CNET.DE | SILICON.DE | ZDNET.DE
Anzeige
ANZEIGE
Management
Analyse
Energie

Geiz ist im Rechenzentrum geiler als Ökologie

Hermann Gfaller
|
Freitag, 17. August 2007, 17:03 Uhr

Klimawandel und Öko-Boom scheinen nun auch die Rechenzentren (RZ) erreicht zu haben. Längst läuft das Rennen um die Reputation als umweltfreundlichster IT-Lieferant.

Generalisten wie IBM und Siemens, Chiphersteller wie Intel und AMD, aber auch Speicherspezialisten wie Hitachi Data Systems überschlagen sich mit Vorschlägen für Green IT im Rechenzentrum.

Ökologie spielt dabei allerdings nur beim Marketing die erste Geige. So hat IT-Dienstleister T-Systems gerade mit großem Tamtam für sein Rechenzentrum in München eine Brennstoffzelle mit Biotreibstoff in Betrieb genommen. Ökologisch sei daran, dass das System CO2-neutral arbeite, sprich: Der zu Biogas vergorene Saatmais nimmt beim Wachsen so viel Kohlendioxid auf, wie die Anlage beim Verbrennen wieder abgibt. Ein geschlossener CO2-Kreislauf also, was besser sei, als Öl zu verfeuern.

Der Hinkefuß: Für einen Rechnerraum braucht T-Systems einen Quadratkilometer Anbaufläche. Allein um das T-Systems-RZ vollständig mit Biogas zu betreiben müssten 80 Quadratkilometer bepflanzt werden. Wollte man alle Münchner Rechenzentren so mit Biogas betreiben, müsste man wohl die Nahrungsmittelerzeugung in der Region einstellen.

Tatsächlich spielen die nur halb durchdachten Konzepte der IT-Industrie über regenerative Energieformen im Endeffekt nur jenen in Hände, die für CO2-arme, aber aus anderen Gründen nicht unbedingt erwünschte, Atomkraftwerke plädieren. 

Wohl durchdacht haben die RZ-Betreiber wie T-Systems dagegen jene Aspekte, um die es ihnen tatsächlich geht: Das Sparen von teurem Strom und die Sicherung der Grundversorgung mit Energie. Brennstoffzellen eignen sich vor allem dazu, die kontinuierliche Grundlast zu tragen – sprich sich für den Alltag von den großen Stromerzeugern und deren Preisgestaltung unabhänig zu machen. So beklagt Willi Hoffmann, Technischer Geschäftsführer der Münchner Power and Air Solutions , die sinkende Qualitität der Stromnetze, die im Jahr 2006 in den weltweit verteilten Rechenzentren der Telekom zu 11.000 Ausfällen geführt hätten. Daher spekuliert man bei T-Systems über eine Zeit, in der man die öffentliche Netze nur noch als Notstrom-Lieferanten bei Spitzenbelastung nutzt.

Der andere Aspekt ist, Strom zu sparen, was ökologisch gesehen immer richtig ist. Nur wird derzeit die Bedeutung von Green IT in diesem Zusammenhang massiv übertrieben. Nach Untersuchungen der ETH Zürich benötigen RZs je nach Land zwischen 0,1 und 1 Prozent des nationalen Strombedarfs. In den verschwenderischen USA sind es 1,5 Prozent, hier zu Lande rund 0,8 Prozent. In den USA geht man davon aus, dass mit bekannten Mitteln ungefähr ein Viertel des Stromverbrauchs eingespart werden könnte. Damit lässt sich die Ökobilanz nur unwesentlich entlasten, die Stromrechnung der amerikanischen RZ-Betreiber jedoch sehr. Sie lag 2006 zusammengerechnet bei 4,5 Milliarden Dollar.

Es ist also kein Wunder, dass sich RZ-Betreiber wie IBM und T-Systems an die Spitze der Green-IT-Bewegung setzen. Sie können durch einen breiten Energiemix nicht nur durch den raschen Wechsel auf die jeweils günstigste Stromquelle Geld sparen, sie profitieren auch mit niedrigeren Preisen und dem neuen Öko-Image.

 

  1 | 2 Seite 2/2 »
 
Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
 
Anzeige
Anzeige
Ausserdem neu in management

Windows Phone 8 hat viel mit Windows 8 gemein

Im vierten Quartal wird Microsoft angeblich die neue Version von Windows Phone veröffentlichen. Jetzt gibt es dazu neue Details.
03. Februar 2012

Deutsche Unternehmen unterschätzen Big Data

Die technischen Herausforderungen von Big Data sind deutschen Unternehmen bewusst, die Chancen weniger, so eine Studie von IDC.
03. Februar 2012

Motorola klagt iPhone und iPad 3G aus Apples Onlineshop

Punktsieg für Motorola: Ein Gericht erlässt eine einstweilige Verfügung und Apple muss iPhone 4, iPhone 3GS und iPhone 3G sowie alle UMTS-Modelle ...
03. Februar 2012

neueste leserkommentare
03. Februar 2012 | 10:33 Uhr

Königlich bayerisches Amtsgericht

Hallo Herr Stautner, es handelt sich natürlich um das Landgericht München und nicht um ein Bezirksgericht, wie in den USA. Ich persönlich würde jedoch nicht so weit gehen, die Vereinigten ... Mehr ...

zu Münchner Gericht erlaubt Galaxy Tab 10.1N und Nexus
02. Februar 2012 | 16:20 Uhr

"Erfolgreiche Sanierung"

Die übertragende Sanierung ist eigentlich eine Mogelpackung (Link siehe unten). Die Schuldner werden wahrscheinlich mit ?Kleingeld? abgespeist. Die Kunden der insolventen usedSoft AG, Zug ... Mehr ...

zu usedSoft beendet Insolvenz
02. Februar 2012 | 14:28 Uhr

1280 x 800

Gegenüber der Konkurrent kann das Toshiba-Tablet in Sachen Displayauflösung nicht mithalten? Gegenüber welcher Konkurrenz ist denn gemeint? Es gibt derzeit keine höhere Bildschirmauflösung ... Mehr ...

zu Das dünnste Android-Tablet der Welt
  • Artikel
  • Bildergalerien
  • Videos
Sponsored Links

Silicon Vorlagen für Business-Profis: Große Auswahl an Vorlagen zu Controlling mit Excel

Silicon Vorlagen für Business-Profis: Große Auswahl an Vorlagen zu Mitarbeiterbeurteilung

Projektmanager/in Business Development Markteinführung & Strategie

bei Schaeffler Technologies AG & Co. KG - Schweinfurt (Feste Anstellung)

Mitarbeiter strategische Planung (m/w)

bei IKB Deutsche Industriebank AG (Feste Anstellung)

Vertriebsstarker Personalentwickler (m/w)

bei Business Trends Consulting BTC (Feste Anstellung)

Trackbacks und Pingbacks

TrackbackTrackback-URL:

Link zum Artikel setzen bei