Deduplizierung ist Diät für die Speicherressourcen

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Die alte Leier hat ausgedudelt: Statt die wachsende Menge an Daten zu bejammern, wäre es doch schön, wenn man sie auf das Wesentliche reduzieren könnte. Deduplizierung kann das.

Andere Lösungen übernehmen zunächst den neuen Datensatz ins Speichermedium und beginnen dann mit dem Abgleich der bereits vorhandenen Informationen. So arbeiten die Lösungen von Quantum – die mit der DXi-Series vom jüngst übernommenen Unternehmen Adic respektive Rocksoft, das von Adic kurz vorher gekauft worden war, ins Geschehen eingreifen –  Data Domain, Diligent, Network Appliance oder auch FalconStor.

Der Vorteil der Ziel-Methode ist, dass der IT-Manager seine aktuelle Backup-Software und die Routinen beibehalten kann, statt existierende Software-Systeme durch eine komplett neue Infrastruktur mit Dedupe-Software zu ersetzen. Das könnte für manche Unternehmen ein entscheidendes Kriterium sein, haben doch nicht wenige verschiedene Backup-Software implementiert.

FalconStor klemmt eine dedizierte Dedupe-Appliance noch hinter die Virtual Tape Library (VTL). Selbst eine kombinierte Dedupe-VTL-Lösung gefällt dem Hersteller nicht. Liefen nämlich beide Prozesse parallel, also Datenreduzierung während die VTL schreibt, dann benötige man eine ordentliche CPU-Leistung, sonst gehe das Backup in die Knie, erklärte Guy Berlo, deutscher Geschäftsführer des Unternehmens, im Gespräch mit silicon.de.

Die Datanreduzierung läuft somit getrennt sogar noch vom Backup. Berlo sieht das Hauptargument des FalconStor-Ansatzes in der Auflösung von Abhängigkeiten. “Vor allem in Enterprise-Umgebungen ist eine unabhängige Lösung wesentlich flexibler und skaliert besser”, begründet er das Konzept. Sowohl das Backupsystem als auch die Dedupe-Appliance skalierten je nach Wunsch des IT-Leiters flexibel.

Schlagabtausch

Verfechter der zweiten Philosophie haben auch Nachteile ausgemacht. Avamar zufolge ist dieser Ansatz “wesentlich langsamer” als die Lösungen, die Daten bereits an der Quelle reduzieren bevor sie sie zum Storage transportieren. Auch dieses Argument scheint nicht völlig aus der Luft gegriffen. Eine Reihe von Kritikern macht darauf aufmerksam, dass zwar am Ende die Datenmenge reduziert, das Bandbreitenproblem im SAN oder gar im Weitverkehrsnetz (WAN) mit diesem Verfahren keinesfalls angegangen werde.

Zudem lasse sich mit der Software-Lösung auch Geld sparen. Für Remote Offices sei ein Konzept wie das von Avamar genau das richtige, glaubt Yueh. “Man braucht weniger Platz und weniger Komponenten in der Zweigstelle, da alles über die Software läuft, Verschlüsselung inklusive.”

Für Berlo kein Grund zur Besorgnis. FalconStors Lösung könne auch mit Zweigstellen umgehen. “In den Außenbüros, die oftmals keine IT-Leiter vor Ort haben, wird es schwer, jeden Client anzufassen und jeden Server neu zu konfigurieren, um Dedupe zu realisieren.” Quantum führt das Argument von geringer qualifiziertem IT-Personal für seine Lösung ebenfalls an, die ja dem Grundprinzip nach ähnlich wie FalconStor funktioniert. Dennoch kann Avamar beispielsweise nach eigenen Angabe eine Kundenbasis von mehr als 400 Firmen vorweisen.

Jetzt aber: Das Ende der Tapes – oder wieder nicht?

Spätestens hier taucht mal wieder die Tape-Frage auf. Und immer noch gehen die Meinungen auseinander. Quantums Lösung hat grundsätzlich nichts dagegen, wenn Daten zuguterletzt noch auf Tapes abgelegt werden. Sie kann bloß deduplizierte Daten nicht verschieben. Das bedeutet, deduplizierte Datensätze der Appliance müssen, und jetzt wird es kompliziert, re-dedupliziert werden. Das Konzept halten Kritiker für nicht zu Ende gedacht. Quantum aber erklärt, man entspreche damit Kundenwünschen.

Das würde bedeuten, Bandbibliotheken werden in den Archiven vieler Unternehmen nach wie vor gerne gesehen. Ob es an den Kosten liegt oder der robusten Hülle, die die Daten durch die Kassette umgibt, entscheidet jedes Unternehmen selbst. Avamars Kunden sind da scheinbar anders drauf. Die Archivierung auf Tapes erfolgt hier mit deduplizierten Daten. Yueh verweist auf eine Technologie, die sich ‘Checkpoint’ nennt und die deduplizierte Versionen als 30-, 60- oder 90-Tage-Version auf Bändern ablegen kann.

Also wird die Frage der Tape-Zukunft genau so unentschieden bleiben wie die Entscheidung, ob ein Administrator an der Quelle oder am Ziel deduplizieren will. Die Speicherbranche hat sich da ganz eigene Gesetze geschaffen und fährt mit jeder Technologie mehrere Schienen. Das zeigte sich jüngst bei dem letztjährigen Dauerbrenner CDP (Continuous Data Protection), der im Übrigen auch mit Deduplizierung in Verbindung gebracht wird oder bei den Dateiensystemen über Weitverkehrsnetze (WAFS) mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Einzelgespräche zwischen Hersteller und Anwender sind unumgänglich, und nur sie können letzten Endes zum passenden Konzept führen.