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Seitenblicke
Wochenrückblick

Herbsteinbruch mit Ausnahmen

Sibylle Gassner
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Freitag, 3. September 2010, 10:20 Uhr

Kalt ist es geworden diese Woche, kalt, neblig und ungemütlich. Fröstelnd verkrochen wir uns hinter den PCs, nur um festzustellen, dass auch den anderen der Herbsteinbruch aufs Gemüt geschlagen hat. Lediglich in München und Walldorf waren sie glücklich.

Aller IT-Orten wurde gestänkert, gemosert und – um es bayerisch auszudrücken – gegrantelt. Die Telekom beschimpfte Apple, die deutschen Autobauer haben sich auf Shai Agassi eingeschossen und die Bundeskanzlerin wollte sich mal wieder nicht festlegen – und deswegen vor allem kein Internet-Gesetz. Deutschlands Datenschützer fordern allerdings genau das und sind dafür extra nach Kiel gereist. Kaum dort angekommen, beschwerten sie sich lauthals, dass sie Google und Facebook mit heraushängender Zunge hinterherhecheln. Gut, wer über Kiel ins Social Web reist...

Als Ober-Grantler aber tat sich überraschend Microsoft-Mitgründer und Multi-Milliardär Paul Allen hervor, der kurzerhand im Rundumschlag das Who-is-Who der IT-Branche vor den Kadi zerrte – außer Microsoft versteht sich. Die Laune in Redmond ist aber offenbar trotzdem im Keller. Via Großanzeige in der USA Today trat der Konzern gezielt und heftig gegen VMware und schrieb an die Kunden des Virtualisierungsspezialisten einen Warnbrief.

Spaß macht das alles ohne Zweifel nicht, bei Intel hat man sich deshalb kurzerhand zum Frust-Shoppen entschlossen, was wiederrum Infineon reich und glücklich macht. SAP suchte derweil das virtuelle Glück, ganz zeitgemäß durch Erweiterung der Realität. Ob sie dadurch zwingend besser wird, sei an diese Stelle dahingestellt.

Die NASA flüchtet sich lieber in die Vergangenheit, schwelgte in Erinnerungen und ermöglicht das Dank Flickr ab sofort der ganzen Community...

...deren Mitglieder übrigens längst nicht mehr so ticken wie Sie – und ich. Die Neuen Medien, sagen Neurobiologen, verändern das Gehirn. Vor allem die der 'Digital Natives', weil die und ihre Hirne so jung sind, genauer gesagt nach 1980 geboren. Alle anderen, also Sie – und ich – sind 'Digital Immigrants', Einwanderer in einer uns eigentlich fremden Welt.

Das fühlt sich dann ein bisschen so an wie Herbst im Sommer. Immerhin wissen wir jetzt, was man dagegen tun kann: Shoppen gehen, in virtuelle Welten abtauchen, alte Familienfotos anschauen – alles, nur nicht granteln.

In diesem Sinne, herzliche Grüße von Ihrem silicon.de-Team

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