab

Martin Schindler
|
Montag, 8. Februar 2010, 10:44 Uhr

Völlig überraschend kam am Sonntag die Nachricht aus Walldorf, dass der SAP-Chef Léo Apotheker von seinem Posten zurücktreten werde. Europas größter Softwarekonzern wird künftig wieder eine Doppelspitze, bestehend aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe, haben.

Nach nur zwölf Monaten im Amt und nach neun Monaten als alleiniger Kagermann-Erbe tritt Apotheker als Chef von SAP ab. Er muss seinen Posten mit sofortiger Wirkung an den SAP-US-Chef Bill McDermott und den Leiter der Produktentwicklung Jim Hagemann Snabe abtreten. Der Aufsichtsrat habe den Vertrag einvernehmlich nicht verlängert, teilt SAP trocken mit. Man danke Apotheker aber für seine Leistungen, die er für SAP in den 20 Jahren seiner Unternehmenszugehörigkeit erbracht habe.

Es hat zwar schon im Vorfeld Kritik an Apotheker gegeben, jedoch ist bislang niemand auf die Idee gekommen, ernsthaft seinen Rücktritt auch nur in Betracht zu ziehen. Zu wenig Kundennähe und ein wenig auf Teamarbeit ausgelegter Führungsstil wurden Apotheker zur Last gelegt.

Doch mit Apothekers Absetzung kann SAP gleich auch einen Schlussstrich unter dem Projekt obligatorischer Enterprise Support ziehen. Diese Idee stammt noch aus einer Zeit, als ein unerschütterlicher Henning Kagermann das Ruder in Walldorf in den Händen hielt, doch jetzt muss Apotheker die Rechnung zahlen.

Léo Apotheker
Léo Apotheker muss als SAP-Chef abtreten. Nur neun Monate hielt er sich alleine im Amt. Die Doppelspitze, die bei Kagermann und Apotheker lediglich eine Interimslösung war, wird jetzt wohl dauerhaft mit dem US-Chef Bill McDermott und dem Entwicklungschef Jim Hagemann Snabe installiert.
Foto: CBS Interactive

Vor einigen Wochen führte SAP den Standard Support wieder ein, nachdem das obligatorische Modell bei Anwendern und Anwenderverbänden auf erbitterten Widerstand gestoßen war. Der Widerstand war aber nicht das vorrangige Problem. Obwohl der Umgang mit den Kunden in dieser Sache SAP den Ruf einbrachte, die Bodenhaftung verloren zu haben.

Vielmehr konnte das SAP-Salesteam unter diesen Vorzeichen einfach deutlich weniger Projekte realisieren und SAP musste schlechte Zahlen ausweisen. Das führte dann auch zur ersten und bisher einzigen großen Entlassungswelle in der Firmengeschichte. Ein schwerer Schritt für die SAP denn, wie es Apotheker damals in einem Interview mit dem Spiegel formulierte: "Entlassungen passen einfach nicht zu SAP."

Und offenbar passt nun Apotheker nicht mehr als Konzernleiter und muss am eigenen Leib erkennen, wie sich das anfühlt. Nach wie vor hält der Unternehmensmitgründer Hasso Plattner unsichtbare Fäden in Walldorf in der Hand. Und Gerüchte hielten sich, dass er das Modell der Doppelspitze favorisiere, am besten mit einem Techniker. In einer Telefonkonferenz machte Plattner deutlich, dass es sich dabei nicht um eine Zwischenlösung handeln werde. Schließlich habe SAP seine besten Jahre mit einer Doppelspitze erlebt. Auch andere Unternehmen wie Oracle oder Microsoft seien mit einer Doppelspitze sehr erfolgreich gewesen.

Hasso Plattner erklärte aber auch, dass man den Enterprise Support nicht alleine Apotheker anlasten könne. "Wir haben einen Fehler gemacht", gesteht er. Man habe sich zu seher auf die Rückmeldungen der großen Anwender verlassen und dabei die Sorgen und Nöte der vielen kleinen Anwender aus den Augen verloren. Die Einführung des obligatorischen Enterprise Supports sei daher eine der gesamten SAP gewesen. Auch Plattner selbst habe diese Entscheidung mit voran getrieben.

Mit Hagemann Snabe kehrt auf jeden Fall wieder ein Techniker an die Spitze zurück und löst den Vertriebschef ab, der nie wirklich ein Verkäufer war. Jim Hagemann Snabe hatte bereits auf der letzten TechEd in Wien die Bühne und gab dem Unternehmen ein Gesicht. Auch der Vertriebs- und Marketing-Experte McDermott kann sich und sein Unternehmen verkaufen. Damit ist das Softwareunternehmen, das für urdeutsche Werte steht, zum ersten Mal in seiner Geschichte nicht von einem Deutschen geführt. Vielleicht ist diese Tatsache auch ein wichtiger Schritt hin zur Internationalisierung eines Unternehmens, das sich längst zu einem globalen Unternehmen gemausert hat.

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