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Management
Mittelstand

Twitter für alle?

Martin Schindler
|
Mittwoch, 8. September 2010, 16:41 Uhr

Vor etwa drei Jahren legte sich die Menschheit einen Maulkorb aus 140 Zeichen an. Aber ist nun Twitter die SMS von allen für alle? Oder ist Twitter nach wie vor ein Nischenphänomen, das vor dem Untergang steht, weil es inzwischen einfach zu viele Menschen nutzen, um alles und jedes mitzuteilen.

Noch vor wenigen Monaten machten Nachrichten über sagenhaftes Wachstum bei Twitter die Runde. Inzwischen hat sich die Nutzerzahl auf einem stabilen Niveau eingependelt. Zu kompliziert, zu undurchsichtig, zu unzuverlässig, das sind die Kritikpunkte, die sich der Microblogging-Dienst beim Start aber auch heute noch gefallen lassen muss. Vor allem aber, es kommt einfach zu viel heiße Luft über diesen Kanal.

Nun gibt es Stimmen, wie Henry Blodget vom Branchendienst Businessinsider, die sehen Twitter als ein Randphänomen, das vor allem von Menschen in der Medien- und Technikbranche verwendet wird. Daher, so urteilt Blodget, ist Twitters Problem vor allem, dass der Dienst nicht von allen Bevölkerungsschichten gleichermaßen genutzt wird – der Dienst also kein Mainstream ist.

Fotogalerie: Die Top Ten der amerikanischen Tech-Twitterer

Auf Rang 10 der von unserem Kollegen Jason Hiner erstellten Liste der interessantesten US-Twitterer ist Rob Enderle gelandet. Der Analyst mit eigenem Haus (der Enderle Group) vertritt des öfteren sehr eigen-willige Meinungen und ist nicht unumstritten. Genau das aber zeichnet ihn aus.
Rang 9 belegt Paul Thurrott, Gründer der Windows Supersite. Wenn es um Microsoft geht, gibt es kaum einen besser informierten Journalisten als ihn. Er scheut sich auch nicht, seine persönlichen Vorlieben und Abneigungen offen auszusprechen.
Platz 8: Jeremiah Owyang. Der Analyst von Forrester Research ist auf (Tele-)Kommunikation spezialisiert und hat gerade zum Thema Twitter eine Menge zu sagen, befindet Hiner.

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Blodget untermauert diese These mit Daten des Dienstes Gawker. Hier würden, so heißt es, Informationen, die sozusagen für alle Menschen interessant sind massiv über Facebook weiterverbreitet. Über Twitter hingegen, das weltweit rund 140 Millionen Menschen nutzen, seien es aber vor allem Geschichten mit technologischem Hintergrund, die getweetet werden.

Es ist sicherlich richtig, dass es zunächst Menschen aus den genannten Branchen waren, die auf Twitter aufsetzten, und die vielleicht auch heute noch einen Großteil der Twitterbevölkerung ausmachen. Allerdings muss man sich auch fragen, ob die über 6 Millionen Follower der leichtbeschürzten Pop-Röhre Lady Gaga den Dienst nicht ebenfalls in den 'Mainstreem' katapultieren. Blodget stellt diese 6,1 Millionen Fans, die auf Twitter Lady Gaga folgen, den 51 Millionen verkauften Singels, den 17 Millionen 'Likes' auf Facebook und den 15 Millionen verkauften Alben gegenüber, die Gaga auf sich verbuchen kann. Also nur ein Bruchteil der Fans folgert Blodget, daher ist und bleibt Twitter in seinen Augen eine Nische.

Die Frage, was ist denn nun eigentlich Mainstream ist, stellt sich der Forrester-Analyst Augie Ray. Auf Twitter würden monatlich etwa 29 Millionen Einzelnutzer zugreifen. Wenn also diese Zahlen nicht den Anspruch auf Mainstream erheben, dann dürfte auch die Sonntagsausgabe der New York Times oder der Kino-Film "Drachenzähmen leicht gemacht" kein Mainstream sein. Daher lautet sein Vorschlag die Frage 'Mainstream oder nicht', nicht an Nutzerzahlen, sondern anhand der kulturellen Auswirkung fest zu machen.

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