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Hitzewelle bringt Server zum Absturz

Lutz Poessneck
|
Donnerstag, 15. Juli 2010, 11:43 Uhr

Die aktuelle Hitzewelle kann die Unternehmens-IT gefährden. In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage nach Klimatisierungslösungen für Rechenzentren stark gestiegen. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter seinen Mitgliedern. Bei vielen IT-Anwendern sind Serverräume demnach nicht auf hohe Außentemperaturen ausgelegt.

Insbesondere historisch gewachsene Lösungen ohne umfassendes Kühlkonzept stoßen im Hochsommer schnell an ihre Grenzen. "Zur Verbesserung der IT-Kühlung sollte ein spezielles Präzisions-Klimagerät eingesetzt werden, eine Klimaanlage aus dem Baumarkt ist für die IT-Kühlung ungeeignet", sagt Holger Skurk, Experte für IT-Infrastruktur beim Bitkom.

Normale Komfort-Klimaanlagen für den Hausgebrauch schaffen ein Raumklima, das vor allem für Personen angenehm und daher eher trocken ist. IT-Systeme benötigen hingegen einen höheren Luftdurchsatz und eine genau regulierte Luftfeuchtigkeit. Sehr trockene Luft kann im Rechenzentrum zu statischen Aufladungen und damit zu Fehlfunktionen in den Rechnern führen, zu feuchte Luft kann Kurzschlüsse verursachen. "Für eine energie-effiziente und zuverlässige IT muss die Kühlluft zudem optimal zu den zu kühlenden Servern gebracht werden, etwa durch eine Steuerung des Luftstroms mit Blenden und Durchlassöffnungen", sagt Skurk. Fällt die IT wegen Hitze aus, kann dies schnell die Existenz eines Unternehmens gefährden – vor allem, wenn dessen Kernprozesse auf IT beruhen.

Fotogalerie: Nordseebrise kühlt Rechenzentrum

Luft! Mit diesem Ventilator bläst HP frische Nordseeluft in das neue Datenzentrum in Wynyard, Billingham, in der Grafschaft Durham. Auf etwa 4000 Quadratmetern Stellfläche laufen Server auf denen Unternehmen und Kommunen ihre Daten verarbeiten. Seit etwa zwei Wochen läuft die Anlage, klimatisiert fast ausschließlich mit Meeresluft.
Über diese gigantischen Rohre kommt die Luft in das hochsichere Rechenzentrum. Wynyard ist ein Tier-3-Rechenzentrum. Das bedeutet, dass neben wichtigen Unternehmensdaten hier auch das britische Verteidigungsministerium sowie die Pensionskasse Datenverarbeitung in Auftrag gibt.
Unter normalen Bedingungen schaufeln die Ventilatoren die Luft durch Metallschleusen, so genannten Louvres. Links im Bild sind die Filter, die Staub und andere Schwebeteilchen aus der Luft sieben. Dann strömt die Luft in einen großen Raum unter das Rechenzentrum, das 'Supply Plenum'.

 Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten

In Deutschland gibt es derzeit rund 53.000 Rechenzentren, in über 60 Prozent stehen weniger als zehn Server. Das hat eine aktuelle Berechnung des Borderstep-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Bitkom ergeben. In den kleinen Rechenzentren werden nur selten Präzisions-Klimaanlagen verwendet. Den Stromverbrauch aller Klimatisierungen in den deutschen Rechenzentren schätzt Borderstep auf rund 3 Terawattstunden (TWh) jährlich; so viel Strom produziert ein mittelgroßes Kohlekraftwerk in einem Jahr. Ungefähr die Hälfte dieser Strommenge lässt sich durch Optimierung einsparen.

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