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Management
Analyse

Globalisierung: Reaktionsmuster deutscher IT-Firmen

Dr. Andreas Boes
|
Mittwoch, 4. Juni 2008, 10:30 Uhr

Wo stehen die Unternehmen am IT-Standort Deutschland mit Blick auf die Globalisierung?

Im Projekt 'Export IT' differenzieren wir vier typische Entwicklungsstände der IT-Unternehmen in Deutschland. Für die größte Gruppe von Unternehmen findet die Internationalisierung bisher vorwiegend in der Zeitung statt. Sie lesen davon, haben selbst aber kein internationales Geschäft und konzentrieren sich auf den nationalen, oft sogar auf regionale Märkte. Dieses Muster der Beschränkung auf den Binnenmarkt findet man vorwiegend bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Eine zweite Gruppe hat sich von wichtigen Kunden dazu verleiten lassen, erste Schritte ins Ausland zu unternehmen. Dabei sind sie den Anforderungen der Kunden im Wesentlichen reaktiv gefolgt und verfolgen darüber hinaus keine eigenständige Strategie der Internationalisierung. Sie weisen einen gewissen Auslandsumsatz auf und haben manchmal Vertriebsniederlassungen im Ausland. Dieses Muster des Follow the Customer findet man vorwiegend bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Die dritte Gruppe von Unternehmen ist durch eine Ausdifferenzierung nach dem Werkbankprinzip gekennzeichnet. Diese Unternehmen verfügen über international ausdifferenzierte Vertriebs- und Produktionsstrukturen und Partnerbeziehungen im Ausland und realisieren dort einen relevanten Anteil des Umsatzes. Sie sind bestrebt, das Thema Internationalisierung mit einer eigenständigen Strategie anzugehen, haben aber bisher kein internationales Profil. Ihr strategisches Hauptaugenmerk gilt der Senkung der Kosten. Das Mittel dazu ist Offshoring und Nearshoring und die Anbindung von Standorten nach dem Prinzip der verlängerten Werkbank.

Die vierte Gruppe von Unternehmen ist auf dem Weg zu einem global integrierten Unternehmen. Diese Unternehmen realisieren einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland und sind mit Vertriebs- und Produktionsstandorten global aufgestellt. Sie orientieren sich konsequent auf die neue Phase der Globalisierung. Die international aufgestellten Großunternehmen fassen gegenwärtig das Netzwerk an Standorten zu einem integrierten System zusammen. Die mittelgroßen Unternehmen in diesem Muster kompensieren fehlende Auslandspräsenz durch ein gezieltes Partnerkonzept.

Die verschiedenen Strategiemuster ermöglichen es den Unternehmen unterschiedlich erfolgreich, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen. Während wir das Muster 'Follow the Customer' als durchaus stabil einschätzen, wird das Muster der 'Orientierung am Binnenmarkt' für viele Unternehmen dieser Gruppe über kurz oder lang zu einem Problem werden. Hier liegt also auf mittlere Sicht ein hohes Gefährdungspotenzial vor.

Ebenso halten wir das Strategiemuster des 'global integrierten Unternehmens' für stabil, während wir das Muster der 'ausdifferenzierten Produktionsstrukturen' als ein Muster mit hohem Gefährdungspotenzial einschätzen. Die Dramatik dieser Feststellung liegt darin begründet, dass bis zu 75 Prozent der Mitarbeiter am IT-Standort Deutschland in Unternehmen der beiden gefährdeten Strategiemuster beschäftigt sind.

Dr. Andreas Boes Dr. Andreas Boes leitet das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben 'Export IT'. Der habilitierte Arbeits- und Industriesoziologe arbeitet am ISF München, einem unabhängigen Sozialforschungsinstitut, das seit 40 Jahren zu den führenden Einrichtungen in der Arbeits- und Industriesoziologie zählt, und lehrt zugleich als Privatdozent an der Technischen Universität Darmstadt.
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