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Technologie
Software
Interview

Integration über Virtualisierung - zu schön, um wahr zu sein?

Martin Schindler
|
Mittwoch, 22. November 2006, 11:15 Uhr

Im Interview mit silicon.de beansprucht das Basler Unternehmen E2E für sich, der erste Anbieter einer rein modellbasierten Anwendungsintegration zu sein. Die baut das Unternehmen auf einer eigenen Laufzeitumgebung auf.

Rund 70 Prozent aller Projekte rund um Enterprise Application Integration (EAI) scheitern, so Schätzungen des EAI Industry Consortiums. Technische Hürden, unterschiedliche Anforderungen in verschiedenen Abteilungen, ein unschlüssiges Management sowie dynamische Veränderungen der Anwendungslandschaften in Unternehmen machen solche Vorhaben nicht selten zum Abenteuer. Hinzu kommen oft hohen Kosten für Implementierung und eine langwierige Planungsphase.

Das Unternehmen E2E versucht zwischen der Planung und der technischen Umsetzung eines EAI-Projektes eine Brücke zu schlagen. Das Produkt 'E2E Bridge' ist ein Enterprise Service Bus (ESB), den die 'UML Virtual Machine' ermöglicht (UML steht für die Beschreibungssprache Unified Modeling Language). Die Virtual Machine setzt Planungen und Modelle, sofern sie den Spezifikationen der UML entsprechen, über virtualisierte Anwendungsschnittstellen in eine lauffähige Infrastruktur um.

Bei herkömmlichen Lösungen werden zwar ebenfalls UML-Modelle entworfen, jedoch müssen hier die Verbindungen zwischen den Anwendungen erst programmiert werden. Kann die Lösung in der Praxis einhalten, was E2E-CEO Serge Gansner und Michael Drescher, Vice President für Sales in Europa, im Gespräch mit silicon.de versprechen, so könnte die EAI-Branche bald einen neuen Player aufweisen. Erste imageträchtige Projekte etwa bei dem Bankkonzern UBS, beim Nahrungsmittelkonzern Dr. Oetker oder der Firma Agrano konnte sich der ehemalige Integrationsdienstleister bereits sichern.

silicon.de: Mit der E2E Bridge haben Sie inzwischen - neben anderen Projekten - bei UBS und der Swisscom Integrationsprojekte erfolgreich realisiert. Was zeichnet ihre Lösung im Kern aus?

Gansner: Wenn man mit einem Modellierungs-Tool einen Geschäftsprozess definiert, dann ist das zwar ein Abbild der Realität, das schön farbig, übersichtlich und professionell aussieht, aber dadurch hat man noch keinerlei Verbindung oder Bezug zu einer realen Infrastruktur hergestellt. Über unsere Bridge können Sie Modelle, die in UML erstellt wurden, direkt auf die Systeme herunterbrechen. Die einzelnen Anwendungen werden sozusagen virtuell angebunden. Dabei bleiben aber die Prozesse für den Anwender transparent und er kann weiterhin interagieren. Auch die Leistungsfähigkeit der Systeme bleibt erhalten, schließlich ist Geschwindigkeit bei solchen Projekten essentiell.

silicon.de: Wie darf man sich das technologisch vorstellen?

Gansner: Den Kern unserer Lösung nennen wir die 'UML Virtual Machine'. Das ist eine Art Laufzeitumgebung, die Modelle, die in UML erstellt werden, in Code umsetzt. Damit können wir binnen weniger Tage Projekte integrieren, die mit klassischem Kodieren Monate dauern.

silicon.de: Sie sprechen von UML. Wie wichtig sind Standards für Ihre Lösung? 

Drescher: Mit UML setzen wir auf einen offenen Standard auf, der im Unternehmen wirklich gebraucht und auch verwendet wird. Beispielsweise lassen sich mit BPEL (Business Process Execution Language) nicht alle Prozesse im Unternehmen abbilden. Unsere Kunden sagen dann meist von sich aus: "Warum nehmen wir denn nicht gleich UML?" Deswegen haben wir jetzt auch mit dem Hersteller No Magic über das UML-Tool 'MagicDraw' eine Vertriebspartnerschaft geschlossen. Es gibt schätzungsweise weltweit 800.000 UML-Entwickler und etwa 400.000 Installationen von No Magic. Zudem ist deren Tool dem UML-Standard sehr treu. Die Partnerschaft ist für uns vor allem in der Evaluationsphase wichtig. Wenige Unternehmen sind bereit, für ein paar Modelle gleich einige tausend Euro zu bezahlen, aber einige hundert Euro sind meist völlig im Rahmen.

silicon.de: Ist denn für diese Art der Integration spezielles Wissen oder besondere Schulung nötig?

Gansner: E2E kommt vollständig ohne klassische Programmierung aus. Natürlich müssen wir unsere Mitarbeiter und die Verantwortlichen bei unseren Kunden auf das Produkt schulen. Mit einem Informatik-Studium und einem objektorientierten Hintergrund sind die Anwender meist schon nach wenigen Tagen in der Lage, mit der Bridge zu hantieren.

Drescher: Auch das ist wichtig für unsere Lösung. Denn über die modellbasierte Integration können jetzt auch verschiedene Abteilungen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen wie etwa IT und Management mit den gleichen Vorlagen arbeiten.

silicon.de: Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Im EAI-Umfeld jedoch konkurriert Ihr Produkt mit anderen Lösungsstrategien. Weshalb verfolgen Ihre Konkurrenten nicht den gleichen Ansatz wie die E2E-Bridge?

Gansner: Das hat viel mit unserer Geschichte zu tun. Wir kommen ja aus dem Integrationsgeschäft. Aber wir haben keinerlei applikationsbezogene Vergangenheit. Das unterscheidet uns von anderen Herstellern, die oft ein riesiges J2EE-Framework (Java 2 Enterprise Edition) hinten dran haben. Wir haben uns von Anfang an auf die Entwicklung des 'Motors', also auf die UML-Laufzeitumgebung, konzentriert. Uns war vor allem die Performance wichtig und schnelle Reaktionszeiten, das ist ein komplett anderer Ansatz.

silicon.de: Haben Sie Probleme, Ihre Strategie den Anwendern zu vermitteln?

Gansner: Wenn wir uns mit Kunden unterhalten, bekommen wir immer wieder das zu hören, was Sie eben sagten: "too good to be true". Im Prinzip kommen wir nur über Referenzen an die Anwender heran. Inzwischen arbeiten wir auch mit Showcases. Das heißt, wir gehen zu den Kunden und integrieren deren Umgebung mit unserem Produkt. Auf diese Weise konnten wir jetzt auch einen Auftrag für eine der größten SAP-Installationen in Asien gewinnen.

silicon.de: Um welches Unternehmen handelt es sich dabei?

Gansner: Das Unternehmen heißt DKSH, die Abkürzung steht für Diethelm Keller Siber Hegner, und ist ein Outsourcing-Spezialist für Asien. Das Schweizer Familienunternehmen soll für den Pharmakonzern Roche bis 2007 insgesamt 35 Niederlassungen an ein Shared Service Center anbinden. Obwohl das eine Referenz-Implementierung von SAP in der Region ist und SAP gerne 'XI' (SAP Exchange Infrastructure) und 'Netweaver' gesehen hätte und auch dementsprechende Angebote gemacht hat, haben wir im Juli den Zuschlag erhalten. Die Vorgabe war allerdings, bereits am 2. August live zu gehen. Innerhalb dieser kurzen Zeit haben wir 76 Interfaces integriert. Unsere Mitbewerber aber haben sich das angeschaut und gesagt, das ist in dieser kurzen Zeit gar nicht möglich.

silicon.de: Wie soll es jetzt weitergehen und wie wird künftig der Vertrieb aufgestellt sein?

Gansner: Derzeit verfolgen wir einen Mix aus direkt und indirekt. Bislang haben wir fast ausschließlich mit Partnern gesprochen. Wenn man aber die Awareness beim Kunden bekommen will, muss man den Markt auch direkt angehen. Das Problem dabei aber ist, dass mit unserem modellbasierten Ansatz unsere Partner eigentlich von ihrem bisherigen Business-Modell abrücken müssten. Große Partner wie Accenture oder CapGemini wollen ihre Stunden und andere Dienstleistungen wie gewohnt abrechnen. Das ist manchmal etwas schwierig.

silicon.de: Funktioniert die Zusammenarbeit mit großen Anbietern also nicht so besonders gut?

Gansner: Das kann man eigentlich nicht sagen. Bei kleineren Partnern haben wir es da leichter, weil für die der Druck vom Markt stärker ist. Aber selbstverständlich arbeiten wir mit Partnern sehr eng zusammen. Wir haben zum Beispiel zusammen mit IDS Scheer die 'ARIS Bridge' entwickelt. Andere, wie etwa DKSH, wollen dann unser Produkt auch selbst im Haus einsetzen, nachdem sie es beim Kunden installiert haben.

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