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B2B

Lohnt sich Social Networking für Firmen?

Lutz Poessneck
|
Freitag, 5. September 2008, 11:23 Uhr

Michael Koch ist Professor für die Programmierung kooperativer Systeme an der Fakultät für Informatik der Universität der Bundeswehr München. Er hat untersucht, wie Unternehmen mit dem Thema Social Networking Services umgehen.

silicon.de: Was verstehen Sie unter Social Networking Services?

Michael Koch: Etwas vereinfacht gesagt sind Social Networking Services meist Web-basierte Plattformen, die es den Benutzern erlauben, sich selbst vorzustellen und sich miteinander zu vernetzen, insbesondere direkt und indirekt zu kommunizieren. Anstelle des Begriffs Social Networking Services werden in letzter Zeit auch synonym die Begriffe Social Network oder Community benutzt. Meiner Meinung nach sind diese Begriffe aber eher geeignet, das Netzwerk der Personen zu beschreiben, das auf einer Plattform zusammenkommt und nicht die Plattform selbst.

silicon.de: Sie unterscheiden zwischen "offenen" und "geschlossenen" Social Networking Services. Wo liegen die Unterschiede?

Michael Koch: Offene Social Networking Services sind Plattformen, auf denen sich jeder kostenlos oder gegen einen Mitgliedsbeitrag anmelden und mit anderen auf der Plattform vernetzen kann. Beispiele sind die Plattformen Xing, StudiVZ, Facebook und LinkedIn.

Geschlossene Social Networking Services sind Plattformen, die nur einer eingegrenzten Benutzergruppe zur Verfügung stehen, zum Beispiel nur den Mitarbeitern einer Firma oder eines Konzerns im Intranet. Beispiele sind die Social Networking Services in großen Unternehmen wie die IBM Blue Pages.

Aus diesem Grundunterschied ergeben sich viele weitere Unterschiede, zum Beispiel, dass geschlossene Social Networking Services automatisch aus Unternehmensdatenbanken gespeist werden und auch sonst mit verschiedenen Unternehmensanwendungen integriert werden können.

silicon.de: Sie haben von Dezember 2007 bis Januar 2008 die Nutzung von offenen Social Networking Services in Deutschland untersucht. Welche Ergebnisse haben Sie besonders überrascht?

Michael Koch: Die größte Überraschung war, dass Social Networking Services von den Benutzern als Mittel zum 'In-Kontakt-Bleiben' gesehen werden und dies für die Nutzer die wichtigste Funktion in Social Networking Services war. Wir hatten erwartet, dass die Anwender das Finden von anderen Benutzern als wichtigste Funktion sehen würden.

Zum diesem Ergebnis passt auch die Erkenntnis, dass den Befragten nicht die absolute Zahl von Benutzern eines Social Networking Services wichtig war, sondern die Präsenz einer konkreten Zielgruppe auf einer Plattform, zum Beispiel des eigenen Freundeskreises.

silicon.de: Sie haben zudem firmeninterne Social Networking Services bei Accenture, IBM und SAP unter die Lupe genommen. Können die Firmen von den offenen Social Networking Services lernen?

Michael Koch: An der detaillierten Beantwortung dieser Frage arbeiten wir gerade noch. Allgemein lässt sich aber zur Einführung von Social Software in Unternehmen – wozu auch Social Networking Services gehören – sagen, dass der wichtigste Erfolgsfaktor der Fokus auf den Nutzen für jeden Einzelnen ist.

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