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Digitalisierung

Die Anna Amalia Bibliothek geht online

Simone Schnell
|
Montag, 28. November 2005, 12:49 Uhr

Die Weimarer Büchersammlung steht vor dem Schritt ins digitale Zeitalter. Über das Internet sollen historische Werke der ganzen Welt zugänglich sein.

Wer als ITler Langzeitarchivierung hört, dem fallen zuerst Begriffe ein wie Compliance, Finanzamt, Basel II oder Sarbanes-Oxley. Das, was man vor der Datenflut unter einem Archiv verstanden hat, ist irgendwie in Vergessenheit geraten. Traditionell bezeichnet der Begriff Archiv eine physische Sammlung von Werken, Büchern, Akten und so weiter. Über ein solches Archiv verfügt auch die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, kurz HAAB, in Weimar. Dort lagern wertvolle Bücher und Kunstwerke, teilweise aus dem 16. Jahrhundert.

Und doch kann das klassische Archiv heute von einem digitalen Archiv profitieren. Allen Vorzügen voran steht die Präsentation im Internet, das einer Bibliothek ganz neue Reichweiten verspricht. Für das Web aufbereitete Bücher stehen beispielsweise Wissenschaftlern zur Verfügung, die nicht die Möglichkeit haben, selbst in die Bibliothek zu gehen, um Werke zu erforschen.

Einen weiteren Grund lieferte sich die Weimarer Büchersammlung am Abend des 2. September 2004 leider selbst. Eine defekte Elektroleitung löste den Brand der Bibliothek aus, eine Vielzahl historischer Bücher und anderer kulturellen Nachlässe wurden Opfer der Flammen. Der Verlust vieler Kulturschätze machte vor allem den Verantwortlichen schwer zu schaffen und schnell war klar, dass die noch vorhandenen Werke für die Zukunft zusätzlich konserviert werden mussten.

Im Bestand lag die Musik

Man kann es Glück im Unglück nennen. Denn durch die Katastrophe war die Bibliothek in den Schlagzeilen und zog Aufmerksamkeit auf sich. Wohl auch deshalb fand der Speicherhersteller EMC die Idee des jetzt begonnenen Projekts gut, Teile des Bestandes zu digitalisieren, in einer Datenbank zu archivieren und virtuell über das Internet zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit der Klassikstiftung Weimar soll in Zukunft zweierlei gestemmt werden: Schutz gegen jede Art von Schaden und gleichzeitig die Möglichkeit, den Bestand überall auf der Welt zumindest virtuell zugänglich zu machen.

Ein Mammutprojekt. Die HAAB umfasste vor dem Brand neben anderen Kunstschätzen rund eine Million Bücher, die im Laufe der Zeit seit ihrer Gründung 1766 zusammengekommen waren. Den heutigen Namen bekam die Bibliothek übrigens erst 1991. Anlässlich ihres 300-jährigen Jubiläums wurde sie nach der Herzogin Anna Amalia (1739-1807) benannt, die sich immer für die Erweiterung der Bibliothek eingesetzt hatte.

Der Brand war verheerend. Laut Michael Knoche, Direktor der HAAB, wurden rund 100.000 Bücher vernichtet. Vor allem traf es Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert, darunter befand sich auch die kulturhistorisch bedeutende Musikaliensammlung von Anna Amalia.

Die Katastrophe war absehbar, heißt es in einem Buch über die Bibliothek. Die Elektroinstallation war marode, der Brandschutz mangelhaft. Man wusste um die Gefahr, Sanierungsarbeiten waren bereits geplant. Fünf Wochen nach dem Brand hätte der Bücherumzug ohnehin beginnen sollen.

Online-Archiv mit Langzeitwirkung

Die HAAB hat bereits 2001 mit der Digitalisierung des Bestandes begonnen, um die Bücher und Folianten vor Abnutzung und anderen möglichen Schäden zu schützen. Dass es so dick kommen würde, damit hatte man natürlich nicht gerechnet. Dagmar Schipanski, Schirmherrin des Projekts und Präsidentin des Thüringer Landtages, erklärte, dass der Brand auch trotz Digitalisierung viele Bücher physisch vernichtet hat. "Aber wenigstens virtuell wäre alles vorhanden".

Nach dem Brand also war die Notwendigkeit noch deutlicher, Vorhandenes besser zu schützen. Nachdem für Knoche die Digitalisierung an sich bereits ausgemacht und begonnen war, musste nach geeigneten Techniken für die Langzeitspeicherung gesucht werden. Denn irgendwo müssen die Datenberge auch abgelegt werden. Mit EMC wurde man handelseinig.

Der Speicherhersteller sponsert zwei 'Centera'-Systeme im Wert von rund einer halben Million Euro. Hinzu kommen Serviceleistungen wie Implementierung und Wartung. Ein System soll als Redundanz an einem anderen Ort für zusätzliche Sicherheit sorgen. Centera ist eine Speicherlösung, die so genannten 'Fixed Content' speichert, also Inhalte, die lange aufbewahrt werden müssen. 36 TeraByte umfasst das System nach Herstellerangaben, skalierbar in den PetaByte-Bereich. Eine Migrations-Software soll dafür sorgen, dass unabhängig von sich ändernden Speichermedien und Technologien die Daten auch in vielen Jahren noch vorgehalten werden können.

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