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Management
Mittelstand

Open Source in Deutschland: Die Kindertage sind vorbei

Ludger Schmitz
|
Montag, 18. Januar 2010, 11:44 Uhr

Rund 80 Firmenvertreter waren am 14. Januar nach Bremen angereist, um auf dem 'Univention Partner Summit 2010' das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und sich über die künftigen Neuerungen zu informieren. Die Veranstaltung geriet zu einem offenherzigen Austausch – nicht nur von Freundlichkeiten.

Der Rückblick fiel sehr positiv aus. Entgegen dem krisenbedingten Trend der Softwarebranche hat der Enterprise-Linux-Spezialist gut 35 Prozent mehr Umsatz geschafft. Die Zahl der Neukunden hat sich 2009 auf mehr als 200 verdoppelt, so dass die Bremer jetzt rund 400 Kunden haben. Auch dass ein immer größerer Anteil des Geschäfts über die Partner läuft, sorgt auf dieser Seite für gute Stimmung.

Dass diese allerdings nicht gänzlich ungetrübt ist, machte Professor Kai-Oliver Detken, Gründer und Chef des ebenfalls Bremer Univention-Partners Decoit, in seiner Rede klar. Er mahnte frühzeitigere Information der Partner über technische Probleme mit Konnektoren zu Fremdsoftware und über erkannte Fehler in Univention-Produkten an. Und natürlich wünschte er sich, Univention möge sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, nämlich vor allem auf die Qualität seiner Software achtgeben, und "gemeinsame Akquise-Anstrengungen verbessern". Sprich: Mehr Leads bitte, Univention!

Dagegen spreche nichts, meinte Univention-Chef Peter Ganten in einem Pressegespräch am Rande der Veranstaltung. Manchmal aber geschehe es, dass sein Unternehmen für wichtige Projekte keine geeigneten Partner finde, weil die im aktuellen Open-Source-Boom schon voll ausgelastet seien. Jedoch sei kein wesentlicher Ausbau des jetzt rund 100 Systemhäuser und Lösungsanbieter umfassenden Partnernetzes vorgesehen, sondern eher eine "Umschichtung". So sucht das Unternehmen mindestens einen Partner im süddeutschen Raum. Die Kandidaten werden schon kräftig sein müssen, denn sie sollen auch Österreich und die Schweiz mitbetreuen.

Die Partner werden sich auf deutlich höhere Ansprüche seitens Univention einstellen müssen. Künftig, so Ganten, verlange der Linux-Spezialist per Zertifizierung belegtes Produktwissen, Projekterfahrung sowie eigene – wenn auch unterstützte – Marketing-Aktivitäten für Univention-Produkte. Offenkundig sind im Open-Source-Business die Kindertage vorbei, in denen jeder mitspielen durfte, der gerade daher kam. Eine IT-Branche wird erwachsen, ist sich nicht nur des Werts ihrer Produkte bewusst, sondern geht auch das Geschäft ernsthafter an.

Außerdem werden sich die Partner auf eine wesentliche Neuorientierung in der Produktentwicklung von Unviention einstellen müssen. Neben die bisherigen Produkte Univention Corporate Server (UCS), dessen Varianten für Desktops (UCD) und Groupware (UCG) sowie UCS@school tritt als neues Element 'Open DVDI'. Das Kürzel steht für 'Desktop Virtualization and Delivery Infrastructure'. Der Linux-Spezialist geht in Richtung Desktop-Virtualisierung, nach Ansicht von Firmenchef Ganten "das Topthema der nächsten Zeit in Sachen Virtualisierung" – was im Übrigen Virtualisierungsgrößen wie VMware und Citrix genau so sehen.

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