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Seitenblicke
Wochenrückblick

iPhone und die Folgen: Nichts bleibt, wie es war

Ludger Schmitz
|
Freitag, 26. Februar 2010, 11:51 Uhr

Alles schaut schon auf die CeBIT, in großer Hektik werden Produkte und Präsentationen vorbereitet. Dabei droht unterzugehen, was in der letzten Woche die Karnevalsjecken eh verkatert haben. Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona sind ein paar Dinge verkündet worden, die nicht nur den Markt für Smartphones tief umkrempeln werden. Die Spuren, die Apples iPhone hinterlassen hat, sind nichts im Vergleich zu dem, was nun in kürzester Zeit geschehen wird.

In Barcelona hat Microsoft demonstriert, dass es sich in diesem Markt nicht mit einer Rolle in der zweiten Reihe abfindet. Das neue Windows Phone 7 hat herzlich wenig mit dem alten Betriebssystem für mobile Devices zu tun, von dem Steve Ballmer eingestanden hat: "Wir haben es mit Mobile versaut." Der neue Name ist ein Abschied von der Erblast und soll eine Ähnlichkeit mit Windows 7 suggerieren, was allerdings ein reiner Marketing-Gag ist. Gewirkt hat er schon. Microsoft bekam viel mediale Aufmerksamkeit. Die Hälfte der Berichterstatter scheint schon glücklich gewesen zu sein, dass Microsoft nicht das Drama Windows Mobile 6 um einen weiteren Akt fortsetzt.

Windows Phone 7 könnte den weiteren Absturz von Microsoft in die Bedeutungslosigkeit am Mobile-Markt aufhalten. Ein Haken ist allerdings an dem Betriebssystem, der fatal wirken könnte: Microsoft verbindet es mit starken Restriktionen für die Gerätehersteller. Die aber haben in der letzten Zeit gezeigt, derlei gar nicht zu mögen. Sie wollen Freiheiten, um ihre Produkte vom Wettbewerb abheben zu können. Microsoft steht wieder da als der innovationsfeindliche Herrscher mit den Daumenschrauben.

Gleichzeitig macht die Konkurrenz das Gegenteil. Google ist mit Android anscheinend sehr erfolgreich unterwegs. Nach eigenen Angaben sollen täglich 60.000 Android-Smartphones verkauft werden, dabei ist es noch nicht einmal weltweit verfügbar. Nach Apple zeichnet sich mit Google ein weiteres neues Schwergewicht im Mobile-Markt ab. Zu spüren bekommen hätten es neben Microsoft nicht nur ein paar kleinere Player wie Samsung mit Bada oder RIM mit Blackberry. Auch die dominante Marktposition von Nokias Symbian wäre noch schneller erodiert, als es sich ohnehin schon abzeichnete.

Um das eigene Handygeschäft zu stabilisieren, hatte Nokia mit dem 'N900' schon das Linux-basierende System Maemo eingeführt. Es hätte eines Tages Symbian beerben sollen. Dabei beließ es der Handy-Riese nicht. In der zweiten Januarhälfte konterten die Finnen gegen Apple und Google. Bei Apples iPhone hatte sich die Navigationssoftware als eine besonders beliebte Applikation erwiesen. Google hatte im November 2009 noch eins draufgesetzt und sein Maps-Geosystem für Android kostenlos beigepackt. Jetzt brachte Nokia seinen Navigationsdienst Ovi Maps für 180 Länder gratis auf den Markt, statt wie bisher die Nutzung zu verwirrenden Tagessätzen zu verkaufen. Dieses System kommt von der Konzerntochter Navteq, die es bisher vor allem an Navi-Hersteller verkauft hat. "Der Spiegel" kommentierte: "Die Finnen kannibalisieren sich mit ihrem Vorstoß also zum Teil selbst".

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