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Technologie
Hardware
Gastbeitrag

Linux auf dem Desktop - die heimliche Macht

Rudi Strobl
|
Dienstag, 22. Januar 2008, 13:34 Uhr

Kaufmännische Entscheider im Mittelstand nehmen trotz der Erfolgsgeschichten von Firefox bis Open Office die Themen Linux und Open Source noch kaum als Option wahr.

Dies belegt eine aktuelle Studie der Marktforscher von Techconsult zur Verbreitung von Linux in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Die kaufmännischen Leiter von 200 Unternehmen mit 20 bis 499 Mitarbeitern sollten beurteilen, ob Linux für ihr Unternehmen wichtig sei. Das interessante Ergebnis: Nur 17 Prozent der Kaufleute bestätigten diese Aussage, obwohl die Linux-Nutzung in den befragten Unternehmen deutlich höher war. 21 Prozent in Firmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern nutzen bereits Open-Source-Software, bei den größeren Unternehmen mit 200 bis 499 Mitarbeitern sind es gar 28 Prozent.

Diese Diskrepanz der Aussagen von technischen und kaufmännischen Leitern in Bezug auf Linux erklären sich die Marktforscher aus dem Umstand, dass den wirtschaftlich Verantwortlichen häufig gar nicht bewusst sei, dass Linux auf ihren Unternehmensrechnern im Einsatz ist. In der Regel würde nur der Arbeitsplatzrechner wahrgenommen, und dort läuft eben Windows. Linux führt nach wie vor ein "Schattendasein" bei den Kaufleuten. Da die Techniker den Apache-Webserver kostenlos bekommen und somit keine Rechnung abzuzeichnen ist, erfahren die Kaufleute dies meist gar nicht. Erst wenn für neue Software Geld ausgegeben werden muss, beschäftigen sich auch die kaufmännischen Leiter mit Alternativen.

Das könnte sich jedoch in diesem Jahr ändern. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet Microsofts Windows Vista könnte zum Katalysator für Linux auf dem Desktop werden. Das haben auch die Marktforscher von Forrester in ihrer letzten Umfrage herausgefunden und kündigten für dieses Jahr nun endlich den mehrmals verschobenen Siegeszug von Linux auf dem PC-Desktop an. Zustimmung kommt hierzu auch seitens der Marktforscher von Gartner. Nach deren Analysen waren zum Jahresende gerade einmal fünf Prozent der PCs in US-Unternehmen auf Windows Vista umgestellt.

Fehlende Treiber, penetrante Sicherheitsabfragen und vor allem die hohen Anforderungen von Vista an die PC-Hardware schrecken die Entscheider ab. Denn wer will schon zum wiederholten Mal für ein Betriebssystem-Update auch gleich neue Hardware anschaffen?

Dass rund jeder vierte Mittelständler inzwischen gute Erfahrungen mit freier Software in seiner IT-Infrastruktur gemacht hat, stärkt die Akzeptanz für den Linux-Einsatz auf den Arbeitsplatzrechnern entscheidend. Zudem haben mittlerweile einige Unternehmen und öffentliche Verwaltungen diesen Schritt erfolgreich vorgemacht, so dass es auch entsprechende Erfahrungen bei den Dienstleistern gibt. Laut der Forrester-Studie wird Vista bis 2009 immerhin 50 Prozent der Desktops besetzen. Den restlichen Markt teilen sich Windows XP, 2000 und Linux. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, wann Linux auf die zweite Position vorrückt.

 Rudi Strobl ist Vorstand der Linux Information Systems AG. Das Unternehmen bietet mittelständischen Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen individuelle Software-Lösungen auf Basis von Open Source und Linux.

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