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"Hallo, Millionär": Vor 10 Jahren platzte die Dotcom-Blase

Martin Schindler
|
Donnerstag, 11. März 2010, 15:42 Uhr

Am 10. März 2000 erreichte die Hysterie, die durch die Bank Analysten, Journalisten, Anleger und Investoren ergriffen hatte, einen einmaligen Höhepunkt. Erst einen Monat zuvor durchbrach die Nasdaq die Marke von 4000 Punkten. Alle waren davon überzeugt, es kann nur eine Richtung geben: Aufwärts.

Gestandene Spekulanten und Finanzexperten ließen sich von den Lockungen schneller Gewinne blenden. Selbst Seriöse Blätter wie die Los Angeles Times zitierten Analysten, die anlässlich der Marke von 5000 Punkten von einer baldigen Verdoppelung des Technologieindexes schwadronierten. Nur wenige Tage später setzte die Abwärtsspirale ein. Und die setzte sich auch die nächsten 24 Monate fort. Bis Mitte 2002 die Nasdaq auf den historischen Tiefststand von 832 Punkten rasselte.

Fotogalerie: Pleiten, Pech und Pannen der Dotcom-Ära

Als das Internet noch in der Kinderschuhen steckte, war es vor allem eine Sache für Akademiker und Computerfreaks. Um die Jahrtausendwende jedoch brach das Web mit der Wucht eines Vulkanausbruchs in unser aller Leben ein - eine scheinbar unendliche Goldgrube. Doch es folgte eine (fast) unendliche Pleiten-Serie.
1996 ging 'JenniCam' an den Start. Zu sehen: Das meist recht banale Leben der Jennifer Ringley, das die damals 19-Jährige via Webcam in die Internetwelt übertrug. Auf dem Höhepunkt sollen 100 Millionen Nutzer die Seite angeklickt haben - und das meistens via Dial-up-Verbindung. Wir verdanken Jenni eine Vorahnung auf ein Leben mit Social Web im Allgemeinen und User-generated Videos im Besonderen.
'Boo.com' war ein klassiches Dotcom-Start-up: overhyped, überfinanziert, aufgebläht. Der kleine, animierte Mr. Boo führte die Web-Kundschaft durch den virtuellen Mode-Shop - ein Geduldsspiel ohne Breitbandverbindung. Mitte 2000 hatte die Seite lediglich rund 250.000 Euro von 300.000 Nutzern eingenommen, kurz darauf starb Mr. Boo den Dotcom-Tod. Nicht ohne zuvor Millionen Investorengelder verbrannt zu haben.

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Seitdem erholt sich der Index nur sehr langsam. Von Höhenflügen ist längst keine Rede mehr. Rechnet man die Dollar-Entwertung mit hinein, dann hat die Nasdaq auch zehn Jahre nach dem Crash über 63 Prozent an Wert verloren. Zahlreiche Anleger haben aber deutlich mehr eingebüßt.

IPO Mania
Eine Hitparade der Börsengänge aus dem Jahr 1999.
Foto: CNET

Den Rekordverlusten gingen Rekordgewinne voraus: VA Linux, das heute Geeknet heißt, ging 1999 an die Börse. Der Ausgabepreis betrug 30 Dollar. Als nach dem ersten Handelstag der Aktie die Börse schloss, lag der Kurs bei 238,25 Dollar. In wenigen Stunden stieg der Kurs um 698 Prozent. Das ist nahezu der siebenfache Wert und der bislang steilste Börsenkurs aller Zeiten. Der damalige CEO Larry Augustin wurde binnen Minuten zum Millionär.

Es wäre im Sinne Augustins gewesen, wenn er die Anteile zur rechten Zeit abgestoßen hätte. Denn heute sind die Anteile von VA Linux genau noch 1,40 Dollar wert. Die Marktkapitalisierung liegt bei 86,5 Millionen Dollar. Und, anders als 1999, macht Geeknet heute Gewinn.

"Profit is for Wimps!" Gewinne sind was für Schlappschwänze. So lautete damals die Kampfparole der Protagonisten der Dotcom-Mania. Gehandelt wurde die Hoffnung. Interessant war ein Börsengang wenn er 'Phantasie' versprach. Damals galt das als positiv. Heute weiß man, es war pure Irrationalität.

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