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Seitenblicke
Wochenrückblick

Die Steinzeit der Informationsgesellschaft

Achim Killer
|
Freitag, 18. September 2009, 12:26 Uhr

Der Morgen ist der natürliche Feind eines jeden Schöngeists. Und übermächtig wird er, wenn man ihn mit dem Lesen von Pressemitteilungen beginnt.

Während draußen große, schmutzige Wolken eine frühe, schwächelnde Sonne niederringen, hängt man drinnen bei - mit "Dell stellt neue Poweredge-Server vor" und "Tufin erweitert Channel-Programm" - müde überschriebenen Elaboraten der Frage nach, ob es für einem Tag, der schon so beginnt, überhaupt einen vernünftigen Grund geben kann.

"Google spielt Monopoly" steht über einer weiteren Pressemitteilung. Diese Überschrift ist anders. Und jetzt ist’s zu spät: Man ist wach.

Eine klasse Headline! Geradezu lehrbuchhaft fasst sie das Nachfolgende bildhaft und mit gefälligen Worten zusammen und verblüfft dabei ein wenig, um so zum Weiterlesen anzuregen. Letzteres ist notwendig, denn per se ist es nicht allzu spannend, was der Pressetexter einem mitzuteilen hat: Hasbro, ein Unternehmen, das ansonsten hässliches Plastikspielzeug herstellt, hat eine Online-Version des alten Brettspiels Monopoly entwickelt. Als Spielfeld dient dabei Google’s Landkarten-Dienst.

Eigentlich ist das nichts, was man wirklich wissen muss. Aber weil man halt darüber gegrübelt hat, warum Google Monopoly angeblich bloß spielen soll, hat man’s gelesen. So bringt man Botschaften an den Mann, die jenen überhaupt nicht interessieren. Raffiniert!

"Google spielt Monopoly" – ein echter Brüller! Wenn die Krake sowas spielen würde, dann nur auf dem höchsten Level, dem dritten. Überhaupt ist die Geschichte der Informationsgesellschaft ja eine Geschichte der Monopole.

Begonnen hat es mit IBM. Das war quasi in der Altsteinzeit der IT-Industrie, dem Info-Paläolithikum. Entsprechend wenige Reste dieser Epoche kann man heute noch finden.

Auf seinen Großrechnern hat der einst mächtige Konzern ein Reservat dafür eingezäunt: Wenn ein Anwender originäre Mainframe-Software auf einem großen Eisen fahren will, dann muss er für Hard- und Software richtig viel Geld hinlegen.

Früher war das hart für den Anwender, weil es nur Großrechner gab. Mittlerweile aber kann er sich auch ein anderes System aussuchen. Und just die Software, die auf solchen Rechnern läuft, lässt sich auch auf Mainframes billig fahren. IBMs Monopol ist Großrechner-Software auf Großrechnern, also recht klein.

Die Konkurrenten des Unternehmens höhnen ja gerne, Mainframes seien die Saurier der IT. Das ist natürlich Unsinn. Vielmehr ist es so, dass ein Teil des Großrechners, nämlich jener der unter z-OS gefahren wird, das Papua-Neuguinea von Big Blue darstellt, das letzte Überbleibsel aus dem Paläolithikum der Informationsgesellschaft.

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