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Wochenrückblick

Wochenrückblick: Her mit der Kneißlware

Achim Killer
|
Freitag, 25. September 2009, 10:56 Uhr

Spyware, Trojaner, Downloader, Makroviren, Keylogger, Backdoors, Tarnkappenviren, Würmer... Manchmal fragt man sich ja: Gibt es in Sachen digitalem Ungeziefer theoretisch überhaupt noch etwas, das es nicht auch schon praktisch gibt? – Es gibt!

Malware, die die Geschundenen und Drangsalierten unserer Zeit rächt. Das wär’ doch was: Robin Hood, Schinderhannes und Klaus Störtebeker, in malicious code gegossen. Man könnte es Kneißlware nennen nach Mathias Kneißl, dem prächtigen bayerischen Räuber. Sowas bräuchte es doch wirklich und auch endlich mal eine ware mit "ß".

Denkbar wäre etwa der MobStop.A alias Big Silence, ein Wurm, der Systeme unter Windows Mobile, Android, Symbian, Mac OS X und Mobilinux befällt: Goodware fürs Handy. Der MobStop würde ein virtuelles GPS auf den befallenen Geräten installieren und sie an allen Orten ausschalten, an denen zu telefonieren, sich nicht schickt.

Man muss sich den MobStop als sich epidemisch verbreitenden Benimm in Form von Code vorstellen. Seine Wirkung auf Handy-Telefonierer wäre entsprechend verheerend. Wesentliche Funktionen des in der mobilen Voice-Kommunikation etablierten LSP (loud and simple protocol) würden blockiert, beispielweise das durchs Restaurant gebrüllte "Ja?!", das ins volle Zugabteil geschrieene "Tschüssi!" oder das einem größeren Zwangsauditorium zur Kenntnis gebrachte hochphonige "Du, ich bin gerade...". Der MobStop würde auf den Mobiles wüten wie dereinst der Schinderhannes Bückler im Taunus.

Weitere Szenarien mit Kneißlware lassen sich entwickeln: der Ad.Del alias PR-Basher alias Duden-Downloader legt die gesamte Kreativbranche lahm. Dazu verbindet er sich mit einem Server, von dem er eine für das Agenturwesen tödliche Malware nachlädt: die deutsche Sprache.

Verbale Designprodukte, die sich nicht in Übereinstimmung mit einem ordentlichen Wörterbuch bringen lassen, löscht er, indem er sie mit lauter Nullen überschreibt. Da dies auch dem ursprünglichen Inhalt der zerstörten sprachlichen Artefakte entspricht, lassen sich so imposante Konstrukte wie "Gratisgeschenk", "Kundennutzen", "Erlebniskauf" und "Corporate Social Responsibility" nicht mehr rekonstruieren.

Den "Leitern Unternehmenskommunikation", "Key-Account-Managern" in PR-Agenturen und Werbetextern bleibt nichts, als deutsch zu reden. – Mit der Konsequenz, dass sie verstummen.

In der Folge kommt es zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen: Die Telekommunikationskonzerne klagen wegen der ausbleibenden Werbemails über unausgelastete Kapazitäten. Aufgrund fehlender Beilagen befällt Schwindsucht die Tageszeitungen. Die Druckindustrie leidet unter horrend steigenden Kosten, weil kein Recycling-Papier mehr zur Verfügung steht. Google begibt sich unter den Schutz des Chapter 11... Eine Apokalypse! Der Ad.Del infiziert übrigens nur Mac-Rechner.

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